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Patentkrieg

Brisante Akte: Was Samsung vom iPhone abschaute

Ein Evaluierungsbericht von 2010, der das iPhone mit dem Galaxy S1 vergleicht, könnte für Samsung im Patentprozess gegen Apple unangenehm werden. In detaillierten Punkten werden Funktionen und Design des Samsung-Geräts kritisiert und Verbesserungs-Vorschläge gemacht, wobei das iPhone die Referenz darstellt.

Apple hat vor Gericht ein Samsung-internes Dokument vorgelegt, das wie Sprengstoff im Patentprozess wirken könnte. "Relativer Evaluierungsbericht zu S1, iPhone" nennt sich das 132 Seiten lange Schriftstück vom März 2010, in dem die "SW Verification Group" darlegt, wie das Samsung-Smartphone Galaxy S1 im Vergleich zu Apples iPhone abschneidet. In 126 Punkten werden die Vorteile des iPhone in Funktion, Design und Bedienung beschrieben und Verbesserungs-Vorschläge erteilt, die genauso gut als Kopieranleitung gelesen werden könnten.

Die futurezone hat den auf Englisch übersetzten Evaluierungs-Bericht durchforstet, welcher durch die Webseite Scribd vollständig einsehbar ist. Hier die Highlights:

Im Bericht der "SW Verification Group" wirkt es so, als hätte das iPhone dem Galaxy S1 einiges voraus gehabt - manchmal gerechtfertigt, manchmal nicht. Homescreen-Vergleich: Während beim Kalender-Symbol des iPhone das richtige Datum erschien, zeigte das statische Samsung-Symbol immer den Siebenten des Monats. Kein Vergleich: Im iPhone-Browser konnte man Textteile markieren und kopieren. Beim S1 fehlte diese Funktion völlig. Das schnelle Durchblättern neuer E-Mails funktionierte beim S1 nicht. Das iPhone hatte dafür Rauf-Runter-Tastflächen. Ein Detail, das selten jemandem auffällt: Die Kalender-App des iPhone umfasst je nach Tages-Aufteilung im jeweiligen Monat mal fünf oder sechs Wochen, wodurch der verbleibende Display-Platz optimiert wird. Beim S1 wurden sechs Wochen angezeigt, selbst wenn man mit fünf ausgekommen wäre. Der Nachglüh-Effekt nach dem Drücken einer Taste in der iPhone-Musikplayer-App verleihe dieser ein "luxuriöses Gefühl". Das S1 benötige so etwas unbedingt ebenfalls, so die Evaluierer. Bei der Eingabe einer langen Telefonnummer am iPhone wurde die Nummer skaliert, sodass sie lange Zeit vollständig sichtbar blieb. Beim S1 verschwanden die Nummern am linken Rand des Eingabefensters. Nicht gut, befand das Evaluierungsteam. Ein im Alltag wichtiges Detail: Beim iPhone kann man den Cursor per Lupe genau zwischen Buchstaben platzieren, beim S1 hatte man diese Präzisions-Hilfe nicht. Das Einfügen von Buchstaben aus anderen Sprachen (wie "ö" und "ß" im Deutschen) funktionierte beim iPhone durch Gedrückthalten eines Buchstabens am Keypad. Beim S1 musste man erst die Sprache umstellen. Während der Musik-Wiedergabe konnte man beim iPhone Bluetooth-Geräte aufspüren und gut sichtbar einblenden lassen. Beim S1 war der Hinweis auf Peripheriegeräte kaum sichtbar. Ein Unterschied beim Umschalten der Keypad-Layouts: Wer bei iPhone Buchstaben eintippte bekam Zahlen ("123") als Alternative angezeigt. Das S1 zeigte hingegen, auf welchem Layout man sich befand. Bei Buchstaben erschienen Buchstaben ("abc") - ein schwerer Usability-Fehler. Wenn im iPhone-Browser noch keine Webseite aufgerufen wurde, konnte man auch kein Lesezeichen dafür anlegen. Beim S1 merkwürdigerweise schon. Spitzfindig? Statt in der Browserleiste sollte der Seiten-Lade-Hinweis besser in der Mitte des Displays erscheinen, riet das Evaluierungs-Team. Im iPhone-Browser konnte man am Symbol rechts unten erkennen, wie viele Tabs geöffnet waren. Beim S1 "tabbte" man im Dunkeln. Der Schieberegler im Kameramodus des iPhone zeigt sichtbar an, ob man gerade fotografiert oder filmt. Beim S1 fehlte diese Eindeutigkeit. Beim Umschalten zwischen Ebenen in der Karten-App erscheint am iPhone eine Umblätter-Animation. Laut den Kritikern sollte Samsung einen ähnlichen "Spaßfaktor" erhalten. Nicht gerade Samsung-spezifisch: Bilder wurden in der Facebook-App für iOS größer dargestellt als in der Android-App. Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen? Keypad-Buchstaben werden beim iPhone groß angezeigt, obwohl sie beim Antippen klein geschrieben werden. Verbessert laut Samsungs Evaluierungs-Team die Lesbarkeit. Bei Rechner und Notizfunktion fehlte dem S1 ein Landschaftsmodus. Wayne interessiert`s? Die Darstellung des Notiz-Symbols sei beim S1 "inkonsistent", weil die Anfangs-Übersicht der Notiz-Funktion nicht genauso wie das Symbol aussähe. Die fehlenden Tastenabstände bei der Rufnummern-Eingabe des iPhone ließen das Keypad größer erscheinen. Um Nummern aus einer SMS in die Kontaktliste hinzuzufügen, benötigte man beim iPhone nur 3 Schritte, beim S1 ganze 5. Hier sieht man aber auch etwas, was man beim iPhone oft vermisst: Verschiedene Speicherorte im Angebot. Provinziell: Beim S1 konnte man keine weiteren Länder in der Wetter-App auswählen. Wecker Einstellen schwer gemacht: Beim S1 musste man mit Pfeiltasten die exakte Zeit anscrollen. Das iPhone löste dies mit Touch-Auswahlrädern besser.

Dämpfer für Samsung

Unter den Kritikpunkten finden sich klare Schwächen des S1 samt seiner damaligen Android-Version gegenüber iPhone und iOS, etwa die fehlende Kopier-Funktion im Webbrowser. Andere Punkte wirken besonders kleinlich, etwa an welcher Stelle am Display die "Loading..."-Anzeige beim Laden neuer Webseiten erscheint. Einige Vorschläge betreffen sogar Apps von Drittanbietern, etwa die Facebook-App, bei deren Android-Version Darstellungs-Schwächen geortet werden.

Die Anmerkungen und Hinweise der "SW Verification Group" zeigen jedenfalls, wie sehr sich Samsung an seinem Konkurrenten orientiert hat. Ob die Änderungs-Vorschläge des Evaluierungs-Teams vor Gericht als Kopier-Auftrag durchgehen, ist damit aber noch lange nicht gesagt. Konkurrenz-Beobachtung zählt schließlich zum normalen Vorgehen eines internationalen Konzerns.

Das Auftauchen des Dokuments ist schon der zweite Dämpfer für Samsung in zwei Tagen. Am Montag wurde eine E-Mail mit scharfen Äußerungen von Samsungs Mobil-Chef JK Shin als Beweismittel angenommen. Der Manager erklärt dort unter anderem, das iPhone habe bei Samsung eine "Design-Krise" offenbart. Er bekomme oft den Vorschlag zu hören, „etwas wie das iPhone“ zu bauen. Der Unterschied bei der Bedienung des iPhone und des Samsung-Modells Omnia sei wie "zwischen Himmel und Erde".

Samsungs Chefstratege Justin Denison versuchte am Dienstag im Gericht, die Wucht dieser Äußerungen herunterzuspielen. Es sei bewusst überspitzte Rhetorik gewesen, um die Mitarbeiter aufzurütteln, sagte er laut US-Medienberichten.

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Tags: Apple, Samsung, Patentstreit, Galerien


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