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Produktion China: Apples Praktiken erneut am Pranger.

Foto: rts
Ein Artikel der New York Times über die Praktiken von Zulieferern des Hightech-Konzerns erregt wieder die Gemüter. Die Produktionsbedingungen in Chinas Fabriken stehen in krassem Kontrast zu den jüngst eingefahrenen Milliardengewinnen und dem Barvermögen der US-Firma.

Den Glanz des Aluminiumrückens eines iPads findet man in den Augen jener wieder, die es herstellen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn beim Polieren der Apple-Geräte in chinesischen Werken entsteht Staub, der sich in den Augenwinkeln und Haaren der Arbeiter ablagert. Der Aluminiumstaub in der Luft hat aber noch grausamere Folgen: Er sorgte 2011 für zwei Explosionen in chinesischen iPad-Fabriken, die vier Tote und 77 Verletzte forderten.

Die Vorfälle, die auch ein neuer, aufsehenerregender Artikel der New York Times, anführt, stehen im krassen Gegensatz zu den in der Nacht auf Mittwoch bekannt gegebenen Quartalszahlen von Apple. Denn während die US-Firma ihren Umsatz auf unglaubliche 46 Milliarden US-Dollar ausbauen konnte – iPhone und Weihnachtsgeschäft sei Dank –, scheinen sich die Arbeitsbedingungen in den Werken in China kaum zu verbessern.

Die Zulieferer
Zwar hat Apple, bekannt für seine Geheimniskrämerei, vor Kurzem etwas Licht in die Sache gebracht und eine Liste mit 156 meist in Asien ansässigen Lieferanten veröffentlicht. Zu diesen gehören neben dem taiwanesischem Riesen Foxconn auch die österreichischen Unternehmen AT&S und austriamicrosystems, die Apple Halbleiterplatten bzw. optische Sensoren zuliefern. Zudem gibt es einen  "Code of Conduct", der Apples Partnern Standards bei Arbeitsbedingungen vorschreibt.

Doch laut New York Times hätten mehr als die Hälfte der Zulieferer diese Regeln seit 2007 (dem Geburtsjahr des iPhone) zumindest einmal gebrochen. So würden die vorgeschriebenen 60-Stunden-Wochen oft nicht eingehalten, die (manchmal minderjährigen) Arbeiter in kleinen Wohnungen zusammengepfercht und außerdem gefährlichen Chemikalien ausgesetzt.

Halbherzige Versprechen
Apple verspricht zwar, die Verträge mit solchen Firmen zu lösen. Doch einem ehemaligen Apple-Manager zufolge soll seit 2007 lediglich 15 Zulieferern gekündigt worden sein. Das taiwanesische Unternehmen Wintek zum Beispiel hat in seinen chinesischen Werken mehr als hundert seiner Arbeiter der giftigen Chemikalie "n-Hexan" ausgesetzt. Diese wurde anstatt von Alkohol eingesetzt, weil damit iPhone-Bildschirme drei Mal schneller gereinigt werden konnten.

Trotz des Vergehens steht Wintek immer noch auf der Liste der Apple-Partner, die unter www.apple.com/supplierresponsibility einsehbar ist. Auch die zweite, vom Aluminiumstaub verursachte Explosion in einer iPad-Fabrik wurde nicht verhindert, obwohl laut Experten der Einbau eines Lüftungssystems gereicht hätte.

Ausgeklügelstes Produktionsystem der Welt
"Apple kümmert sich um nichts anderes als die Erhöhung der Produktqualität und sinkende Herstellungskosten", sagt der ehemalige Foxconn-Manager Li Mingqi, der bis April 2011 in dem von einer Explosion betroffenen Werk tätig war. "Das Wohl der Arbeiter hat nichts mit ihren Interessen zu tun." Vielmehr steht bei Apple das als das "größte, schnellste und ausgeklügeltste" bezeichnete Produktionssystem der Welt im Vordergrund, das so effizient wie kein zweites Produkte abwirft, die bei Kunden gut ankommen.

Dabei ist der iPhone-Hersteller nicht allein, auch Firmen wie Sony, HP oder Nokia produzieren unter ähnlichen Bedingungen  für die zahlungskräftige Kundschaft im Westen. "Derzeit kümmert die Konsumenten ein neues iPhone mehr als die Arbeitsbedingungen in China", gab ein Apple-Manager gegenüber der New York Times zu. Im Web bestätigte sich sein Eindruck sofort: Am Donnerstag  war das Netz wieder voller Gerüchte rund ums iPhone 5.

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Quartalszahlen: Der aktuelle Geschäftsbericht von Apple zum Weihnachtsgeschäft 2011 hat alles Bisherige in den Schatten gestellt. Mit 13 Mrd. Dollar (9,9 Mrd. Euro) hat die US-Firma mehr Gewinn  gemacht als der Internetkonzern Google Umsatz (10,6 Mrd. Dollar). Hauptverantwortlich ist das iPhone: Im vierten Quartal wurden 37 Millionen Stück verkauft. Pro Tag wurden mehr als 377.900 neue Apple-Handys aktiviert. Zum Vergleich: Weltweit werden täglich  etwa 371.000 Babys geboren. Apple verfügt  über ein Barvermögen von 100 Mrd. Dollar (76 Mrd. Euro). Das ist sechs Mal mehr als zum Zeitpunkt der Einführung des iPhone. Apple könnte damit ein Fünftel der griechischen Staatsschulden tilgen.

(futurezone) Erstellt am 26.01.2012, 16:05

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