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Start-up-Geschichten Diagnosia: Suchmaschine für Medikamente.

Foto: Fotolia
Ein heimisches Team von Ärzten und Web-Entwicklern will es Nutzern ermöglichen, online nach Beipackzetteln von Arzneien zu suchen. Finanziert wird der Web-Dienst derzeit durch Google-Anzeigen, soll künftig aber der Marktforschung zugänglich gemacht werden.

Grippewelle, Griff ins Arzneikästchen - und keinen blassen Schimmer mehr, wogegen die bunt durcheinandergewürfelten Pillen und Tabletten eigentlich genau wirken. In diesem Ausnahmefall will künftig die neue Webseite http://www.diagnosia.com mit Rat zur Seite stehen. Denn das Portal erlaubt ab sofort Zugriff auf digitale Beipackzettel sämtlicher in Österreich erhältlicher Medikamente. Wer etwa “Aspirin” ins Suchfeld tippt, bekommt seitenweise Informationen über den Hersteller, die verschiedenen Varianten der Arznei sowie ihrer Wirkungsweisen und Nebenwirkungen.

Praktischer Ratgeber
“Diagnosia ersetzt nicht Arzt oder Apotheker, aber jeder dritte Online-Nutzer informiert sich über Medikamente im Web. Das Problem ist, dass die derzeitigen Seiten und Quellen alle nicht von geprüften Behörden kommen”, sagt Gründer Lukas Zinnagl, selbst promovierter Mediziner und äußerst umtriebig in der österreichischen Start-up-Szene (Tupalo, Doctrs.com). Gemeinsam mit Arzt Fritz Höllerer, Marco Vitula, dem Gründer von Arztsuche24.at, Eric Pfarl (Gründer von 123people und Tripwolf) und Stefan Weixelbaumer als technischer Chef hat er Diagnosia aus der Taufe gehoben. Im Unterschied zu anderen Internet-Quellen würde sein Web-Dienst stets aktuelle Informationen bieten, die ausschließlich von nationalen und internationalen Zulassungsbehörden kommen - etwa der EMA (European Medicines Agency). Zwei Mal pro Monat werden die digitalen Beipackzettel auf den neuesten Stand gebracht, Nutzer können sie ausdrucken oder per eMail weiterleiten.

Das Team von Diagnosia.com
Das Diagnosia-Team: Eric Pfarl, Fritz Höllerer, Marco Vitula, Lukas Zinnagl, Stefan Weixelbaumer (v.l.n.r.) - Foto: Diagnosia.com

Neben den Medikamenten kann außerdem gezielt nach Wirkstoffen und Herstellern gesucht werden. In beiden Fällen werden die über 12.000 gelisteten - weil zugelassenen - Pillen und Pulver nach den entsprechenden Kritierien sortiert, um Vergleiche zu erlauben. Die Suchanfrage nach einem Symptom (z.B. “Kopfweh”) wird derzeit noch nicht sehr exakt beantwortet, soll in Zukunft aber verbessert werden. “Diese Ergebnisse sind derzeit leider zugegebenermaßen nicht gut”, so Zinnagl zur futurezone. “Ende der Woche sollte es dann aber soweit sein. Wenn du "Kopfschmerz" eingibst, liefert dir Diagnosia die Medikamente, die in Österreich für die Diagnose "Kopfschmerz" zugelassen sind.”

Zurückhaltend ist man bei Diagnosia, was Verknüpfungen zu den Social-Web-Diensten Facebook und Twitter angeht. “Es wird definitiv keine Facebook-Likes und Comment-Buttons für Medikamente geben. Wenn, dann werden wie den Social Graph von Facebook nutzen, um "viral" zu wachsen”, sagt Zinnagl.

Marktforschung 2.0
Dem Web-Dienst wird großes Potenzial zugemessen. Vom Start weg ist Diagnosia in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch) verfügbar. Zudem wurde es vom Austria Wirtschaftsservice (AWS) mit einem sechsstelligen Betrag (“weniger als 500.000 Euro”, so Zinnagl) gefördert, was das Wachstum der Plattform für die nächsten Monate gewährleisten sollte. Momentan schöpft die Webseite aus Werbeeinnahmen, “aber Adsense ist nur zur derzeitigen Überbrückung gedacht”, sagt Zinnagl. Für die Zukunft baut man auf ein Modell, das er als “Information Arbitrage” oder “Marktforschung 2..0” bezeichnet. “Das Konzept ist, Laien und Fachgruppen über medizinische Themen, in unserem Fall Medikamente, diskutieren zu lassen”, so der Diagnosia-Gründer. “Diese Leute sollen dann über ein intelligentes Feedback-System ihre Meinung zu Arzneimitteln abgeben. Wir sammeln diese, anonymisieren und werten sie statistisch aus.” In Folge könne man Partnern wie Pharmafirmen, Versicherungen oder Regierungen Zugang zu diesen Daten geben. Bereits jetzt sollen sich durch effizientes SEO etwa 400.000 Besucher pro Monat auf der Webseite einfinden.

Eine weitere Einnahmequelle sollen “maßgeschneiderte Angebote” für Unternehmen sein. Das so genannte “E-Detailing” (Infos über Arzneimittel), das derzeit über CD-ROMs stattfindet, soll ins Online-Zeitalter geholt werden. Fachgruppen wie Ärzte, Apotheker, Pharmazeuten oder Medizinstudenten könnte so Zugang zu Spezialdaten verkauft werden, Gespräche mit medizinischen Verlagen laufen bereits. Zinnagls großes Ziel: “Diagnosia soll langfristig der zentrale Hub für Arzneimittelinformationen werden, von den wissenschaftlichen Grundlagen über geprüften Fachinformationen bis hin zu Kontaktmöglichkeiten zum jeweiligen Hersteller.”

(futurezone) Erstellt am 29.03.2011, 06:00

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