Zur mobilen Ansicht wechseln »

32c3 Hacker analysierte Code für Steuerung von Dieselmotor.

Am Hacker-Kongress 32c3 in Hamburg.
Am Hacker-Kongress 32c3 in Hamburg. - Foto: Apa/dpa/Axel Heimken
Auf dem #32c3-Kongress in Hamburg hat ein Hacker demonstriert, wie die Software-Steuerung eines Dieselmotors im laufenden Betrieb die Stickoxid-Reduzierung ausbremst.

Felix Domke sagte am Sonntag auf dem Chaos Communication Congress #32c3, er habe dafür nach Bekanntwerden des Abgasskandals bei Volkswagen in seinem eigenen Auto den Code der Software dekompiliert. „Wir sind Hacker, und wir kennen den Code, und im Code liegt die Wahrheit“, sagt Domke zu Beginn seiner Präsentation. 

Selbst betroffen

Nachdem er in diesem Jahr vom Abgasskandal bei Volkswagen gehört hatte, wollte er selbst wissen, was es mit der Software auf sich hat - zumal sein eigenes Auto zu den betroffenen Fahrzeugen gehörte. Er nahm sich die „Engine Electronic Control Unit“ (Engine ECU) des Motors vor, eine Anfertigung des Herstellers Bosch, die von Automobilherstellern an ihre jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden kann.

Mit einer speziellen Software gelang es Domke, die Software zu dekompilieren, also aus den nur für Maschinen lesbaren Anweisungen die Codezeilen herauszufischen. Ein juristisch heikles Unterfangen, weil die Software-Hersteller dies in ihren Lizenzbedingungen meist untersagen. Er habe sich aber beraten lassen, dass er in diesem Fall nichts riskiere, da es sich um sein persönliches Fahrzeug handele, sagt der Software-Experte.

Schon beim ersten Blick befand Domke: „Eine sehr interessante Art, Software zu schreiben.“ Noch stutziger wurde er dann, als er sich das Verfahren zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen näher anschaute.

Interessante Ergebnisse

Die dafür verwendete Harnstofflösung mit dem Markennamen AdBlue wird von der Software gesteuert in den Abgasstrang eingespritzt. Domke wunderte sich über die dafür festgelegten Bedingungen: „Das Auto wird gezwungen, in einem alternativen Modell zu fahren, bei dem weniger AdBlue abgegeben wird als optimal.“ Die Vermutung des Hackers: Für die Messung von Testwerten sollen ideale Ergebnisse erzielt werden, bei längeren Autofahrten und höheren Geschwindigkeiten wird an AdBlue gespart, um die Zeit bis zur fälligen Nachfüllung zu verlängern.

Begleitet wird Domke von Daniel Lange, einem ehemaligen IT-Strategen bei BMW. Bei der Messung von Emissionswerten gebe es in der Branche schon lange Verfahren, die sehr fragwürdig seien, kritisiert er. „Die Daten die bei den Tests gemessen werden, stehen in keinem Verhältnis zur Realität.“

Solche „Hacks“ rühren an die Schnittstelle von Technik, Wirtschaft und Politik. Das weitere Programm des 32c3 ist hier abrufbar.

(dpa) Erstellt am 27.12.2015, 17:29

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Ihr Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!