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Studie Mehr Online-Risiken für sozial schwache Kinder.

Foto: Heinz Wagner
Kinder aus sozial benachteiligten Familien sitzen länger vor dem Fernseher als Gleichaltrige und sind im Umgang mit dem Internet Risiken stärker ausgesetzt als der Nachwuchs von Familien, denen es besser geht.

Das sind Ergebnisse einer Langzeitstudie zur Mediensozialisation und zum Medienkonsum sozial benachteiligter Heranwachsender in Österreich, die am Donnerstag bei der Fachtagung „Der Wert einer ruhigen Kindheit für eine gedeihliche Gesellschaft" am Internationalen Forschungszentrum für soziale und ethische Fragen (ifz) in Salzburg vorgestellt wurde.

„Sozialisation bei sozial benachteiligten Kindern ist sehr stark Mediensozialisation", brachte es die Kommunikationswissenschafterin Ingrid Paus-Hasebrink auf den Punkt. Vieles, was Kindern normalerweise von ihren Eltern lernen, werde durch die Medien vermittelt. So identifizieren sich diese Kinder oft sehr stark mit den Heldinnen und Helden von TV-Serien und übernehmen Verhaltensweisen. Die Eltern sind mit dem Alltag überfordert, Erziehung komme oft zu kurz. Die Kinder würden vor dem Fernseher geparkt, beobachtet die Wissenschafterin. Sechs bis sieben Stunden vor dem Fernseher seien bei Kindern aus sozial benachteiligten Familien keine Seltenheit. „Das ist sehr viel Lebenszeit", meinte Paus-Hasebrink.

Internet
Im Umgang mit dem Internet sind die Kinder, die in prekären Familienverhältnissen leben, größeren Risiken ausgesetzt als Gleichaltrige, die in einem heilen Umfeld aufwachsen. „Sie haben eine besondere Gefährdung, weil sie aufgrund ihrer Lebensbedingungen nicht in der Lage sind, mit den Risiken adäquat umzugehen", sagte Paus-Hasebrink. Die Mediennutzung erfolge unreflektiert. Die Kinder bräuchten eine besondere Unterstützung und Hilfestellung. Diese könnten aber die Eltern mangels Zeit und mangels eigener Kompetenzen im Umgang mit den neuen Medien meist nicht leisten. So werden diese Kinder auch häufiger Opfer von Cybermobbing. „Wer im Alltag schlecht dasteht, der wird auch schneller Opfer im Internet", erklärte Paus-Hasebrink.

Smartphones
Während Fernsehen und Internet für Kinder aus ärmeren Familien ebenso verfügbar sind, wie für Gleichaltrige aus bessergestellten Milieus, werden Smartphones aus Kostengründen deutlich seltener genutzt. „Das ist eindeutig ein Kostenfaktor", meinte die Kommunikationswissenschafterin.

Die Studie wurde im Jahr 2005 mit 20 Familien mit vier- bis fünfjährigen Kindern gestartet und Ende 2012 abgeschlossen. Soziale Benachteiligung hänge nicht nur vom Einkommen ab, sondern habe ganz vielfältige Ursachen, meinte auch Studienautorin Jasmin Kulterer. Medien wie TV und Computerspiele nehmen einen sehr hohen Stellenwert bei diesen Kindern ein, Bücher werden hingegen sehr selten genutzt. Man dürfe aber auch nicht übersehen, dass Medien wie TV und Internet ein informelles Bildungsangebot seien und damit den Kindern auch viele Chancen bieten, sprach sich Paus-Hasebrink für mehr Unterstützung für die Betroffenen im Umgang mit den neuen Medien aus.

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(apa) Erstellt am 11.04.2013, 14:00

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