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Österreich Wie Netzsperren umgangen werden können.

Sperren sind im Netz weit weniger effektiv als im Straßenverkehr
Sperren sind im Netz weit weniger effektiv als im Straßenverkehr - Foto: Fotolia/Peter Vogel
Welche Netzsperren österreichische Provider implementieren werden, ist derzeit noch unklar. Umgangen werden können sie aber auf jeden Fall.

Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs (OGH), das Netzsperren im Fall von Urheberrechtsverletzungen für rechtmäßig erklärte, sind die ersten Aufforderungschreiben bei heimischen Providern bereits eingegangen. Prinzipiell haben die heimischen Internet-Anbieter zwei Möglichkeiten. Sie können entweder die Einträge der betroffenen Seiten aus den Domain-Name-Servern (DNS) löschen, oder den Zugang zu den entsprechenden IP-Adressen direkt sperren. Nach dem Wunsch der Rechteinhaber soll am besten beides geschehen: "Nach dem derzeitigen Stand der Technik schlagen unsere Mandanten vor, dass Ihr Unternehmen eine kombinierte Sperrung auf DNS- und IP-Ebene vornimmt", heißt es in dem Schreiben, das den Providern zugestellt wurde.

Egal für welche Variante sich die Internetanbieter entscheiden, die Maßnahmen sind im Endeffekt zahnlos. Es gibt für aufmüpfige Nutzer verschiedene Möglichkeiten, Sperren zu umgehen. Die futurezone gibt eine kurze Anleitung, wie die einfachsten Methoden funktionieren. Interessant ist das Umgehen der erwarteten Sperren vor allem im Falle der Torrent-Suchmaschine The Pirate Bay. Über die Suchmaschine lassen sich viele vollkommen legale Inhalte, wie Open-Source-Software und freie Filme oder Musik herunterladen.

DNS-Sperren

Ein Domain-Name-Server verknüpft - vereinfacht gesagt - die URL (Uniform Reource Locator) einer Seite (also zum Beispiel "futurezone.at") mit ihrer eindeutige Identifikationsnummer, der IP-Adresse (diese bestehen aus Zahlenkombinationen nach dem Muster 192.232.190.70, die Abkürzung IP steht für Internet Protocol). Das Domain-Name-System sorgt also dafür, dass Internetnutzer nicht ständig komplizierte Kombinationen aus Zahlen in die Adressleiste eingeben müssen, sondern die gewohnten, leicht zu merkenden URLs verwenden können. Die meisten Internetnutzer verwenden deshalb einen DNS-Server, der eine Liste bereitstellt, die eine Verknüpfung von IP-Adressen mit URLs ermöglicht.

Hier setzt auch die einfachstre Art der Internetsperren an. Indem die Einträge der gewünschten Webseiten aus den DNS-Servern, die von den Internetprovidern standardmäßig genutzt werden, gelöscht werden, ist eine Seite wie thepiratebay.se über ihre URL nicht mehr aufrufbar. Wird stattdessen die IP-Adresse (in diesem Fall 194.71.107.27) direkt in die Adressleiste eines Browsers eingegeben, ist das Angebot aber weiterhin erreichbar, sofern es sich nicht um einen virtuellen Server handelt. Es wird nämlich lediglich die Verknüpfung zwischen URL und IP gekappt.

Server wechseln

Wer zu faul ist, die IP-Adressen gesperrter Angebote ausfindig zu machen, kann auch einfach einen alternativen DNS-Server verwenden, um weiterhin auch über die URL zum Ziel zu kommen. Diese gibt es zuhauf. Dazu muss einfach in den Netzwerkeinstellungen des Betriebssystems ein alternativer DNS-Server gewählt werden. Bei Windows 7 funktioniert das, indem in der Systemsteuerung das Netzwerk- und Freigabecenter geöffnet wird. Dort kann in der linken Navigationsspalte die Option “Adaptereinstellungen ändern” gewählt werden. Ein weiterer Doppelklick auf die verwendete Verbindung (in unserem Beispiel ist es LAN) öffnet ein Statusfenster. Hier muss auf Eigenschaften geklickt werden. Im Eigenschafts-Fenster wird das Internetprotokoll Version 4 (TCP/IPv4) durch einfaches Klicken angewählt. Dann einfach unten auf die Schaltfläche “Eigenschaften” klicken.

Im jetzt erscheinenden Fenster kann manuell ein DNS-Server ausgewählt werden. Eine beliebte Alternative sind zum Beispiel Googles DNS-Server, die unter den Adressen 8.8.8.8 und 8.8.4.4. Im Konfigurationsfenster einfach die Option “Folgende DNS-Serveradressen verwenden” wählen und die gewünschten neuen DNS-Server eintragen. Wer sich nicht an Google binden will findet mit einer Suche im Netz unzählige weitere freie DNS-Server. Das kann auch hilfreich sein, wenn die Google-Server irgendwann ebenfalls geblockt werden sollten. Wer bereits IPv6 verwendet, muss die letzten Schritte auch für dieses Protokoll durchführen. Wer unsicher ist, was IPv6 bedeutet, sollte das auch tun.

Bei anderen Windows-Versionen funktioniert das Wechseln des DNS-Servers sehr ähnlich, auch bei OS X und diversen Linux-Distributionen ist der Weg über die Netzwerkeinstellungen leicht zu finden. Bei mobilen Geräten mit Android kann die App DNSet weiterhelfen, wenn keine Root-Rechte vorhanden sind. Bei iOS kann der DNS-Server für WLAN-Verbindungen über die Einstellungen zum jeweiligen Netzwerk geändert werden, für Mobilfunkverbindungen geht das nicht.

Alternative Domains

Beliebte Seiten wie The Pirate Bay sind oft über mehr als eine URL und IP-Adresse erreichbar. Die entsprechenden Seiten werden von Fans und Aktivisten einfach geklont und unter weiteren Adressen bereitgestellt. Im Falle der Pirate Bay liefert etwa proxybay.info eine Liste mit verfügbaren Alternativen. Es wäre selbstverständlich möglich, auch die Alias-Adressen zu sperren, bei den österreichischen Providern ist dereit aber nur der Antrag auf Sperrung einer einzigen Pirate Bay IP eingegangen, nämlich jener der Haupt-URL thepiratebay.se. Die anderen Adressen auf der Liste führen nach wie vor auf die Torrent-Suchmaschine. Auch für die anderen in Österreich betroffenen Angebote wird nur jeweils eine IP-Adresse angeführt.

IP-Sperren

Etwas schwieriger wird es, wenn die Provider neben den DNS-Sperren auch den direkten Zugriff auf die entsprechenden IP-Adressen verhindern. Alternative Adressen können auch hier helfen, aber auch diese können nach und nach gesperrt werden. Um sich diesem Katz und Maus-Spiel zu entziehen, können Nutzer auf Angebote zurückgreifen, die den Zugriff auf die betroffenen Seiten über Umwege erlauben. Mit einem VPN-Zugang (Virtual Private Network) oder dem Anonymisierungsdienst TOR können IP-Sperren problemlos umschifft werden. Zwar können auch die Server, über die TOR und VPNs den Verkehr umleiten, gesperrt werden, diese lassen sich allerdings schnell ändern.

Die nötige Software und eine Installationsanleitung für TOR gibt es unter torproject.org herunterzuladen. Informationen in deutscher Sprache gibt es sowohl bei Google als auch bei YouTube. Nach der Installation macht die Nutzung des TOR-Browsers IP-Sperren irrelevant. Die Nutzung eines VPN-Anbieters, der den Datenverkehr ebenfalls über Server im Ausland leiten kann, hat den selben Effekt. Hier gibt es sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Angebote. Eine Suche im Netz führt hier schnell zu Ergebnissen.

Die IP-Adressen, die nach den Wünschen der Rechteinhaber in Österreich gesperrt werden sollen, sind kinox.to (derzeit IP Adresse 91.202.61.170), thepiratebay.se (derzeit IP-Adresse 194.71.107.27) und movie4k.to (derzeit IP-Adresse 91.202.63.160).

(futurezone) Erstellt am 30.07.2014, 13:54

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