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Luftaufnahmen Drohnen-Fotografie: "Alle Flüge müssen genehmigt werden".

Ein solcher Flug mit einem Multicopter wäre bewilligungspflichtig
Ein solcher Flug mit einem Multicopter wäre bewilligungspflichtig - Foto: enduro/istockphoto
Fotografieren mithilfe von Drohnen erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Multicopter-Flüge über besiedelte Gebiete müssen aber genehmigt werden.

Die Absatzzahlen von kleinen, unbemannten Flugobjekten mit eingebauter Kamera sind in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Für die autarken Luftfahrzeuge hat sich gemeinhin die Bezeichnung Drohne durchgesetzt. Auch die meisten Hersteller bezeichnen ihre Produkte als Drohnen. "Durch die militärischen Einsatzzwecke hat das Wort Drohne allerdings einen bitteren Beigeschmack. Technisch gesehen reden wir von Multicoptern", sagt Helmut Liertzer, der sich bereits seit Jahren mit Multicopter-Fotografie und den damit verbundenen gesetzlichen Bestimmungen auseinandersetzt. 

Wer in Österreich einen Multicopter abheben lassen will, muss sich an ein engmaschiges Regelwerk halten. "Dank der Flugverkehrsbehörde Austro Control gelten für unbemannte Multicopter in Österreich die strengsten Regeln in Europa", erklärt Liertzer.  Und das hat auch einen guten Grund: "Im Luftverkehr, egal ob bemannt oder unbemannt, hat Sicherheit immer oberste Priorität", sagt Markus Pohanka, von der Austro Control im Gespräch mit der futurezone. 

Multicopterflüge, die zum Zwecke des Fluges selbst über unbebauten und unbesiedelten Gebieten durchgeführt werden, sind mit herkömmlichen Modellflug zu vergleichen und daher in der Regel bewilligungsfrei.

"Außerdem ist alles was als Spielzeug durchgeht gänzlich bewilligungsfrei", sagt Pohanka. Darunter fallen Fluggeräte, die nicht schwerer sind als 250 Gramm und nicht höher fliegen können als 30 Meter. Generell darf laut dem Luftfahrtgesetz die maximale Flughöhe von Multicoptern nicht mehr als 150 Meter betragen, der maximale Flugradius nicht mehr als 500 Meter. 

 

Bewilligungsverfahren

Für kommerzielle Zwecke oder Flüge, die über besiedelten Gebieten stattfinden sollen, ist eine Bewilligung der Austro Control erforderlich. Ebenso muss eine Bewilligung eingeholt werden, wenn man vorhat, mit einer Drohne Luftaufnahmen zu machen. "Beim reinen Modelflug ist der Pilot ausschließlich damit beschäftigt, das Fluggerät zu fliegen. Wenn in der Luft auch Fotos gemacht werden, muss der Nutzer zwei Sachen gleichzeitig machen", erklärt Pohanka, "daher ist jeder Flug, bei dem Luftaufnahmen gemacht werden bewilligungspflichtig."

Je nach Zweck des Fluges gelten unterschiedlich strenge Auflagen. So wird bei einem Bewilligungsverfahren von Fall zu Fall im Sinne der Sicherheit überprüft, welche Befähigung der Pilot hat, wie die technische Ausrüstung des Multicopters aussieht, welche Hilfsmittel in Bezug auf das Flugverhalten zur Verfügung stehen und welches Gebiet überflogen werden soll.

Ein solches Verfahren der Austro Control dauert je nach Saison ungefähr sechs bis acht Wochen. Je nachdem wie umfangreich diese Überprüfung ist, entstehen dem Nutzer Kosten zwischen 200 und 300 Euro. "Dabei gibt es Einzelbewilligungen etwa für das Überfliegen von Outdoor-Events oder Bewilligungen, die über einen längeren Zeitraum gelten", weiß Pohanka.

Für eine positive Bewilligung ist es neben der Erfüllung der technischen Bestimmungen auch notwendig, dass der Nutzer nachweisen kann, dass er auch in der Lage ist, das Fluggerät kontrolliert zu fliegen. Darüber hinaus sind die Multicopter-Piloten dazu verpflichtet, eine entsprechende Versicherung abzuschließen. 

Ausfallsicherheit

"Für einen Quadrocopter mit vier Rotoren wird man keine Erlaubnis bekommen, da bei bewilligungspflichtigen Flügen oder Flügen über besiedelten Gebieten redundante, also ausfallsichere Systeme erforderlich sind“, weiß Multicopter-Fotograf Liertzer. Das bedeutet, dass das Fluggerät über eine Notlandeeinrichtung verfügen muss. Sollte es einen Ausfall der Flugsysteme geben, muss gewährleistet werden, dass der Multicopter sicher zu Boden gebracht werden kann.

Aus Sicherheitsgründen ist allerdings das Fliegen in bestimmten Gebieten, etwa in der Nähe von Flughäfen, verboten. Die Software von manchen Multicoptern ist bereits darauf abgestimmt und verweigert mithilfe der GPS-Lokalisierung den Dienst, sollte der Nutzer versuchen einen Flughafen oder etwa einen Nationalpark zu überfliegen. In den USA oder in Großbritannien gibt es bereits eigene Apps für das Smartphone, die die Nutzer über etwaige Flugverbotszonen informieren. 

Wer widerrechtlich mit einem Multicopter etwa über Wien fliegt, muss mit einer Verwaltungsstrafe und Strafzahlung von bis 22.000 Euro rechnen.

Erstes zugelassenes unbemanntes Luftfahrzeug im In…
Ein ausfallsicherer Hexacopter kurz nach dem Take-off - Foto: honorarfrei/helicam-austria

Autopilot

"Für den positiven Abschluss eines Bewilligungsverfahrens sollte man darauf achten, dass der Multicopter GPS-stabilisiert ist", rät Liertzer. Denn nur dann sei es möglich, dass das Fluggerät selbständig eine Position in der Luft halten kann. "Schwebt es gleichmäßig auf einer Stelle, kann man den Steuerhebel loslassen und sich in Ruhe um die Kameraeinstellungen und das Fotografieren kümmern."

Multicopter auf Reisen

Wer einen Multicopter zum Fotografieren mit auf Reisen nehmen will, soll sich unbedingt vorher über die entsprechenden Einfuhrbestimmungen der bereisten Länder informieren. Oft ist dafür eine Bewilligung von der jeweiligen Botschaft notwendig, wie Liertzer weiß: "In manchen Ländern ist das eine heikle Sache. Wenn notwendig sollte man sich rechtzeitig, das heißt bereits Monate vorher, um eine Einfuhrerlaubnis kümmern."

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Eine Luftaufnahme vom Multicopter-Fotograf Helmut Liertzer - Foto: Helmut Liertzer

Kosten

"Die Preise für halbwegs professionelle Multicopter mit redundanten Systemen, die auch über besiedelte Gebiete fliegen dürfen und in der Lage sind, qualitativ hochwertige Aufnahmen zu machen, beginnen etwa bei 5000 Euro. Einfachere aber dennoch brauchbare Quadrocopter sind ungefähr ab 1500 Euro zu haben", erklärt Liertzer. Solche Geräte haben meist eine Kamera bereits integriert und werden per dazugehöriger Fernbedienung inklusive Display gesteuert. Neben den Einstellungsmöglichkeiten für die Kamera dient der Bildschirm auf der Fernbedienung als Sucher.

Es gibt auch Flugsysteme bei denen es möglich ist, eine bereits vorhandene Kamera zu montieren. Diese kosten ungefähr 4000 Euro. Dabei wird die Kamera auf einem so genannten Gimbal fixiert, der dann die Kamera stabilisiert, damit das Bild nicht verwackelt. Um eine bereits vorhandene Kamera auch bedienen zu können, muss es möglich sein, sie aus der Ferne zu steuern. Je nach Modell gibt es dafür entsprechende Adapter.

Datenschutz

Auch die Verwendung von Fotos, die bei Multicopter-Flügen entstehen, sind streng geregelt: "Grundsätzlich ist es verboten Luftaufnahmen, auf denen Personen zu sehen sind, zu veröffentlichen, da sie dem Datenschutzgesetz unterliegen. Für den reinen Privatgebrauch dürfen derartige Fotos allerdings gemacht werden", erklärt Liertzer. 

Drohnen-Führerschein

Eine Ausbildung oder einen Führerschein für das Fliegen von Multicoptern, wie er gerade in Deutschland angedacht wird, gibt es in Österreich bisweilen noch nicht. "Wer Unterstützung sucht, braucht sich nur in der Community umhören, dort hilft man sich gerne weiter", rät Liertzer, der am 21. November bei der Foto- und Reisemesse Photo+Adventure einen Vortrag über die gesetzlichen Bestimmungen der Multicopter-Fotografie hält. Neben dem engen gesetzlichem Korsett gilt für Liertzer jedoch: "Das Allerwichtigste beim Fliegen mit Multicoptern ist immer noch: Hirn einschalten!"

(futurezone) Erstellt am 15.11.2015, 06:00

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