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Test 3D-Figuren: So verewigt man sich im Maßstab 1:10.

Die vier 3D-Figuren und ihre Originale
Die vier 3D-Figuren und ihre Originale - Foto: Gerhard Deutsch
In Pose werfen, scannen und ausdrucken: Die futurezone hat vier Anbieter getestet, die 3D-Figuren in Farbe anfertigen.

Mit dem Aufkommen der 3D-Drucker hat sich ein neuer Geschäftszweig etabliert: 3D-Figuren, auch als Fotoskulpturen bekannt. Die Idee sich selbst zu einer Statue oder Figur zu machen, ist nicht neu. Schon seit einigen Jahren gibt es Dienste, denen man Portraitfotos schickt, damit diese das Gesicht auf einen vorgefertigten Figurenkörper setzen.

Bei 3D-Figuren wird der ganze Kunde digitalisiert und als Mini-Version mit einem 3D-Drucker ausgedruckt. Die futurezone hat vier österreichische Angebote ausprobiert, die den kompletten Service, vom Scan bis zur fertigen Figur in Farbe, anbieten.

Grundlegendes

Der Ablauf ist bei allen Anbietern gleich. Man kontaktiert das Unternehmen, bespricht kurz was man sich in etwa vorstellet und macht einen Termin für das Scannen aus. Beim Scannen gibt es zwei Techniken. Bei einer wird in 3D gescannt. Dies geschieht entweder mit einem Handscanner oder mit 3D-Kameras, die ähnlich wie Microsofts Xbox-Bewegungssteuerung Kinect funktionieren.

Bei der zweiten Methode kommen bis zu 112 2D-Kameras zum Einsatz. Die Kameras sind auf einem Gestell kreisförmig angeordnet. Der Kunde tritt in die Mitte des „Kamerakäfigs“. Die Kameras lösen alle gleichzeitig aus. Eine Software fügt die Fotos zu einem 3D-Modell zusammen.

Bei beiden Methoden ist ein Nachbearbeiten des 3D-Modells nötig. Je nachdem wie ausgelastet der Anbieter ist, dauert es zwei bis drei Wochen, bis man die 3D-Figur in Händen hält. Auch Sonderwünsche, wie etwa das Hinzufügen von Gegenständen zur Figur oder das Nachbearbeiten (damit die Figur zB muskulöser oder schlanker ist), sind nach Absprache mit den Anbietern möglich.

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Foto: Gregor Gruber

Tipps

Man sollte für den Shooting-Termin vorbereiten. Das beginnt bei der Wahl der Kleidung. Damit die Software korrekt das 3D-Modell aus den Fotos und Scans berechnen kann, ist Kleidung mit Struktur und Kontrasten vorteilhaft. Tiefschwarze glatte Kleidung und reflektierende Materialen sind nicht gut geeignet. Am besten zieht man Buntes mit kräftigen Farben an, damit die 3D-Figur auch zu einem Hingucker wird. Sollte man dennoch auf eine schwarze Hose bestehen, kann man sich auch mit der Bluejeans scannen lassen, die dann in der Nachbearbeitung schwarz gefärbt wird. Ist man sich nicht sicher, ob die Kleidung scantauglich ist, kann man zwei oder drei Outfits zum Shooting-Termin mitnehmen.

Die Scan-Methode beeinflusst die Wahl der Pose. Bei Handscannern und Scans mit 3D-Kameras muss die Pose zwei bis drei Minuten gehalten werden, ohne sich dazwischen zu bewegen. Bei Shootings mit Rundum-Kameras reicht ein Bruchteil einer Sekunde. Es können auch Posen in einer Bewegung, mit im Wind flatterndem Gewand oder im Sprung eingefangen werden.

Brillen können bei den Scans Probleme verursachen. Deshalb sollte man Kontaktlinsen tragen oder den Anbieter fragen, ob er Brillengestelle ohne Gläser zum Ausborgen hat. Viele Accessoires können miteingescannt werden. Bei der Rundum-Kamera-Methode muss der Anbieter möglicherweise Gegenstände beim Nacharbeiten durch ein 3D-Objekt aus einer Datenbank ersetzen. Dies ist nötig, falls die Kameras das Accessoire nicht richtig erfassen konnten. Das kann bei kleinen, dünnen und Objekten mit reflektierenden Oberflächen der Fall sein.

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Foto: Gregor Gruber

Größe und Gruppen

Die 3D-Figuren können in verschiedenen Größen bestellt werden. Je größer, desto detaillierter und teurer ist die Figur. Die Größen werden als Maßstab oder in Zentimetern angegeben. Die beliebteste Größe ist 1:10, bzw. 16 bis 19 cm. Die maximale Größe einer 3D-Figur wird durch den Bauraum des 3D-Druckers vorgegeben und beträgt bei den meisten Anbietern 35 bis 38 cm. Die Figuren können auf Wunsch nur einfarbig gedruckt werden. Das ist zwar günstiger, sieht aber bei weitem nicht so gut wie eine bunte 3D-Figur aus.

Scans von Kindern und Tieren sind bei der Methode mit den Rundum-Kameras problemlos möglich. Sollen Gruppen digitalisiert und als Figur gedruckt werden, sollte man dies vorher mit dem Anbieter besprechen. Manchmal ist es sinnvoller die Personen einzeln zu scannen und nachher die 3D-Modelle zusammenzuführen.

Die Anbieter

Redakteure der futurezone haben 3D-Figuren bei den folgenden Anbietern anfertigen lassen: 3D ConceptArt, 3D-Portrait, Duwidu und Fabberlounge. Hier sind die Anbieter in alphabetischer Reihenfolge im Überblick.

3D ConceptArt

3D ConceptArt hat den Betrieb Anfang des Jahres aufgenommen. Das Studio befindet sich in Linz. Es kommen 112 Rundum-Kameras zum Einsatz. Genauer gesagt handelt es sich um 112 Raspberry-Pi-Minicomputer, die jeweils mit einem Kameramodul ausgestattet sind. Eine Figur im Maßstab 1:10 kostet 239 Euro. Die Nachbearbeitung macht 3D ConceptArt, gedruckt wird die Figur von der Firma 3D Solutions in Birkfeld, Steiermark.

Shooting: Das Studio von 3D ConceptArt liegt etwas versteckt in der Linzer Industriezeile. Die beiden Gründer Christian und Nina helfen auf Wunsch in einem Beratungsgespräch bei der Auswahl von Outfit und Pose. Da die Aufnahme nur wenige Sekunden dauert, können mehrere Kombinationen ausprobiert und im Anschluss gleich am Computer ausgewählt werden. Kommt man gut vorbereitet zum Termin, ist alles bereits nach 15 Minuten erledigt.

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Das Studio von 3D ConceptArt - Foto: 3D ConceptArt

3D-Portrait

3D-Portrait setzt auf den Handscanner Artec Eva. Dieser ist mobiler als die Lösungen mit den Rundum-Kameras, Scantermine werden in Graz und Wien angeboten. Eine Figur mit 15 cm Höhe kostet 277 Euro, eine 20cm-Figur 310 Euro. Das Drucken von 3D-Figuren ist für das steirische Unternehmen ein zweites Standbein, die Digitalisierung, Archivierung und der Druck von Kunstwerken wird ebenfalls angeboten.

Shooting: Der Techniker Bernhard Fink führte den Scan für 3D-Portrait in Wien durch. Treffpunkt war eine Altbauwohnung in der Wiener Gumpendorferstraße, wo das Unternehmen ein Büro unterhält. Der Scan dauerte lediglich einige Minuten, während der Aufzeichnung musste man allerdings so still wie möglich stehen.

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3D Portrait nutzt Artec Eva Handscanner - Foto: Artec

Duwidu

Duwidu nutzt Rundum-Kameras mit Raspberry Pis. Der Standort des Studios ist in Innsbruck. Eine Figur im Maßstab 1:10 kostet 199 Euro. Im Herbst will man mit einem mobilen Scan-Studio in Einkaufszentren auf Tour geben. Zukünftig will man unter dem Firmennamen 3D-Elements auch Selbstbedienungs-Studios anbieten, die in Einkaufszentren und anderen Standorten aufgestellt werden. Ebenfalls sollen anderen Unternehmen, wie etwa normalen Fotostudios, 3D-Scanstudios angeboten werden. Die Daten werden online zu 3D-Elements gesendet und nachbearbeitet. Gedruckt wird dann ebenfalls dort und die Figur direkt dem Kunden, bzw. dem Fotostudio per Post zugeschickt.

Shooting: Das Shooting erfolgte im mobilen Studio, das während der CeBIT in Deutschland aufgebaut wurde. Nach fünf Minuten war alles erledigt. Die Zusendung der fertigen Figur dauerte 14 Tage.

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3D Elements, das Unternehmen hinter Duwidu, will zukünftig 3D-Fotostudios an Firmen verkaufen - Foto: 3DElements

Fabberlounge

Fabberlounge ist das 3D-Fotostudio der Firma Virtumake. Das Studio befindet sich im siebten Bezirk in Wien. Bei der Rundum-Kamera-Methode setzt Fabberlounge auf 56 Spiegelreflexkameras und mehrere Studioblitze. Eine 1:10-Figur kostet 219 Euro. Fabberlounge empfiehlt für einen höheren Detailgrad die Größe 1:9 um 259 Euro. Auf Sonderwunsch kann auch die Größe 1:1 angeboten werden. Diese wird aber nicht gedruckt, sondern aus mehreren Styroporblöcken gefräst und zusammengebaut.

Shooting: Andreas Schwirtz, Gründer der Fabberlounge, macht die 3D-Shootings. Er lieferte guten Input und schlug mehrere Posen vor. Das Shooting war in 15 Minuten erledigt. Ein paar Tage danach wurden Vorschaubilder von verschiedenen Posen zugeschickt und zusammen das finale Design der 3D-Figur bestimmt. Kleines Manko: Das Studio könnte etwas besser klimatisiert sein – von Fotosessions an heißen/schwülen Tagen ist abzuraten.

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Das Studio der Fabberlounge - Foto: Fabberlounge

Die Figuren

Bei jeder Figur handelt es sich um ein Einzelstück, das vom 3D-Drucker schichtweise ausgedruckt wird. Dadurch ist bei allen Figuren die zugrunde liegende Struktur erkennbar, wenn man genauer hinsieht. So „glatt“ wie in Massenproduktion gegossene Plastikfiguren, wie etwa die Sportfiguren von MacFarlane Toys, sehen sie nicht aus.

Alle Figuren haben eine wachsähnliche Beschichtung, damit die Farben vor dem Ausbleichen geschützt sind. Am gleichmäßigsten ist dies bei der Figur von 3D ConceptArt, die sich dadurch auch am glattesten anfühlt.

Typisch für die 3D-Figuren sind kleine weiße Flecken, die beim Druck entstehen. Bei der Figur von 3D ConceptArt sieht man diese am wenigsten, bei der Figur von 3D-Portrait sind übermäßig viele weiße Flecken zu sehen. Auch beim Detailgrad kann diese Figur nicht mit denen der anderen mithalten. Bei der Farbechtheit ist Fabberlounge vorne. Bei der Figur von 3D ConceptArt passt zwar die Farbe der Kleidung, dafür ist der Hautton mehrere Nuancen zu dunkel. Beim Detailgrad sind Fabberlounge und 3D ConceptArt gleich auf.

Bei der Figur von Fabberlounge wurde der Scan mit einem Accessoire ausprobiert: ein schwarzes, dünnes, glänzendes Katana. Wie beim Shooting besprochen, wurde es durch ein dickeres 3D-Modell eines anderen Schwerts getauscht, damit es überhaupt gedruckt werden kann. Dennoch ist das Schwert beim Postversand gebrochen. Fabberlounge hat angeboten die Figur kostenlos zu ersetzen, mit Superkleber wurde das Schwert aber behelfsmäßig selbst repariert. Bei Duwidu waren die Farben der ersten Figur zu blass, was an den Lichtverhältnissen des mobilen Studios lag. Hier wurde kostenlos eine neue Figur mit satteren Farben zugeschickt.

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Foto: Gregor Gruber

Fazit

Es ist durchaus beeindruckend, wenn man die 3D-Figur von sich selbst zum ersten Mal in Händen hält. Bei genauerem Hinsehen merkt man, dass die Technik noch nicht perfekt ist. Die 3D-Drucker werden zukünftig aber höhere Auflösungen haben, wodurch auch die Figuren detaillierter werden.

Ist man sich der Grenzen der Technik bewusst ist und hat einen kreativen Einfall für eine Pose, kann man sich aber schon jetzt ein Denkmal setzen. Wenn man bereit ist über 200 Euro für eine 3D-Figur auszugeben, sollte man noch etwas drauflegen und die Größe 1:8 oder 1:9 statt 1:10 nehmen. Durch den höheren Detailgrad wirkt die größere Figur eindrucksvoller.

Frage des Tages

  • Würden Sie sich als 3D-Figur verewigen lassen?


(futurezone) Erstellt am 31.07.2015, 06:00

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