Zur mobilen Ansicht wechseln »

KNOWHOW Wie CreativeCommons richtig genutzt wird.

Foto: Karin Dalziel CC BY 2.0
Es gibt mehr als das strikte Copyright. Mit Creative Commons tat sich vor über zehn Jahren ein alternatives Lizenzmodell auf. Dass es noch nicht so recht in der Masse angekommen ist, liegt auch am damit verbundenen Minenfeld.

Wer das Werk eines anderen - etwa ein Foto in einer Präsentation - benutzt, benötigt dessen Erlaubnis. So sieht es das Urheberrecht vor und das ist grundsätzlich üblich und richtig. Auf der anderen Seite steht das Modell "Public Domain". Mit solchen Werken kann jeder tun und lassen, was er will.

Zwischen CopyRight und CopyLeft entstand mit Creative Commons (CC) eine Alternative, die aus dem Wunsch nach mehr kreativen Gemeingütern (daher auch der Name) entstand. Wer ein Bild braucht, sollte auch ein solches im Netz finden und benutzen dürfen, ohne langwierige Recherchen nach dem Urheber anstellen zu müssen. Andererseits sollten all jene, die ihre Werke unter bestimmten Bedingungen für andere nutzbar machen wollen, dies möglichst einfach tun können, ohne gleich alle Rechte aufzugeben.

Creative Commons wurde 2001 maßgeblich vom Stanford-Professor Lawrence Lessig begründet und steht zwischen den beiden Polen von strikten Verboten und zügelloser Freizügigkeit. Bilder, Texte, Musik, Videos aber auch Hard- und Software, die nach CC lizenziert sind, bieten eine automatische Erlaubnis zur Verwendung. Daran gebunden sind aber Einschränkungen wie etwa, dass das Endprodukt nicht kommerziell sein darf oder dass keine weitere Bearbeitung des ursprünglichen Werks stattfinden darf.

Ob ein Inhalt unter Creative Commons lizenziert ist, sieht man auf den ersten Blick anhand eines der folgenden CC-Logos.

Creative Commons Icons und Logos
Foto: GH

Diese Logos geben nicht nur Aufschluss darüber, dass ein Werk prinzipiell zur Nutzung bereitsteht, sondern zeigen auch, unter welchen Bedingungen dies möglich ist. Selbst wenn all diese Bedingungen teilweise kombinierbar sind, ist das nur auf den ersten Blick kompliziert. Hier die Bedeutung der einzelnen Lizenzteile:

BY (Attribution, Namensnennung) steht für das Grundprinzip von Creative Commons, dass der Urheber immer genannt werden muss.

NC (Non Commercial, nicht kommerziell) wird manchmal mit einem Dollar- dann wieder mit einem Euro- oder Yen-Zeichen symbolisiert. Es signalisiert, dass der Urheber die kommerzielle Nutzung ausschließt. Oft ist strittig, ob es sich um eine nicht-kommerzielle Nutzung handelt - etwa wenn sich auf einem privaten Blog Google Ads oder Ammazon-Affliate-Links finden. Im Zweifel sollte man solche Werke nicht verwenden. In der kommenden Lizenzversion 4.0 soll dies klarer geregelt werden.

SA (Share Alike, Weitergabe) bestimmt, dass das neue Werk unter gleichen Bedingungen weitergegeben werden muss wie das ursprüngliche Werk.

ND (Non Derivative, keine Bearbeitung) ist die strenge Einschränkung, dass das Werk in keinster Weise verändert werden darf. So ist es nicht erlaubt, das Bild zu beschneiden oder auch nur einen Ausschnitt des Songs zu verwenden.

Einzelne Lizenzbausteine schließen einander aus. So kann man kein Werk mit dem Verbot der Bearbeitung (ND) und gleichzeitig der Auflage zur Weitergabe für die weitere Bearbeitung (SA) lizenzieren. Daher gibt es aktuell nur sechs Lizenzvarianten:

BY: Namensnennung

BY-NC: Namensnennung, nicht kommerziell

BY-SA: Namensnennung, Weitergabe unter gleichen Bedingungen

BY-ND: Namensnennung, keine Bearbeitung

BY-NC-ND: Namensnennung, nicht kommerziell, keine Bearbeitung

BY-NC-SA: Namensnennung, nicht kommerziell und Weitergabe unter gleichen Bedingungen

Warum sich die Beschäftigung mit dem scheinbar komplizierten Lizenzmodell dennoch lohnt? Weil unglaublich viele Inhalte nur darauf warten, kostenlos verwendet zu werden. Eine Reihe von Websites hat Creative Commons mit in sein Angebot aufgenommen.

Alleine bei der Fotowebsite Flickr, die dabei als Pionier galt, gibt es aktuell mehr als 260 Millionen Fotos, die mit der einen oder anderen CC-Lizenz verfügbar und über die erweiterte Suche auffindbar sind. Freilich: Die Qualität ist nicht immer auf dem Niveau von Stockfoto-Websites. Aber dafür gibt es dort vieles überhaupt nicht und wer schon vorsortierte CC-Fotos von Flickr möchte, besucht Flickr Storm.

Flickr Storm
Foto: GH

Eine weitere enorme, nach CC lizenzierte, Quelle ist Wikipedia, die noch dazu eine sehr liberale Lizenz (BY-SA) als Standard gewählt hat. Neben dem Lexikon betreibt die Wikimedia Foundation mit Wikimedia Commons einen wahren Fundus an Fotos sowie Audio- und Videodateien, die zur leichteren Auffindbarkeit nicht nur durchsuchbar, sondern auch noch kategorisiert sind.

Bei YouTube hat man die Wahl zwischen der Standard-Lizenz und der liberalsten CC-Lizenz (BY). Auch Vimeo bietet die Möglichkeit der CC-Lizenzierung. Bei Jamendo und Soundcloud gibt es freie Musik. Europas Online-Lexikon Europeana bietet ebenso wie Google Images die Suche nach freie Dateien an. All diese und noch weitere Angebote können gesammelt unter search.creativecommons.org durchsucht werden.

Vielfach hört man, dass auf CC-Inhalte verzichtet wird, weil es an Rechtssicherheit fehlt. Jemand könnte ein Foto von einem Profi-Fotografen auf Flickr hochladen, es als seines ausgeben und mit einer CC-Lizenz versehen. "Stimmt," meint Joachim Losehand von Creative Commons Österreich, "aber 100 prozentigen Verlass gibt es im Urheberrecht ohnehin nie. Auch nicht bei striktem Copyright."

Wer häufig auf CC-Inhalte zurückgreift, tut gut daran, dies zu dokumentieren. Ich favorisiere alle verwendeten CC-Bilder. Idealerweise fertigt man noch einen Screenshot an, um später die exakte Lizenz belegen zu können.

Flower von Flower's Lover CC BY 2.0
Foto: Flower's Lover CC BY 2.0

Apropos Lizenzen. Es wäre doch denkbar, dass jemand erst eine sehr liberale CC-Lizenz wählt und dann diese restriktiver macht. Noch einmal Losehand: "Ja, das ist denkbar, aber nicht erlaubt. Man darf eine gewählte CC-Regel nicht restriktiver machen."

Also: Lockerer machen lässt sich eine Lizenz schon, allerdings nicht strenger. Dies soll all jenen Rechtssicherheit geben, die Werke verwenden. Der Schöpfer kann die Werke zwar wieder vom Netz nehmen. Was aber schon heruntergeladen wurde, ist verwendbar - von jedem und für immer.

Nur weil Creative Commons draufsteht, ist das noch lange kein Selbstbedienungsladen. Bei jeder Verwendung eines CC-Inhalts müssen sowohl Autor als auch Lizenzbedingungen genannt werden. Darin unterscheidet sich CC nicht vom Copyright, wenngleich hier selbst Medienprofis Schindluder treiben. "Fotolia" oder "YouTube" reichen ebenso wenig aus wie "Internet", "KK" oder gar nichts.

Austria von Chrstinamari CC BY 2.0
Foto: Chrstinamari CC BY 2.0

Bei Creative Commons gibt es gleich mehrere Dinge anzuführen. Es reicht nämlich nicht, den Autor eines Werks zu nennen, man muss auch die exakte Lizenz angeben und so es der Platz erlaubt, sollte auch der Titel des Werks erwähnt werden.

Dies hat den Zweck, dass sich CC-Werke und damit auch Creative Commons selbst schneller verbreiten. Der Endnutzer (Leser, Zuhörer oder Zuseher) soll wissen, dass er dieses Werk auch nutzen darf und zu welchen Bedingungen dies gestattet ist. Damit dies erfüllt ist, sollte sowohl die Quelle als auch die Lizenz verlinkt sein.

Den Name des Urhebers sollte man mit Sorgfalt recherchieren, denn oft stimmt etwa der mit Profilname auf Flickr nicht mit dem realen Namen überein. Zudem sollte man überprüfen, ob im Profil des Nutzers etwas über die Namensnennung steht. CC-Lizenzgeber können nämlich Wünsche äußern - etwa, dass der Link zurück auf den privaten Blog zeigen soll.

Als jemand, der seine Fotos selbst unter CC veröffentlicht, nutze ich seit Jahren auch in diversen Medien, für die ich arbeite, immer wieder CC-Bildmaterial. Allerdings machte auch ich dabei immer wieder Fehler. Die Lizenzbestimmungen sagen klar aus, dass auch auch in Print die Lizenz immer angeführt werden muss.

Austria von Chrstinamari CC BY 2.0
Foto: Chrstinamari CC BY 2.0

In diesem Fall - ein Foto von Flickr - wurde keine österreichische CC-Lizenz gewählt, sondern eine "unportierte", die universell gilt. Handelte es sich um eine österreichische CC-Linzenz, müsste noch das AT vor die Versionsnummer: CC BY AT 2.0

Links sind in Print ebenso schwer zu setzen wie in Präsentation, Videos oder Podcasts. In Fällen, wo Links absolut unpassend sind oder technisch gar nicht machbar, können diese entfallen.

Die Autorin oder der Autor sollten - so dies möglich ist - unmittelbar neben dem Werk genannt werden. Dies kann aber auch am Ende der Seite oder in einer Fußnote passieren. Es sollte auf jeden Fall immer Sorge getragen werden, dass jeder sieht, wer der Urheber ist und wie ein Dritter auch zum Werk kommt.

Bei Videos oder Audio-Podcasts ist dies verständlicherweise schwieriger. Hier kann entweder der Abspann herhalten oder man führt den oder die Urheber auf einer begleitenden Website oder im YouTube-Infotext auf und verlinkt zu ihnen. Bei Büchern kann der Bildnachweis auch am Ende (des Kapitels) stehen.

Benutzt jemand unerlaubterweise oder falsch ein dem Copyright unterliegendes Werk, kann der Schöpfer Schadenersatz fordern. Bei CreativeCommons ist das nicht anders. Wer falsch oder gar nicht kennzeichnet, kann schnell ein paar Hundert oder Tausend Euro auf den Tisch legen.

Vor allem bei Fotos gilt aber: Mit dem Kauf oder der Lizenzierung ist es nicht getan. Man muss auch noch prüfen, ob man das Bild überhaupt veröffentlichen darf. Das Recht am eigenen Bild hat mit Copyright oder Creative Commons nichts zu tun. Zwar sind hier Stockfoto-Agenturen im Vorteil, weil sie von ihren Fotografen sogenannte "Model Releases" verlangen, doch auch für Fotos von Flickr & Co. muss dies kein Showstopper sein.

"Fotos von Menschenmengen oder Personen, die offensichtlich posieren sind tendenziell erlaubt. Dies gilt insbesonders, wenn der Urheber und Veröffentlicher selbst am Foto ist (Selbstauslöser).

La primera camiseta de Creative Commons Colombia von Colores Mari CC BY 2.0
Foto: Colores Mari CC BY 2.0

Creative Commons ist eine gute Sache. Ich veröffentliche all meine Fotos auf Flickr sowie all meine Blogs (georgholzer.at, k2020.at und pingeb.org) unter CC - teilweise unter der liberalsten BY-Lizenz.

Auch meine Bilder wurden schon gestohlen. Auch meine Texte wurden von Medien in ganz Österreich übernommen - ungefragt und ohne mich als Quelle zu nennen. Das ärgert mich manchmal, aber es hält mich nicht davon ab, weiter unter CC zu veröffentlichen.

Ich profitiere vielfach davon. Ohne CC-Fotos wären meine Präsentationen kaum finanzierbar. Geben und nehmen. Davon lebt nicht nur Creative Commons, sondern auch unsere Kultur.

Dass viele nicht einmal etwas von CC wissen, liegt daran, dass das Thema immer noch ein wenig in der Nerd-Ecke beheimatet ist. Es gibt nur ganz wenige deutschsprachige Sites, wo man sich informieren könnte.

Bildnachweise (von oben nach unten):
Creative Commons von Karin Dalziel CC BY 2.0
Flower von Flower`s Lover CC BY 2.0
Austria von Chrstinamari CC BY 2.0
La primera camiseta de Creative Commons Colombia von Colores Mari CC BY 2.0

Erlaubnisse und Einschränkungen

Über 260 Millionen Fotos und mehr: Wo man Werke findet

Rechtssicherheit erwünscht

Lizenzänderungen nur zu Gunsten der Nutzer

Wie man CC-Werke richtig kennzeichnet

Auch in Print muss die Lizenz dazu

Wohin mit dem Urheberhinweis?

Teure Folgen bei Schlamperei

Zum Schluss ein Wunsch: mehr davon!

(futurezone) Erstellt am 09.08.2013, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!