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Luftfahrt Lieferdrohnen im Anflug.

Die Lieferdrohne der Schweizer Post
Die Lieferdrohne der Schweizer Post - Foto: Schweizer Post
An der Technik und anderen Voraussetzungen für Lieferdrohnen wird intensiv gearbeitet. Im Einsatz werden die fliegenden Paketzusteller aber erst in einigen Jahren sein.

Die Lieferung kleiner Waren soll bald noch schneller und direkter als bisher erfolgen. Drohnen flitzen selbstständig über den Himmel, um Güter sofort nach der Online-Bestellung beim Kunden abzuliefern, dessen Standort über sein Smartphone ermittelt wird. Die Routen der Drohnen werden von einem Computer automatisch zugeteilt. Zur Sicherheit ist für die unbemannten Flugobjekte ein eigener Luftraumabschnitt zwischen 200 und 400 Fuß Höhe (61 bis 122 Meter) reserviert.

So sieht die Zukunft aus, wenn es nach Amazon geht. Der Onlinehändler, der seit Ende 2013 an einem eigenen Drohnenlieferdienst namens "Prime Air" tüftelt, hat vor wenigen Tagen seine Vision für einen geteilten Luftraum vorgestellt. Die Aufteilung des Luftraums soll die Gefahren für Mensch und Maschine minimieren und für eindeutige Verhältnisse am Himmel sorgen.

Druckanstieg

Ob sich die US-Luftfahrtbehörde von dem Vorschlag inspirieren lässt, wird man sehen. Der Druck auf Regulierer zur Öffnung des zivilen Luftraums für unbemannte Luftfahrzeuge steigt. Neben Amazon arbeitet auch Google an autonomen Lieferdrohnen. Auch die Deutsche und die Schweizer Post haben eigene Forschungsprojekte zur Paketzustellung mittels Drohnen gestartet. Dazu kommen Lieferdrohnen-Pläne von Fahrzeugherstellern, Restaurantketten und Start-ups. All diese Unternehmen träumen von Bedingungen, bei denen Drohnen selbstständig größere Strecken zurücklegen können, ohne Piloten oder eine direkte Sichtverbindung. Lieferdienste sind ein Paradebeispiel für dieses Szenario.

Probleme

Noch sind nicht alle technischen Probleme auf dem Weg dorthin gelöst. Drohnen müssen andere Flugobjekte jederzeit erkennen und ihnen ausweichen können. Dafür notwendige Sensoren werden immer kleiner und kostengünstiger, aber eine einheitliche Methode fehlt. Satellitennavigationssysteme erweisen sich dazu oft als unzuverlässig. Entwickler suchen deshalb Alternativen zu GPS und Co. Drohnen müssen dazu bei Wind und Wetter stabil fliegen können. Abstürze können sich Lieferdienste nicht erlauben. Woran außerdem getüftelt wird, sind verschiedenste Drohnenkonstruktionen, um Zuladung und Reichweite zu maximieren, während Landungen auf engstem Raum erreicht werden sollen.

Die wohl größte Hürde stellen regulatorische Fragen dar. Während sich die Drohnentechnik rasant weiterentwickelt, hinkt die Gesetzgebung hinterher. In vielen Ländern gelten für Drohnen dieselben Regeln wie für Passagierflugzeuge. Die Fluggeräte sind langwierigen Zulassungsprozeduren unterworfen. Jeder Flug muss genehmigt werden.

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So stellt sich Amazon den separierten Luftraum für Drohnen vor - Foto: Amazon

Potenzial

Die EU-Kommission arbeitet daran, rasch ein neues Regelwerk zu entwerfen, das kommerziellen Drohnenbetreibern die Arbeit erleichtern soll. Der Drohnenmarkt soll laut Analysen in zehn Jahren zehn Prozent des gesamten Luftfahrtsektors ausmachen und milliardenschweres Geschäftspotenzial bieten. 2016 will die Kommission eine europäische Lösung für kommerzielle Drohnendienste vorlegen können.

Nicht allerorts herrscht jedoch Zuversicht, dass sich Drohnenlieferdienste wirklich durchsetzen werden. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas wie Amazon Prime Air in Europa Sinn macht", sagt Bernhard Freiherr von Bothmer, Vorsitzender des Interessensverbandes UAV DACH. "Überlegen Sie sich, wie stark der Luftraum dann belegt wäre."

Spezialeinsätze

Die Deutsche und Schweizer Post gestehen Drohnen zumindest eine mögliche Rolle für Spezialfälle zu. In Deutschland wurde etwa der Medikamententransport per Drohne zu einer Apotheke auf der Nordseeinsel Juist getestet. In der Schweiz kann man sich Lieferdrohneneinsätze in Notsituationen vorstellen, etwa bei der Versorgung von Siedlungen, die nach Unwettern von der Umwelt abgeschnitten sind. In Österreich ist die Lage hingegen noch sehr ruhig. Der größte heimische Drohnenhersteller, Schiebel, arbeitet gerade an der Zulassung seiner Camcopter-Drohne in den zivilen Luftraum, jedoch vorerst einzig zur Inspektion von Anlagen und Gebieten aus der Luft.

Zu Lieferdiensten seien hingegen laut der Austro Control von keinem heimischen Unternehmen Pläne bekannt. Doch auch anderswo wird es wohl noch einige Jahre dauern, bis kommerzielle Drohnenlieferdienste ihren Betrieb aufnehmen. Die Schweizer Post rechnet mit rund fünf Jahren. Das ansonsten so fortschrittliche Google setzt seine Prognosen sogar noch konservativer an. Dave Vos, der Leiter von Googles Project Wing, rechnet mit zehn Jahren bis zum Start eines Drohnenlieferdienstes.

Frage des Tages

  • Würden Sie Ihre Pakete gerne per Drohne liefern lassen?


(futurezone) Erstellt am 10.08.2015, 06:00

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