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Witterung Handy-Masten: "Am Berg herrschen andere Regeln".

Foto: ZTE
Sie sind auf Häuserdächern fixiert, auf Schornsteinen und Bergspitzen. Die Höchsten thronen auf über 3200 Metern Seehöhe: Antennen für Mobil- und Rundfunk finden sich an den entlegendsten Stellen und sind dort extremster Witterung ausgesetzt. Jetzt, im Winter, müssen sie Schnee und Minusgraden standhalten. Die größte Gefahr, so ein Experte zur futurezone, sind jedoch Eiszapfen.

Egal ob zu Hause in der Stadt oder im Urlaub auf der Piste: Jeder Handy-Besitzer erwartet, dass der Mobilfunk nicht nur 24 Stunden einwandfrei funktioniert, sondern dass es auch in entlegenen Winkeln Abdeckung gibt. Damit man im Skigebiet während der Liftfahrt eMails checken oder in der Hütte mit Freunden telefonieren kann, braucht es Antennen - die zu den höchsten und extremsten Österreichs zählen.

Höchster Mast auf 3237 Metern
„Unser höchster Standort ist in Tirol. In Hintertux auf der Gefrorenewandbahn. Die Basisstation liegt dort auf 3237 Metern Seehöhe", sagt Livia Dandrea-Böhm von A1 zur futurezone. Die Telekom betreibt mit der Antenne den höchsten Mobilfunkmasten Österreichs. Auch die weiteren Plätze in der Rangliste gehen an den Marktführer: Die Station am Gaislachkogel liegt 3044 Meter, jene am Eisgrat 2881Meter hoch. Die höchstgelegene Station von Anbieter Drei und T-Mobile steht am auf dem Mölltaler Gletscher, auf 2782 Metern Seehöhe.

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Foto: Drei

Schneehaube macht keine Probleme
Sind diese Masten das Jahr über wegen der breitflächigen Panele starken Winden ausgesetzt, ist der Winter für die Infrastruktur und den Betrieb eine besondere Herausforderung. In den hohen Lagen herrschen durchgehend Minusgrade, zudem sind die Antennen fast die ganze Saison hindurch von Schnee und Eis bedeckt. „Eine Schneehaube macht den Antennen nichts aus, die Funkleistung wird dadurch nicht beeinträchtigt", sagt Franz Rappold. Der Tiroler arbeitet für Drei und ist im Raum Tirol/Vorarlberg für die Funknetzwerk-Planung zuständig. Er ist auch derjenige, der auf den Berg muss, sollte eine Station Probleme bereiten.

Keine speziellen Outdoor-Antennen
Laut dem Experten werden für die Funkmasten in extremen Lagen keine besonderen Antennen verwendet. Es handelt sich um jene Modelle, die man auch im Tal oder in wärmeren Ländern findet. Worauf man jedoch achtet, sind Verschraubungen, Kabel und Dichtungen, die das Bindeglied zwischen Antenne und Basisstation darstellen. Bei diesen Verschleißteilen kann es durch extreme Witterung mitunter zu Problemen kommen, etwa durch Materialermüdung und poröse Abdichtungen. „Am Berg herrschen eben andere Regeln", so der Tiroler.

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Foto: Drei

Gefahrenquelle Eiszapfen
Während Schnee, Regen und Tiefstemperaturen für Panel- und Richtfunk-Antennen harmlos sind, gibt es eine Gefahr, die Mobilfunker fürchten: Eiszapfen. „Die Antennen sind ja nie auf der Spitze des Mastes befestigt, sondern meist in der Mitte. So kommt es immer wieder vor, dass sich oberhalb Eiszapfen bilden. Wenn die sich lösen und auf eine Richtfunkantenne knallen, gibt es Probleme", sagt Rappold. Das Gehäuse übersteht solch einen Aufprall ohne Kratzer, wird dabei jedoch die Antenne um wenige Millimeter verschoben, kommt es zu Ausfällen.

Die runden Schüsseln müssen in Sichtverbindung zum Tal sein. Da sie für die Datenabwicklung mit der Talstation verantwortlich sind und die Station ans Netz anbinden, bilden sie das Herzstück des Funkmasten. „Wir montieren mittlerweile über jeder Richtfunkantenne ein kleines Dach zum Schutz des Spiegels", so Rappold.

Mit Touring-Ausrüstung zur Problemstelle
Trotz diverser Vorsichtsmaßnahmen kommt es aber immer wieder zu Problemen. Wobei hier die Systemtechnik laut Rappold an den meisten Vorfällen schuld ist. Dabei handelt es sich um die Elektronik, die getrennt von der Antenne und dem Mast, aufgestellt ist. Diese ist meist in einem Container, manchmal in einer kleinen Hütte untergebracht und erinnert an einen kleinen Server-Raum. Die Box ist klimatisiert, ans Stromnetz angebunden und mit Notfall-Generatoren ausgestattet. Zudem sind sie gegen jede Form der Witterung geschützt.

Viele Fehler lassen sich laut Rappold via Fernwartung beheben, ab und an muss er aber ausrücken und vor Ort die Probleme beheben. An manchen Stationen heißt das für den Techniker dann Ski anschnallen. In Touring-Ausrüstung geht es dann mit Werkzeug und Gerätschaft zum Einsatzort.

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Foto: Drei

Kein Einsatz bei Lebensgefahr
Laut dem Experten sind solche Extremeinsätze die Ausnahme. Nur in Notfällen rückt er aus und selbst dann gilt: Herrscht Lebensgefahr, wird zugewartet, bis sich die Lage bessert. Fällt ein regulärer Wartungstermin einer Station, etwa um Filter zu tauschen und die Lüftung zu prüfen, in eine Phase mit extremem Wetter, wird dieser verschoben. Diese Vorsichtsmaßnahmen weiß Rappold auch zu schätzen. Mit jenen Technikern in Mexiko oder Indien, die auf Türme in 400 Metern Höhe klettern und die letzen Meter ungesichert hantieren, möchte er keinesfalls tauschen.

Trotz aller Widrigkeiten bevorzugt Rappold den Einsatz am Berg jenem im Tal. Zwar gibt es auch in niedrigen Regionen schwierige Masten, allerdings ist hier die Herausforderung eine andere. „Man fährt aufs Dach und muss sich dann mitunter an der Fassade abseilen, um zur Antenne zu kommen", so der Techniker. Das passiert aber selten. Die Systemtechnik steht meistens in einem leicht zugänglichen Innenraum.

Nichts über 40 Meter
Ein Grund für die verhältnismäßig risikoarme Antennensituation in Städten: „Alles was über 40 Meter montiert ist, macht keinen Sinn", sagt Christian Veits von T-Mobile. Laut dem  Netz-Experten bieten Antennen, die zwischen 30 und 40 Meter über dem Boden montiert sind, die beste Abdeckung. So ist der höchste Mast, den A1 selbst betreibt, lediglich 54 Meter hoch. Er steht am Plumeskopf in Innsbruck.

Schornsteine und Türme
Auch auf der Spitze des Wiener Donauturms, mit 252 Metern das höchste Gebäude in Österreich, befinden sich keine Handy-Antennen. Stattdessen sind sie im unteren Drittel an der Betonwand angebracht. „Zur Wartung fährt man auf den Turm und seilt sich ab", beschreibt Veits von T-Mobile den Einsatz. Auch auf Kirchen oder Strommasten, die man mitnutzt, ist bei 40 Metern Schluss. Antennen, die aus dem Schema ausbrechen, sind die Ausnahme. Ein Beispiel ist eine Anlage von T-Mobile am Kraftwerk Dürnrohr. Sie ist am Betriebsgebäude auf 117 Metern Höhe montiert.

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Foto: Drei

ORF ist immer an der Spitze
Wenn auf Masten oder Hochhäusern Antennen zu sehen sind, dann gehören die dem Militär oder den Fernsehsendern. „Der ORF ist immer oben auf", sagt Veits. Sowohl am Donauturm als auch am Funkturm im Arsenal sind die Rundfunkantennen nahe der Spitze montiert. Auch bei freistehenden Masten ist der ORF und dessen Technik-Tochter ORS Spitze: Der höchste Sendemast ist jener mit 165 Metern am Wiener Kahlenberg. Dahinter folgt jener in Klagenfurt/Dobratsch, er ist 120 Meter hoch. Zählt man das Gebäude, auf dem ersteht, hinzu, kommt man auf eine Höhe von 165 Metern.

Genehmigungen als Hindernis
Was man bei den städtischen Antennenanlagen im Gegensatz zu jenem am Berg berücksichtigen muss, ist der Zugang. Bilden Eis und Schnee am Gipfel das Hindernis, sind es in der Stadt Genehmigungen. „Will man etwa zu einer Antenne auf einem Strommast, muss beim Energieversorger um Genehmigung angesucht werden. Zudem dürfen nur Techniker zum Einsatz, die eine spezielle Ausbildung haben", sagt Veits. Auch zu Privatgrundstücken oder zu Bankgebäuden hat man nicht sofort Zugang.

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Foto: Drei

Im Untergrund
Während die Mobilfunker in hohen Höhen und in den Stadtschluchten mit diversen Herausforderungen zu kämpfen haben, ist es am anderen Ende der Skala am unkompliziertesten. Die tiefsten Funkstationen Österreichs befinden sich im Wiener U-Bahn-Netz, rund 25 Meter untertags und sind aus Wartungs- und Entstörungssicht leicht zu handhaben. „Die Antennen sind am Tunnelanfang montiert und strahlen in die Röhre. Die Systemtechnik steht meist im Abstellkammerl, neben dem Besen der Putzfrau", so Veits.

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(futurezone) Erstellt am 27.12.2012, 06:00

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