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Christoph Malin Tiroler macht Zeitraffer-Videos aus Nachtfotos.

Foto: Christoph Malin
Es sind faszinierende Clips, die der Tiroler Christoph Malin online gestellt hat: Die Timelapsing-Aufnahmen, die aus einzelnen Langzeitbelichtungen errechnet werden, zeigen den Nachthimmel auf völlig neue Art und Weise. Der futurezone hat Malin gezeigt, unter welchem Aufwand er seine Kunstwerke anfertigt.

Wolken umspülen Berggipfel wie das Meer eine steinige Küste, die zarte Sichel des Mondes sinkt hinter den Horizont, immer längere Schatten fallen auf die steinige Landschaft – und dann strahlen plötzlich Myriaden Punkte vom glasklaren Nachthimmel,  der von einer blau-lila leuchtenden  Milchstraße dominiert wird.

Mit dem von elektronischer Downtempo-Musik untermalten Video „Island In The Sky“ hat der Tiroler Fotograf Christoph Malin (42) weltweit Zehntausende Internetnutzer in den Bann gezogen – selbst Starmusiker  Brian May empfahl das 7:26 Minuten lange Video seinen Fans. Für die faszinierenden Aufnahmen, die dem Betrachter die Schönheit der Nacht neu vor Augen führen, hat Malin aber nicht einfach seine Videokamera gen Himmel gerichtet – der Kurzfilm wurde vielmehr aus Tausenden Einzelbildern in monatelanger Arbeit zusammengestöpselt.

Faszination Nacht
„Früher waren meistens Bergsteiger und Radfahrer auf meinen Bildern, jetzt sind es die Sterne“, sagt Malin, der viele Jahre als Sport- und Reisejournalist tätig war. Dann lernte er 2009 den deutsch-iranischen Astronomie-Fotografen Babak Tafreshi kennen, den er drei Tage und Nächte auf die Gipfel Tirols begleitete. „Das war eine irre Erfahrung und hat mir die Augen geöffnet“, sagt Malin. Denn Tafreshi, begeisterte Malin für eine seiner Leidenschaften: Astro-Timelapsing.

Dabei werden Zeitraffer-Filme erstellt, indem Langzeitbelichtungen des Nachthimmels am Computer aneinandergereiht werden. Für „Island In The Sky“ reiste Malin mehrere Wochen auf die Kanareninsel La Palma, um dort an Vulkankämmen zu fotografieren. Außerdem war Malin für Aufnahmen  am Chajnantor-Plateau in Chile (5500 Meter) oder auf der deutschen Zugspitze (2900 Meter) – je höher und dunkler, desto besser.

Enthusiasten
„Nach einer Woche Fotografieren hock’ ich zwei bis drei Wochen am Computer zum Nachbearbeiten“, so Malin. „Das ist die Schattenseite des Timelapsens.“ Denn die „brutalen Datenmengen“, die beim Dreh anfallen, müssen erst zu einem Film verarbeitet werden.

Sind Astro-Zeitrafferfilme in Österreich noch eher unbekanntes Terrain, ist Malin in regem Austausch mit einer internationalen Gemeinschaft von passionierten Timelapsern. Etwa 30 Fotografen haben sich zu der Online-Gruppe „The World At Night“  (www.twanight.org) zusammengeschlossen und treiben das junge Betätigungsfeld voran. „Wenn man es macht, bekommt man wieder ein Gefühl für die Zeit, man kann wieder abschalten“, sagt Malin über das Hobby, von dem er mittlerweile leben kann und das manche gar als Kunstform erachten. „Es ist schön, wie man damit ein Lächeln in die Gesichter der Leute zaubern kann. Bilder sind eine universelle Sprache."

Probleme aufzeigen
Ein Problem, das Malin im Zuge seiner fotografischen Leidenschaft immer stärker ins Bewusstsein gerückt ist, ist die so genannte Lichtverschmutzung. In weiten Teilen der Welt wird es durch nächtliche Beleuchtung in Städten oder auf Autobahnen nicht mehr richtig dunkel - mit ernsten Folgen für die Natur. So würden Vögel etwa ihren Weg nicht mehr finden, weil sie sich nicht mehr an den Sternen orientieren könnten, so Malin.

"Viele Leute haben in ihrem Leben nicht den klaren Sternenhimmel gesehen", so Malin. Deswegen engagiert er sich für die Initiative www.hellenot.org, die auf das Problem der Lichtverschmutzung aufermksam macht.

Spiegelreflex mit Vollformat & Software

Wenn Fotograf Malin auf  Gipfel in Chile,  den Kanarischen Inseln oder Österreich klettert, dann hat er jede Menge Gepäck bei sich. Bis zu 40 kg bringt er mit, um die Aufnahmen zu machen. Wichtigstes Gerät ist natürlich die Kamera – ein Spiegelreflex-Gerät mit Vollformatsensor (Malin setzt vor allem auf seine „Nikon D4“), dazu große Speicherkarten mit bis zu 128 GB. Die Objektive, die Malin verwendet, müssen besonders lichtstark sein und eine Blende von mindestens f2.8 haben.

Außerdem meist mit dabei: Stative, Notebook und eine Kameraschiene (Dolly), zusätzlich Zelt und Proviant.  Pro Aufnahme-Woche häuft Malin mehr als einen Terabyte an Bilddaten an, die dann verarbeitet werden. Je nach Nachthimmel beleuchtet Malin pro Foto 1 bis 25 Sekunden - dabei macht es etwa einen Unterschied, ob Vollmond oder Halbmond ist.

Leistungsstarke Computer
Um aus den Einzelbildern Filme zu errechnen, setzt Malin einerseits auf extrem rechenstarke Computer und Speichermedien (z.B. ein „12 TB Pegasus Thunderbolt RAID“) und andererseits auf Profi-Software. Erst nach der Bildbearbeitung mit Programmen wie „Nikon View NX“, „Adobe Lightroom 4“,  „FinalCut Pro X“ und „LRTimelapse“ kann Malin in monatelanger Arbeit seine Filme schneiden. Die Musik sucht Malin teilweise bei Lizensierungs-Diensten, teilweise treten Musiker an ihn heran, die ihre Songs zur Untermalung der Videos hergeben.

Mehr zum Thema

Christoph Malin (42), alle seine Videos sind auf Vimeo zu finden

(futurezone) Erstellt am 15.12.2012, 06:00

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