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Datenschutz Serie Internet of Things: Anreize zur Verhaltensänderung.

Mit zunehmender Vernetzung der Haushaltsgeräte steigt auch der Grad der Überwachung
Mit zunehmender Vernetzung der Haushaltsgeräte steigt auch der Grad der Überwachung - Foto: Reuters
Das Geschäftsmodell des Webs ist werbebasiert. Beim Internet der Dinge könnte es durch exzessives Datensammeln auf Versicherungen basieren; mit unabschätzbaren Folgen.

Dass das Verhalten auf Websites aufgezeichnet wird, ist nicht wirklich überraschend. In welchem Umfang dies geschieht, ist dann doch erstaunlich. Kaum eine kommerziell betriebene Website verzichtet auf die Integration diverser Analyse-Tools sowie Werbenetzwerke, die Daten über Nutzungsverhalten aufzeichnen.

Zur Analyse und Erhebung von Besucherstatistiken auf Websites wird häufig Google Analytics verwendet. Für die Einbindung von Werbung sind Schnittstellen für Werbenetzwerke wie DoubleClick oder AdMob eingebaut. Facebook, Twitter oder Google sind beispielsweise überall dort eingebunden, wo auf einer Website ein Facebook-Like-Button, ein Twitter-oder Google-Plus-Share-Button integriert ist. Nicht unerwähnt soll bleiben, dass, wie sämtliche Nachrichten-Websites auch, ebenso die futurezone derartige Tools nutzt.

Flurry Analytics

Der Platzhirsch unter den Tracking-Tools für mobile Devices ist Flurry Analytics. Laut eigenen Angaben ist die Analyse- und Werbeplattform Flurry in 540.000 Apps für iOS, Android und anderen Plattformen integriert. Damit ist Flurry global auf über 1,4 Milliarden Smartphones und Tablets installiert und zeichnet monatlich die Daten von 165 Milliarden einzelnen Nutzungs-Sessions auf. Flurry wirbt damit, ein Drittel aller globalen App-Aktivität zu vermessen und Zugriff auf durchschnittlich sieben Apps auf über 90 Prozent aller Endgeräte weltweit zu besitzen. Laut Forbes sitzt Flurry damit auf einen "Schatz aus mobilen App-Nutzer-Daten mit einer höheren Reichweite als Google oder Facebook."

Durch die Sortierung der Nutzer nach Kategorien, wie etwa wie Hardcore-Spieler, frischgebackene Mütter oder sexuelle Orientierung, wird Werbetreibenden mit Flurry die gezielte Ansprache nach Geschlecht, Alter und Interessen ermöglicht. Dabei werden die Nutzer über Apps und Geräte hinweg wiedererkannt. Bei diesem Re-Targeting können etwa Nutzer, die einen Registrierungs- oder einen Bestellvorgang abgebrochen haben, gezielt auf anderen Devices entsprechend darauf angesprochen werden.

Höchst undurchsichtig

Wer was wann an wem weitergibt, sei höchst undurchsichtig und nicht nachvollziehbar, kritisiert Wolfie Christl in seiner Studie. Das Browser-Plugin Ghostery, das die auf Webseiten eingebundenen Tracking-Tools sichtbar macht, führt eine Liste mit fast 2000 Unternehmen, an die regelmäßig Daten von Websites oder Apps übertragen werden.

Christl schreibt in seiner Studie: "Die Situation ist sehr unübersichtlich und intransparent, über viele dieser Unternehmen ist sehr wenig bekannt und es gibt keine systematische Forschung dazu." Laut Christl wirbt etwa der Anbieter segment.io damit, dass durch die Integration von deren Service in Websites oder Apps die Daten der Nutzer unkompliziert und automatisch an über hundert andere Dritt-Unternehmer weitergeleitet werden können - ohne dass die User etwas davon mitbekommen.

Versicherungen als Geschäftsmodell

Das Verknüpfen von Krankenversicherungen mit Fitnessdaten, die Wearables, wie Aktivitätsracker oder Smartwatches erheben, zeigt bereits jetzt die Stoßrichtung, in die es in den kommenden Jahren gehen könnte. Denn mit dem Internet of Things und damit einhergehenden omnipräsenten Vernetzung von Maschinen, Sensoren und Menschen komme ein Datensammeln von ganz anderer Qualität auf uns zu, warnt Christl.

Er beruft sich dabei auf eine aktuelle Studie des Pew Research Centers, bei der rund 1600 internationale Experten auf dem Gebiet zu diesem Thema befragt wurden. Viele dieser Experten erwarten, dass Anreize zur Verhaltensänderung zum zentralen Treiber für das Internet der Dinge werden - etwa zum Konsum bestimmter Produkte oder zur Anregung von gesünderen oder sichereren Lebensweisen. "Dies könnte substanzielle Auswirkungen auf die Möglichkeit der Menschen, ihr eigenes Leben zu kontrollieren, haben", fasst Christl die etwaigen Konsequenzen eines völlig vernetzten Alltags zusammen.

"Das Sammeln von Daten und das zielgruppengerechte Kategorisieren der User verdeutlicht, dass Werbung das Geschäftsmodell von Apps und des Webs ist", sagt Christl, "So wie es aussieht, könnten Versicherungen das Geschäftsmodell des Internet of Things werden."

Datenschutz Serie zum Nachlesen

Teil 1: So durchleuchten Unternehmen unser Verhalten im Web
Teil 2: Aus dem Online-Verhalten wird Kreditwürdigkeit berechnet
Teil 3: Online-Shops: PC-User kommen billiger davon als Mac-Nutzer
Teil 4: Internet of Things: Anreize zur Verhaltensänderung

(futurezone) Erstellt am 12.12.2014, 06:00

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