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Prävention Blackout: Wie man sich darauf vorbereiten kann.

Foto: Manuela Eber/Fotolia
Österreich ist verwöhnt, was die Stromversorgung betrifft. Nur selten gibt es Ausfälle. Doch was passiert, wenn auf einmal ganze Städte für mehr als ein paar Stunden ohne Elektrizität auskommen müssen? Die futurezone hat mit Alfred Mitrovic, Landessekretär des Niederösterreichischen Zivilschutzverbands, darüber gesprochen, wie man sich als Bürger auf ein solches Szenario vorbereiten kann.

Die Verfügbarkeit der heimischen Stromversorgung lag im Jahr 2012 bei 99,99 Prozent und die durchschnittliche Dauer von ungeplanten Stromausfällen lag bei 35 Minuten. Experten warnen allerdings seit längerem davor, dass in Österreich die Stromversorgung auch einmal für längere Zeit, also mehr als 24 Stunden, ausfallen könnte: „Ein Blackout in naher Zukunft ist realistisch", erzählt etwa Herbert Saurugg vom Verein für Cyber Security Austria (CSA) der futurezone und erklärt auch ausführlich, warum. Kaum ein Netzbetreiber traut sich heutzutage noch, diese Gefahr zu leugnen.

Auch beim niederösterreichischen Zivilschutzverband nimmt man derartige Warnungen sehr ernst. Der Verband hat daher im Juni diesen Jahres einen „Safety-Ratgeber" zum Thema Blackout (PDF) veröffentlicht. „Prävention ist wichtig, damit man im Katastrophenfall weiß, was man tun kann und muss", sagt Alfred Mitrovic vom Zivilschutzverband gegenüber der futurezone. „Wir wollen niemanden beängstigen, sondern nur aufzeigen, welche Auswirkungen ein länger andauernder Stromausfall mit sich bringt und die Leute dazu motivieren, sich mittels Prävention davor zu wappnen."

Als erstes sollte man bei einem Stromausfall alle Haushaltsgeräte wie TV, Waschmaschine, Geschirrspüler, etc. ausstecken und im Anschluss die Sicherungen und Schutzschalter checken. Wenn diese intakt sind und es im gesamten Straßenzug finster ist, kann man zumindest von einem lokalen Stromausfall ausgehen.

Keine Lebensmittel mehr
Was bereits vielen Menschen nicht bewusst sein könnte, ist die Tatsache, dass es, sobald der Strom ausgefallen ist, keine Lebensmittel mehr zum Kaufen gibt. „Die Mitarbeiter der Supermärkte haben hier die Aufgabe, die Geschäfte zu schließen. Nicht nur die Bankomatzahlung läuft elektronisch, auch die Scanner an der Kassa funktionieren nicht mehr", erklärt Mitrovic. „Lebensmittel bekommt man höchstens noch in sogenannten Tante Emma-Läden, und auch nur dann, wenn man genügend Bargeld bei sich hat und bis die Vorräte zu Neige gehen", so der Katastrophenschutz-Experte.

Mitrovic empfiehlt daher einerseits, immer ein wenig Bargeld als „Notgroschen" zu Hause zu haben, sowie genügend Lebensmittel für 14 Tage. „Ein krisenfester Haushalt ist nicht auf spontane oder tägliche Einkäufe angewiesen", heißt es zusätzlich im Ratgelder des Zivilschutzverbands. Die wichtigste Frage, die man sich bezüglich der Versorgung stellen sollte, ist: „Habe ich während des Stromausfalls eine funktionierende Wasserversorgung? Wie lange werde ich im Fall des Falles versorgt sein?"

35 Liter Trinkwasservorrat pro Person
Der Zivilschutzverband empfiehlt hier, einen Trinkwasservorrat von 35 Liter pro Person für 14 Tage zu Hause zu lagern. „Das sind zirka drei Kisten Mineralwasser oder fünf 6er-Tragerl zu je 1,5 Liter Wasser", erklärt Mitrovic. Diesen Rat befolgt auch der Experte selbst. „Wasser braucht man sowieso und ich nütze hier immer wieder diverse Aktionen der Lebensmittelketten. Im Keller lässt sich der Wasservorrat gut aufbewahren", so Mitrovic. Ansonsten könne man sich auch Wasserkanister zulegen, und diese mit Trinkwasser füllen.

Beim Lebensmittelvorrat selbst sollte ein Sicherheitsvorrat mit Langzeitlebensmitteln, die 15 bis 20 Jahre haltbar bleiben, angelegt werden. „Diese sind einfach zu lagern und im Fall der Fälle schnell mit Wasser zubereitet", erklärt Mitrovic. Bedenken sollte man auch, dass der Kühlschrank und das Gefrierfach im Fall eines Stromausfalls ebenfalls ausfallen – und der Elektroherd auch nicht mehr benutzbar ist. „Man muss energieautark werden. Dazu gehört auch ein Gaskocher, der in geschlossenen Räumen verwendet werden darf. So etwas bekommt man beispielsweise im Camping-Handel", verrät Mitrovic.

Beleuchtung
Das wohl naheliegendste, an das man bei einem Stromausfall als erstes denkt, ist das Licht. Hier eignen sich z.B. Taschenlampen mit Batteriebetrieb (von denen man dann im Fall des Falles auch genug eingelagert haben sollte), oder LED-Laternen, die es auch als Kurbelvariante gibt und man notfalls auch ohne Batterien händisch Licht erzeugen kann. Wer Gaslampen einsetzen will, sollte wie beim Kocher darauf achten, dass diese auch für Innenräume geeignet sind. „Kerzen sollten nur in sicheren Bereichen zum Einsatz kommen", meint Mitrovic, ansonsten bestehe eine akute Brandgefährdung. Auch Petroleumlampen sind aufgrund der Geruchsbelästigung nur bedingt geeignet.

Heizung
In vielen Fällen wird auch die Heizung ausfallen (z.B. bei Fernwärme, Gas- und Ölheizung) und die Spülung der Toilette (sobald eine Pumpe benötigt wird) nicht mehr funktionieren. „Man sollte sich daher noch vor einem Ausfall genau überlegen, was in seiner Wohnung oder in seinem Haus wirklich alles am Strom hängt. Wenn etwas unklar ist, sollte man auch die Hausverwaltung kontaktieren und explizit danach fragen", erklärt der Katastrophenschutz-Experte. Gegen die Kälte schützen dann im Fall des Falles nur warme Decken und gegen üble Gerüche aus der Toilette die Anschaffung einer eigenen Camping-Toilette.

Notstromaggregate
Hausbesitzer haben es da ein wenig besser als Menschen, die in Wohnungen leben, denn sie könnten sich ein Notstromaggregat anschaffen. „Hier muss man sich ebenfalls fragen: Welche Gegenstände will ich damit betreiben", warnt Mitrovic. „Nur die wichtigsten Geräte wie Beleuchtung, Heizung, Informationsgeräte wie Radios oder der Kühlschrank sollten angeschlossen werden."

Die Anschaffung eines Notstromaggregats will wohl überlegt sein, denn man muss es regelmäßig warten, außerdem darf man die Abgase nur ins Freie leiten. Hängt das Aggregat am Stromnetz, droht eine Überspannungssituation beim Netzbetreiber und der Stromausfall könnte dadurch noch länger hinausgezögert werden. „Eine Strom-Einspeisemöglichkeit ins Hausnetz muss von einem Fachbetrieb hergestellt werden", so Mitrovic. In Wohnungen kann ein Notstromaggregat nur unter speziellen Vorraussetzungen betrieben werden. „Ein Balkon oder eine Zuluft von außen sowie die Ableitung der Abluft müssen gesichert sein", sagt Mitrovic.

Medizin
Auch über die medizinische Vorsorge sollte man im Vorfeld nachdenken. Medikamente, die man regelmäßig braucht, sollten auf jeden Fall zu Hause gelagert werden. „Wie die anderen Geschäfte stehen auch Apotheken nicht mehr in vollem Umfang zur Verfügung. Auch das Rufen eines Krankenwagens mittels Mobiltelefon wird nur begrenzte Zeit möglich sein", warnt Mitrovic. Für Personen mit speziellen Bedürfnissen sollte daher eine besondere Vorsorge getroffen werden. Im Ratgeber des niederösterreichischen Zivilschutzverbands findet man zudem eine „persönliche Checkliste" für die Hausapotheke.

Kommunikation
Die Kommunikation nach außen fällt im Fall eines längerfristigen Stromausfalls ebenfalls bald flach. Man kann relativ schnell weder übers Handy, noch über Facebook mit Freunden und Verwandten kommunizieren. „Es sollten nur die allernotwendigsten Anrufe getätigt werden, ansonsten sollte man lieber nur SMS schreiben. Wenn das Handy nicht gebraucht wird, sollte es auch ganz abgedreht werden, dann hält der Akku ein bisschen länger", sagt Mitrovic.

Beim Internet ist zu beachten, dass die Verbindung ebenfalls stromabhängig ist. „Selbst wenn der Betreiber das Netz nach einem Stromausfall weiter instand hält, können Nutzer ohne stromunabhängiges Modem das Internet nicht nutzen. Smartphones könnten noch so lange als Hotspot dienen, bis der Akku leer ist", sagt Mitrovic. Für manche Handy-Modelle gibt es auch bereits Kurbeln, die man notfalls zum Einsatz bringen kann. Solarzellen-Akkus bringen nur dann etwas, wenn der Stromausfall unter Tags an einem Tag mit viel Sonnenschein stattfindet (und das wiederum gilt als eher unwahrscheinlich).

Radio als Informationsquelle
Die Kommunikation müsse daher „wie in alten Zeiten" laufen. Familienintern könne man schriftliche Nachrichten an Pinnwänden festnageln, auch zeitlich festgelegte Besprechnungen sind zu empfehlen. Besonders wichtig, um Informationen von außen zum empfangen, ist dabei das Radio. Hier empfiehlt sich ebenfalls eines mit Kurbelinduktion, notfalls mit Batterien (wenn diese ausreichend eingelagert sind). „Der ORF ist gesetzlich dazu verpflichtet, im Katastrophenfall den Behörden Sendezeit zur Verfügung zu stellen", heißt es im Ratgeber des Zivilschutzverbands. Als bundesweiter Sender soll dabei vor allem Ö3 eine großen Rolle bei der Informationsversorgung der Bevölkerung spielen.

Blackout
Foto: Manuela Eber/Fotolia

Ratgeber auch online
Der Ratgeber des niederösterreichischen Zivilschutzverbands kann online runtergeladen und offline bestellt werden. In Niederösterreich liegt er zudem bei allen Bezirksverwaltungsbehörden auf. „Die Nachfrage ist groß. Das Bewusstsein in der Bevölkerung ist zum Teil bereits vorhanden", erzählt Mitrovic. „Nicht nur Behörden und Institutionen sollen sich mittels Krisenmanagement vorbereiten, sondern auch die Familie sollte sich in einer ruhigen Zeit einmal zusammensetzen, um den Krisenfall durchzubesprechen", sagt Mitrovic.

Denn wenn der Strom einmal länger weg ist, wird es auch wieder etwas länger dauern, bis die Versorgung wieder hergestellt ist. Aufgrund bisheriger Simulationen des Übertragungsnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) muss davon ausgegangen werden, dass im günstigsten Fall der Netzwiederaufbau zumindest zehn Stunden in Anspruch nehmen wird. Das bedeutet jedoch, dass die Normalität in anderen Infrastrukturbereichen, wie etwa in der Lebensmittelversorgung, wahrscheinlich erst wesentlich später wieder hergestellt werden kann. Damit wird die Notwendigkeit der Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung weiter unterstrichen, warnt Sicherheitsexperte Saurugg.

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(futurezone) Erstellt am 12.08.2013, 00:00

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