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Testphase eBay drückt aufs Tempo.

eBay-Chef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika: Alexander von Schirmeister.
eBay-Chef für Europa, den Mittleren Osten und Afrika: Alexander von Schirmeister. - Foto: KURIER/Gerhard Deutsch
In New York wird die Zustellung binnen 24 Stunden geprobt.

KURIER: Der Handel ist im Umbruch. Wie hat sich eBay verändert?

Alexander von Schirmeister: Wir sind vor 19 Jahren als Auktionsplattform für Private gestartet. Heute sind wir eine Shopping-Plattform mit 148 Millionen aktiven Kunden. 75 Prozent der Angebote kommen mittlerweile von Händlern, die Waren zu Fixpreisen anbieten.

Damit ist die Zeit der skurrilen Auktionen auch weitgehend vorbei, oder?

Dafür sind wir nicht mehr so bekannt. Das letzte wirklich Skurrile, das mir einfällt, ist der VW Golf vom Papst Ratzinger.

Sie haben in London und Berlin temporär Läden, sogenannte Pop-up-Stores, eröffnet. Ein Modell, das Schule machen wird?

Nein, es wird keine weiteren Pop-up-Stores von uns geben. Das war eine Marketing-Aktion, um zu zeigen, dass die Annahme, dass wir ein altes Auktionshaus sind, so nicht mehr stimmt. Wir haben in den Läden neue Ware von bekannten Händlern ausgestellt.

Und wie konnte man die Ware kaufen?

Mit dem Smartphone, indem man den QR-Code scannt. Mit diesem System haben wir im Geschäft gar keine Verkäufer gebraucht.

Die Kunden wollen alles und das gleich. Wie reagiert eBay darauf?

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Foto: KURIER/Gerhard Deutsch
Derzeit testen wir die Zustellung binnen 24 Stunden. Das probieren wir in New York, San Francisco, Dallas und Chicago aus. Wir arbeiten mit stationären Händlern zusammen. Bestellt jemand zum Beispiel ein paar Turnschuhe, geht unser Bote zum Händler, holt sie ab und bringt sie zum Beispiel binnen zwei Stunden im Büro vorbei. Der Käufer sieht über GPS, wo der Bote gerade unterwegs ist.

Und dieses System soll ausgerollt werden?

Um das zu beurteilen, ist es noch zu früh.

Sie sind bei eBay für 13 europäische Länder zuständig. Wo haben Sie die Wirtschaftskrise besonders gespürt?

In der Krise verhalten sich die Konsumenten in allen Ländern gleich, wenn auch mit zeitlichen Verschiebungen. In Südeuropa hatten wir starke Wachstumsraten. Die Leute müssen auf die Preise schauen und vergleichen viel im Internet. Damit steigen die Online-Umsätze. Und auch die Importe, weil es oft ausländische Anbieter gibt, die billiger sind.

Wie hoch ist der Anteil der grenzüberschreitenden Geschäfte?

Bei uns sind bei 20 Prozent der Geschäfte Käufer und Verkäufer nicht im selben Land. Österreichische Kunden kaufen nicht nur auf eBay Österreich, sondern auch viel in Deutschland, Großbritannien, in den USA und China. Der Österreicher ist smart genug, um zu wissen, dass er im Ausland mitunter billiger kauft.

Billig allein reicht offenbar nicht. eBay lässt schon Prominente Kollektionen zusammenstellen ...

Konsumenten suchen auch Inspiration. Das Internet ist zu einer Austauschplattform geworden. Wir sind in dem Punkt von Social Media getrieben.

Welche Bedeutung hat das Geschäft über Smartphones?

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Foto: KURIER/Gerhard Deutsch
Bei 40 Prozent unserer Transaktionen sind mobile Endgeräte involviert. Das ist eine rasante Entwicklung. Vor fünf Jahren war die Quote quasi noch bei null. Ich bin der Meinung, dass wir in den nächsten drei Jahren mehr Innovationen sehen werden als in den vergangenen 15 Jahren.

Amazon will jetzt auch im Onlinehandel von Lebensmitteln durchstarten. Ist das auch für eBay ein Thema?

Nein, das ist nicht unser Geschäft. Wir haben nicht die Logistiksysteme dazu und wollen sie auch nicht aufbauen.

In Österreich hat eBay keine Mitarbeiter mehr. Ein vernachlässigbarer Markt?

Nein, Österreich hat sehr gute Wachstumsraten. Wir haben aktuell 1,5 Millionen aktive Kunden, die in den vergangenen zwölf Monaten über eBay Artikel ge- oder verkauft haben.

Amazon-Konkurrent eBay
Alexander von Schirmeister Der Sohn deutscher Eltern ist in Mexiko geboren und seit 2007 eBay-Chef für die Region EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika). Seit 2004 ist er bei eBay, zuvor war er für Procter&Gamble in Mexiko und Booz Allen & Hamilton in London tätig.

Vom Auktionshaus zur Handelsplattform Im ersten Quartal hat der US-Konzern seinen Umsatz um 14 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar (3,1 Mrd. Euro) gesteigert. Der Gewinn stieg um elf Prozent auf 899 Millionen Dollar. Zentrale Stütze des Amazon-Rivalen ist der Bezahldienst PayPal.

(kurier) Erstellt am 16.05.2014, 05:55

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