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Ausblick Social Media 2014: Privater, visueller und erwachsener.

Die Nutzung mobiler Dienste wirdauch im kommenden Jahr weiter zunehmen
Die Nutzung mobiler Dienste wirdauch im kommenden Jahr weiter zunehmen - Foto: AP
Wie kommunizieren wir morgen? Wohin entwickelt sich Social Media und wie vernetzen wir uns? Die futurezone hat sich unter Experten umgehört.

Soziale Medien, von Facebook über Twitter bis YouTube, sind für die meisten Internetnutzer heute fixer Bestandteil ihres Alltags. Dass es viele dieser Plattformen gerade einmal ein paar Jahre gibt, mutet beinahe seltsam an - kann man sich “das Leben davor” oft kaum noch vorstellen. Social Networks haben die Art und Weise, wie Menschen kommunizieren, stark verändert. Das gilt auf privater wie auf beruflicher Ebene, für Einzelpersonen ebenso wie für Unternehmen. Die Weiterentwicklung verläuft scheinbar immer rasanter, was heute in ist, kann morgen schon von einem neuen Service abgelöst werden.

Was kommt also als nächstes und wie wird sich das Kommunikationsverhalten im Netz im nächsten Jahr weiterentwickeln? Welche Plattformen liegen im Trend und welche Dienste und Kommunikationsformen haben ihren Höhepunkt schon wieder überschritten?

Fotos dominieren

Visuelle Inhalte gewinnen immer mehr an Bedeutung im Social Web. Die großen Social-Media-Plattformen haben Fotos immer stärker in den Fokus gerückt. So werden seit einigen Monaten Bilder bei Twitter beispielsweise direkt in der Timeline angezeigt, während man diese zuvor noch per Mausklick öffnen musste. Facebook wiederum hat bereits 2012 den boomenden Fotodienst Instagram aufgekauft und prominent ins eigene Netzwerk integriert. Instagram seinerseits baut seinen Service ebenfalls laufend aus, so sind erst kürzlich neue Funktionen, wie ein eigener Messaging-Dienst, hinzugekommen. Gleichzeitig gibt es damit die Möglichkeit, Fotos privater, also nur mit bestimmten Personen, zu teilen. Auch Google+ hat in diesem Jahr neue Fotofunktionen eingeführt und bietet beispielsweise die Möglichkeit, Animated GIFs zu erstellen.

“Instagram und seine Foto Direct Message-Funktion haben gezeigt: Bildsharing- und Messenger-Services werden das nächste Jahre stark beeinflussen”, sagt Judith Denkmayr, Geschäftsführerin der Social-Media-Agentur Digital Affairs. “Bilder waren bisher in jedem Social Web Service die beliebtesten Inhalte und das wird sich 2014 nicht nur nicht ändern - sondern sogar verstärkt werden.”

Instagram
Foto: Thomas Prenner

Gespannt sein darf man auch, wie sich der Fotoservice Snapchat weiterentwickeln wird. Der Dienst, bei dem Fotos via Smartphone-App direkt an Freunde geschickt werden und sich dann von selbst zerstören, ist in den USA bereits der große Renner, vor allem bei Jugendlichen. Snapchat wird auch häufig in Zusammenhang mit “Sexting” genannt, also wenn - ebenfalls vorwiegend von Teenagern - private erotische bzw. Nacktaufnahmen versendet werden.

Video kills the Fotostar?

Die großen neuen Stars werden nach Einschätzung der Experten 2014 aber nicht die Fotodienste sein, denn die “haben sich bereits etabliert”, wie Denkmayr analysiert. “Die Upcoming Superstars werden Microvideo Apps wie Vine oder Google Auto Awesome Video werden.” Diese hätten zwar noch nicht so eine große Reichweite, aber diese neuen Formate eröffnen nach Meinung von Denkmayr neue Formen nutzergenerierter Inhalte - durch ihre Niederschwelligkeit für ganz neue Zielgruppen.

Auch Marketingexperte Georg Hofherr erwartet sich in diesem Bereich spannende Weiterentwicklungen im kommenden Jahr. “Mit Twitter als Eigentümer hat es Vine in kurzer Zeit zu über 40 Millionen Usern gebracht.” Wie bei vielen Start-ups fehle auch bei Vine zwar noch das Geschäftsmodell. “Bei solchen Rahmenbedingungen ist es jedoch interessant zu beobachten, ob es bei einem kurzfristigen Hype bleibt oder ob sich Vine längerfristig etablieren kann”, sagt Hofherr.

“Social TV”

Gemeinsam Fernsehen und sich über soziale Netzwerke live über die Sendungsinhalte austauschen - dieser Trend ist auch in Österreich angekommen. “Eigentlich ist der Durchbruch von Social TV auch hierzulande längst überfällig - wobei die User sich ja schon längst am digitalen Lagerfeuer über TV-Sendungen austauschen, und zwar in hohem Maße”, meint auch Denkmayr.

2014 wird das Jahr für Social TV bei Facebook und Twitter, prognostiziert die Expertin: “Es beginnt die Schlacht um Daten und User - und ganz besonders gilt es für beide Networks, die TV-Werbebudgets der großen Konzerne mit crossmedialen Kampagnen über First und Second Screen anzuzapfen.” Die TV-Mediakosten seien - im Gegensatz zu den Printmediakosten von den Firmen bisher wenig in digitale Maßnahmen umgeschichtet worden. “Dazu werden die beiden Plattformen natürlich auch die notwendigen neuen Features liefern müssen”, so Denkmayr.

Gruppenchat und private Netzwerke

Im kommenden Jahr werden insbesondere auch Chat- und Messagingdienste eine große Rolle spielen. Soziale Netzwerke bedeuten künftig nicht zwingend die große öffentliche Bühne, es gebe auch zunehmend Tendenzen hin zur privaten Vernetzung, meint Hofherr. Die erste Euphorie sei vorbei, junge User wenden sich aktuellen Studien zufolge zum Teil schon wieder von Facebook ab und der allgemeine Zugang zu dem Thema werde langsam “erwachsener”. Nicht zuletzt aufgrund des NSA-Skandals würden verstäkt “geschützte Räume” gesucht. “WhatsApp löst den privaten Austausch auf Facebook ab, auch wenn sich hier User in falscher Sicherheit wiegen”, so Hofherr, der auf die Sicherheitslücken bei dem Chat-Dienst anspielt.

Viele Nutzer haben aufgrund der Geschehnisse in diesem Jahr ihr Vertrauen in die Onlinedienste verloren, daher “müssen diese den Usern künftig ein Gefühl der Sicherheit  geben, um Erfolg zu haben”, meint Hofherr. Spannend werde dabei auch die Entwicklung von Cloudservices sein. “Hier ist noch unsicher, ob Prism & Co. die rasante Entwicklung in diesem Bereich bremsen.” Der Experte geht davon aus, dass es in Zukunft noch viele Debatten zum Thema “private Virtualität” geben wird, da die Nutzer stärker unterscheiden werden, was sie öffentlich und was sie privat teilen.

SMS schreiben mit WhatsApp
Foto: Screenshot

“Facebook Messenger, Google Hangouts, Snapchat und WhatsApp sind erst der Anfang”, glaubt auch Denkmayr. “Gerade die jüngere Zielgruppe hat den Reiz der Gruppenchats entdeckt. Der Vorteil: Man hat die Vorzüge eines Social Networks, muss sich aber weniger über Postingfrequenz oder gar Kommentare von Menschen außerhalb der eigenen Filterblase Gedanken machen.”

Zwischen Infoflut und Qualitätsansprüchen

Die sozialen Netzwerke haben die Menschen nicht nur untereinander stärker in Berührung gebracht, sie haben auch eine nie dagewesene Informationsflut ausgelöst. Hofherr ist überzeugt, dass es im kommenden Jahr - jedenfalls ein Stück weit - eine Rückbesinnung auf “das Wesentliche” und mehr Reflexion darüber geben wird, was eigentlich all das massenhafte Teilen von Inhalten “bringt” und wie viel Wahrheitsgehalt hinter den einzelnen Informationen steckt. “Hier kommt wieder die gute alte Qualität ins Spiel. Echtheitszertifikate für Informationen und extrahierten Informationen mit Erkenntnisgewinn gehören die Zukunft”, meint Hofherr und glaubt an “die Renaissance des guten alten Journalismus”.

“In einer Welt, wo einen Klick entfernt schon die nächste spannende Ablenkung warten könnte, wird es immer wichtiger, Methoden zur Aufmerksamkeitverlängerung zu entwickeln”, sagt Denkmayr. Aus diesem Grund werden wir laut der Expertin in den nächsten ein bis zwei Jahren vielen Apps, Features und Gadgets mit sogenannten Gamification-Elementen begegnen. “Das bedeutet, dass Inhalte und Aufgaben (zB. das Fitnesstraining oder Vokabellernen) mit Spielelementen angereichert werden, die die Motivation aufrecht erhalten, weiterzumachen.”

“Für alle Online-Dienste wird es wichtig sein, das mobile Nutzungsverhalten der User zu berücksichtigen”, sagt Hofherr. Das fange bei einem optimierten App-Design an und höre bei klugen, nutzenbringenden Location-Based-Services auf. “Der Social Media User ist eben kein Stubenhocker.”

“Ruhephasen”

Letztlich wird es aber nicht nur um die Nutzung etablierter und neuer Services gehen, sondern auch darum, wieder Pausen einzulegen, glaubt Kommunikationsexperte Hofherr. “Über zehn Stunden Information und Kommunikation am Tag führen nicht nur zu einer Reizüberflutung, sondern auch zu einer permanenten Überlastung unserers Gehirns.” Daher sei es auch notwendig Ruhezeiten und Onlinepausen zu haben.

(futurezone) Erstellt am 03.01.2014, 06:00

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