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Recht auf Vergessenwerden Pianist will Konzertkritik löschen lassen.

Ein Pianist will eine für ihn unvorteilhafte Kritik aus dem Online-Angebot der "Washington Post" entfernen lassen.
Ein Pianist will eine für ihn unvorteilhafte Kritik aus dem Online-Angebot der "Washington Post" entfernen lassen. - Foto: arsdigital.de/fotolia
Ein Pianist hat unter Berufung auf das europäische Recht auf Vergessenwerden von der „Washington Post“ verlangt, eine unvorteilhafte Konzertkritik aus dem Netz zu entfernen.

Der kroatische Pianist Dejan Lazic richtete sich am Donnerstag mit einem Schreiben an die US-Zeitung, in dem er verlangte, dass eine 2010 erschienene Kritik eines seiner Konzerte  gelöscht werde, teilte die „Washington Post“ mit.  

Die von der Musikkritikerin Anne Midgette verfasste Rezension „trübe seit Jahren die erste Seite seiner Google-Suchergebnisse“, beklagte sich der Musiker. Sein Ansinnen habe nichts mit Zensur zu tun, erklärte der Musiker in einem nachfolgenden E-Mail an die Zeitung, er wolle lediglich die Kontrolle über sein Image behalten. Es gehe ihm um die „Wahrheit“.

Recht auf Vergessenwerden

Lazic berief sich in seinem Schreiben auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom Mai, das er aber offensichtlich missverstand. Der EuGH hatte entschieden, dass Suchmaschinenbetreiber dazu verpflichtet werden können, Verweise auf Webseiten mit sensiblen persönlichen Daten aus der Ergebnisliste zu streichen, wenn diese das Recht auf Privatsphäre und Datenschutz einer Person verletzen.  Online-Medien wurde eine solche Löschverpflichtung explizit nicht auferlegt.

„Fürchterliche Implikationen“

Es sei die erste Löschaufforderung, die die  Zeitung wegen des EU-Richterspruchs bekomme, schrieb „Washington-Post“-Redakteurin Caitlin Dewey. Abgesehen davon, dass das Ansinnen des Pianisten fehlgeleitet sei, da sich das Urteil nur auf Suchmaschinen und das auch nur in Europa beziehe, habe es „fürchterliche Implikationen“. Lazic führte gegenüber der Zeitung nämlich aus, dass nicht nur Künstler, sondern auch Politiker und andere Personen des öffentlichen Interesses das Recht haben sollten, auf das von ihnen übermittelte Bild einzuwirken. Für sie sei es unvorstellbar, dass sich der Journalismus solchen Vorgaben beuge, schrieb die Redakteurin.

Google bekam nach eigenen Angaben bis Mitte Oktober rund 150.000 Anträge von Europäern zur Löschung von Suchergebnissen. Mehr als 40 Prozent der beanstandeten Links wurden entfernt. Ob sich Lazic mit seinem Ansuchen auch an Google gewandt hat, ist nicht bekannt. Der Verweis auf die Konzertbesprechung in der "Washington Post" ist in den Google-Suchergebnissen zu seinem Namen jedenfalls weiter prominent platziert.

(futurezone) Erstellt am 01.11.2014, 15:19

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