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Ausstellung TU Wien: Pyramiden aus Bits und Bytes.

Foto: Regina Hölzl
Die TU Wien lässt ein Stück Altes Ägypten wiederauferstehen – in hochmodernen digitalen Präsentationen, die Teil einer Ausstellung im Kunsthistorischen Museum sind.

Pyramiden und Gräberfelder, Computer und Laserstahlen: Jahrtausende alte Architektur und modernste digitale Methoden treffen sich nun gemeinsam in einer Ausstellung. Vor genau hundert Jahren erforschte ein österreichisches Ausgrabungsteam die Pyramiden von Giza, nun wurden dazu an der TU Wien gewaltige Datenmengen aufbereitet – vom Ausgrabungstagebuch bis zum 3D-Laserscan. Daraus entstanden Filme und interaktive Präsentationen, die einen Einblick in das Alte Ägypten und den Alltag der frühen Ägyptologie ermöglichen. Zu sehen sind die Arbeiten in der Ausstellung „Im Schatten der Pyramiden“ im Kunsthistorischen Museum Wien, vom 22. Jänner bis 20. Mai 2013.

Iman Kulitz vom Department für Digitale Architektur und Planung der TU Wien ist selbst Ägyptologin und spezialisierte sich schon früh auf den derzeit aufstrebenden Bereich der digitalen Archäologie. Die Beiträge zur Ägypten-Ausstellung entwickelte sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Prof. Peter Ferschin, der ursprünglich aus dem Bereich Computergraphik kommt. „Nur indem wir in unserem Team Fachwissen in Archäologie, Informatik und Architektur vereinen, können wir am Computer alte Gebäude rekonstruieren und in virtuellen Räumen wissenschaftliche Erkenntnisse über die ägyptische Kultur erlebbar machen“, sagt Kulitz.

High-Tech damals und heute
Der Bau der Pyramiden vor mehr als 4500 Jahren war wohl die größte technologische Leistung dieser Zeit, und technologische Spitzenleistungen wurden auch bei ihrer Erforschung benötigt. Schon bei den Ausgrabungen vor hundert Jahren wurden high-tech-Methoden verwendet: Neben präzisen Vermessungsdaten von damals stehen heute auch zahlreiche Fotographien zur Verfügung – ein Medium, dessen Einsatz in der Wissenschaft damals noch keinesfalls alltäglich war.

Inzwischen hat der technische Fortschritt auch die Archäologie völlig verändert. Die Bauwerke in Giza wurden von der Firma RIEGL LMS GmbH mit 3D-Laserscannern abgetastet, aus den dutzenden Millionen Messpunkten, die dabei entstanden, erschuf
man an der TU Wien in aufwendiger Computerarbeit digitale 3D-Modelle. Ferngesteuerte Drohnen der Firma AirPano machten Panoramaaufnahmen von den Pyramiden, auch sie wurden am Computer verarbeitet.

Virtuelle Besichtigungen
„Historische Daten sollen ansprechend und spannend präsentiert werden, ohne an Informationsgehalt oder Wissenschaftlichkeit zu verlieren“, meint Iman Kulitz. In mehreren Stationen wird man bei der Ausstellung im Kunsthistorischen Museum die Resultate der langjährigen Arbeit bewundern können: In Filmen wird ein Eindruck davon vermitteln, wie die Pyramiden heute aussehen, was von ihnen bei den Grabungen vor hundert Jahren zu sehen war und wie sie sich vor 4500 Jahren den Pharaonen selbst präsentiert haben. 

Auf großen Bildschirmen kann man 3D-Flüge zwischen Pyramiden und über die Gräberfelder miterleben. Ein virtuelles Grab wurde geschaffen, in der typische Objekte in ihrer Originalumgebung zu sehen sind, Infotexte oder Hieroglyphen-Übersetzungen lassen sich nach Belieben einblenden. Die Grabungsgeschichte rund um die Pyramiden lässt sich interaktiv erforschen – in einer Multimedia-Präsentation aus alten Grabungstagebüchern, Skizzen und Fotos.

3D-Renderings ermöglichen virtuelles Bauen
Keinesfalls sollte man die digitalen Ausstellungsexponate als bloße Unterhaltungsshow betrachten. „Ganz bewusst setzen wir nicht bloß auf möglichst spektakuläre, stimmungsvolle Darstellung, sondern auf wissenschaftliche Tiefe und leicht verständliche Verknüpfung von Information“, sagt Iman Kulitz. Selbst für Ägyptologen seien die Filme und Multimedia-Aufbereitungen von großem Interesse: Objekte, die sonst tausende Kilometer von den Pyramiden entfernt in Museen stehen, kehren virtuell zum Fundort zurück, Information, die man sonst mühsam aus verschiedenen Quellen zusammensuchen müsste, ist mit einem Fingertippen verfügbar.

Die Verbindung von digitaler Architektur und Archäologie ist für Iman Kulitz durchaus naheliegend: In der Architektur entwickelt man Ideen, die im Computer dargestellt und dann gebaut werden – Kulitz geht den umgekehrten Weg, vom Bauwerk
über den Computer in die menschliche Vorstellungswelt. „In beiden Fällen arbeitet man mit etwas, das physisch gerade nicht da ist“, sagt sie. Die Architektur wäre ohne Computermethoden und 3D-Renderings längst nicht mehr denkbar. Es ist gut möglich, dass die neuen Methoden in der Archäologie bald ebenso fest verankert sein werden.

„Im Schatten der Pyramiden“
Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien, in Kooperation mit der TU Wien
22. Januar 2013 bis 20. Mai 2013

(futurezone) Erstellt am 14.01.2013, 11:00

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