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Start-up eterni.me verspricht Unsterblichkeit im monatlichen Abo.

Gräber bekommen Online-Konkurrenz 
Gräber bekommen Online-Konkurrenz  - Foto: juerg christandl
Das US-Start-up eterni.me will eine digitale Kopie seiner Kunden anfertigen, mit der sich Hinterbliebene nach dem Tod unterhalten können. Die Testphase läuft bereits.

Wer sich nicht mit der Endgültigkeit des Todes abfinden will, ist bislang auf die Hilfe von Religionen angewiesen. Das US-amerikanische Unternehmen eterni.me will das Leben nach dem Tod jetzt aus spirituellen Sphären ins Internet verlegen. Kunden müssen dafür bis zu ihrem Tod eine monatliche Gebühr zahlen und dem Service Zugang zu privaten Erinnerungen, Social Media Accounts und E-Mails geben. Mit diesen Informationen erstellt eterni.me dann einen 3D-Avatar, der dem Kunden in Aussehen, Stimme und Persönlichkeit entsprechen soll. Mit diesem Avatar können sich Hinterbliebene nach dem Tod unterhalten, per Chat oder über eine Sprachfunktion.

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Marius Ursache - Foto: Marius Ursache/Google Plus
Bislang haben sich schon über 28.000 Personen für einen Account beworben. Derzeit laufen interne Tests, im April soll eine öffentliche Beta für die ersten 100 Nutzer freigeschaltet werden. Bis zum Ende des Jahres sollen alle 28.000 bisher Angemeldeten mit Accounts ausgestattet werden. Wann die Plattform komplett geöffnet wird, ist noch unklar, genau wie der Preis für die Mitgliedschaft: “Über den Preis für das monatliche Abo müssen wir uns noch Gedanken machen”, sagt Marius Ursache, Mitbegründer und CEO von eterni.me, gegenüber der futurezone.

Zukunftsmusik

Realistische Persönlichkeitskonstrukte sind heute allerdings noch nicht machbar. “Um zum Zeitpunkt ihres Todes Chancen auf einen realistischen Avatar zu haben, dürfen Kunden heute maximal 25 Jahre alt sein. Aber auch für ältere Personen können wir wichtige Geschichten und Erinnerungen konservieren. Wir sammeln Daten und erstellen Avatare, die aussehen und klingen wie sie. Die große Herausforderung wird es sein, das Wissen und die Erinnerungen einer Person aus den Daten zu destillieren. Das wird noch Jahre dauern”, erläutert Ursache. Zum Start ist das Angebot nur für englischsprechende Nutzer zugänglich, Versionen in Deutsch und anderen Sprachen sind angedacht, werden aber viel Zeit brauchen.

“Anfangs werden wir Usern ermöglichen, wichtige Erinnerungen in Form von Texten, Videos und Photos anzulegen, um eine Art interaktive Autobiographie zu schaffen. Dann werden wir Facebook, Twitter, LinkedIn und andere soziale Netzwerke integrieren. Dabei geht es weniger um die Informationen - man denke nur an die ganzen Katzenfotos da draußen. Wichtig ist es, Kontext zu erfassen und die gesammelten Informationen mit Bedeutung zu versehen”, erklärt Ursache. Das soll durch die Auswertung von  Standortdaten, Interaktionen der Nutzer und Frequenzanalysen in den Netzwerken geschehen. Das Scannen von E-Mails oder das Auslesen von Fitness-Trackern und anderen Wearables soll in einem weiteren Schritt ebenfalls Teil des Angebots werden. Auf welche Informationen eterni.me zugreifen kann und was dann tatsächlich veröffentlicht werden darf, liegt dabei zur Gänze in der Hand der User. Je mehr Informationen ein Avatar erhält, desto realistischer soll er werden.

Mehr Archiv als Doppelgänger

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Foto: eterni.me
Die Nutzer können und sollen ihre Avatare zeitlebens zusätzlich trainieren, um die Software zu verbessern. Das geschieht, indem mit dem Avatar interagiert wird. Daneben können Kunden auch das Aussehen der Software-Repräsentation gestalten. In einigen Jahren sollen die Avatare so gut sein, dass ihre Gesprächspartner das Gefühl haben, mit echten Personen zu reden. “Ich glaube, das wird innerhalb der nächsten zehn Jahren Realität werden”, sagt Ursache.

Avatare, die nicht mehr von den Personen, denen sie nachempfunden sind, zu unterscheiden sind, strebt eterni.me trotz des Namens aber nicht an. “Derzeit bleibt von Verstorbenen fast nichts zurück, außer ein paar Fotos, einigen Smartphone-Videos und unseren Erinnerungen an sie. Wir wollen auch die wichtigsten Gedanken, Erinnerungen und Geschichten für Liebste, Freunde und Familie aufbewahren. Das soll den Leuten aber sicher nicht vormachen, dass die Avatare echte Personen sind, schon aus ethischen Gründen”, sagt der eterni.me-CEO. Das ganze ist laut Ursache eher als ein interaktives Archiv zu sehen, mit dem Hinterbliebene sich unterhalten können.

Datenschutz und Ethik

Wer sich bei eterni.me anmeldet, muss drei Vertrauenspersonen bestimmen, die den Tod im Falle des Ablebens bestätigen können. Nach dem Tod wird der Status des Accounts bei eterni.me angepasst und das Abo endet. “Bis zum Tod zahlen die Nutzer eine monatliche Gebühr, dafür wird die Information gespeichert - idealerweise für immer”, erklärt Ursache. Das Erstellen eines Avatars nach dem Tod ist nicht möglich. “Sogar die umfangreichsten digitalen Fußabdrücke, die es heute gibt, umfassen nicht einmal ein Prozent von dem, was ein Mensch ist oder denkt”, sagt Ursache.

Das Datenkontingent, das einem Nutzer zur Verfügung steht, wird von der Höhe der monatlichen Gebühr abhängig sein. Premium-Abos werden mit unlimitiertem Speicherplatz aufwarten. Die Sicherheit der Kundendaten sei eines der Hauptanliegen von eterni.me, schon wegen der Notwendigkeit der sicheren Verwahrung der Information”, sagt Ursache. Neben den Sorgen um die Privatsphäre der User wird eterni.me auch regelmäßig mit anderen Bedenken konfrontiert. “Viele Leute haben ethische Bedenken oder sorgen sich darum, dass die Avatare im “Uncanny Valley” feststecken werden - also gruselig aussehen”, erzählt Ursache. Die Betreiber von eterni.me sind sich aber sicher, dass sie ihre digitalen Repräsentationen schon bald so realistisch gestalten können, dass sie von den Angehörigen akzeptiert werden.

Moderne Trauerarbeit?

Psychologen sind sich uneinig darüber, welche Auswirkungen Angebote wie eterni.me auf Hinterbliebene haben. Wie der New Yorker recherchiert hat, gibt es einerseits die Meinung, dass ein Nachleben-Avatar gegen alles geht, was wir heute über Trauerarbeit wissen. Andrerseits gibt es Psychologen, die glauben, dass eterni.me der Anfang eine neuen Ära sein könnte, in der es normal ist, Beziehungen zu verstorbenen Vorfahren zu pflegen. Ursache plant deshalb, Psychologen zu beschäftigen, die sich mit solchen Fragen auseinander setzen. Derzeit fokussiert sich eterni.me aber auf technische Probleme. Schließlich ist es noch ein weiter Weg von heutigen Chatbots zu "unsterblichen" Avataren.


Zur Person:
Marius Ursache ist ein 38-Jähriger Designer und Unternehmer aus Rumänien. Er ist Mitbegründer und CEO von eterni.me. Seine Geschäftsidee hat er unter anderem auch bei einem Unternehmer-Programm des MIT entwickelt.

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(futurezone) Erstellt am 06.03.2015, 06:00

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