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Cybersecurity Israels Cyber-Hauptstadt entsteht in der Negev-Wüste.

Das Konzept für den Hochtechnologiepark im israelischen Beerscheba
Das Konzept für den Hochtechnologiepark im israelischen Beerscheba - Foto: CyberSpark
Mit Unterstützung der israelischen Regierung und Privatinvestoren soll die Wüstenstadt Beerscheba zum internationalen Cybersecurity-Zentrum werden.

Erst kamen die Bäume und nun die Computerfreaks. Israel setzt nach der gebietsweisen Aufforstung auf die Cyberelite, um die öde Südhälfte des Landes zu beleben. Beerscheba, das schon lange den Beinamen "Hauptstadt der Negev-Wüste" führt, wird nun zum "Cyber-Capital" ausgebaut. Rund einhundert Kilometer weiter kommt am Dienstag die Weltbranche zur CyberTech-Messe in Tel Aviv zusammen.

Cybersecurity-Vorreiter Israel

"Egal ob Deutschland, USA oder Israel - die Bedrohung durch Computerattacken wächst sprunghaft", sagt Dudu Mimran, Technischer Leiter der Innovation Laboratories der Deutschen Telekom in Beerscheba. Aber insbesondere Israel habe sich zu einem "Impulszentrum" für die Cybersicherheit entwickelt. Laut Tom Ahi Dror vom National Cyber Bureau, das direkt dem Ministerpräsidenten untersteht, werden in Israel ein Fünftel der globalen privaten Investitionen in Cybersicherheit getätigt.

Die Deutsche Telekom war mit ihren Innovationslabors, die sie seit zehn Jahren gemeinsam mit der örtlichen Ben Gurion Universität (BGU) betreibt, einer der ersten Mieter im Technologiepark von Beerscheba. Seit einem Monat ist dieser Advanced Technology Park dank einer futuristisch gestalteten Fußgängerbrücke direkt mit der BGU verbunden.

Das dritte Element im großangelegten Regierungsprojekt CyberSpark ist die Verlagerung all jener Einheiten der israelischen Streitkräfte nach Beerscheba, die mit Technologie und Überwachung zu schaffen haben. In wenigen Jahren sollen dort 15.000 Beschäftigte für die Sicherheit der Informationstechnologie tätig sein.

"Böse" Softwareentwickler

Zwei Hauptprobleme sehen die Experten im eskalierenden Cyberkrieg. "Die gesetzestreue Seite hat bisher immer monatelange Verspätung, wenn neue Schadprogramme auftauchen", sagt Joav Zruja, einer der Partner von JVP Cyber Labs in Beerscheba. Dieser Venturekapitalfonds ist der größte israelische Investor in Cybersicherheit.

Deshalb habe JVP zuerst das Startup-Unternehmen Cyaktive gefördert, das Varianten "böser Software" schneller entwickeln will als die Angreifer. "So können wir schon vorausschauend die Abwehr entwickeln", sagt Zruja. Inzwischen testen Siemens und Oracle die Cyaktive-Strategie.

Risiko Internet der Dinge

Das zweite große Problem entsteht aus dem wachsenden Internet der Dinge, also der breiten Einbeziehung unserer gegenständlichen Alltagsumwelt und der klassischen Industrie in Onlinenetzwerke. "Das vermehrt die Zahl leicht angreifbarer Ziele sprunghaft", sagt Joni Schohet von SCADAfence, einem weiteren Startup, das JVP in Beerscheba als Inkubator "ausbrütet".

Der Jungunternehmer verweist auf ein deutsches Stahlwerk, wo Hacker bis in die Produktionsnetze vordringen konnten und für Ausfälle sorgten, die einen Hochofen massiv beschädigten. So nachzulesen im Lagebericht der Bundesregierung zur IT-Sicherheit für 2014. Und vor wenigen Wochen erzeugte eine Cyber-Attacke in der West-Ukraine einen Stromausfall in 700.000 Haushalten.

Politische Entscheidung

Ob Wirtschaftsspionage, Erpressung, Diebstahl oder kriegerischer Angriff - die Bedrohungen aus dem Internet nehmen zu. Und Israel nimmt im Abwehrkampf eine Spitzenstellung ein. Die permanente Bedrohung im Nahen Osten, die allgemeine Wehrpflicht in einer technologisch hochgerüsteten Armee, welche die dafür talentiertesten Rekruten zur Cyberabwehr ausbildet, sind wichtige Gründe dafür.

Dass Beerscheba mit heute 200.000 Einwohnern zum Hauptquartier der boomenden Branche ausgebaut wird, ist eine politische Entscheidung. Der Negev bietet sechzig Prozent der Fläche Israels, beherbergt aber nicht einmal zehn Prozent seiner Bevölkerung. Am Ende soll die Wüstenmetropole mit einer halben Million Einwohnern nach Jerusalem die zweitgrößte Stadt im Lande sein.

Arbeitsplätze schafft für sie der neue Wachstumsmagnet: Im Technologiepark wird derzeit das dritte von 27 geplanten Bürogebäuden gebaut. Und die Streitkräfte schreiben im Februar die Errichtung ihres Technologie-Campus aus, der gleich nebenan liegen wird.

(apa, afp) Erstellt am 25.01.2016, 14:37

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