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Exotisch Wie Profis perfekte Reise-Fotos schießen.

Foto: Peter Giovannini
Eines der Leitthemen der Messe Photo+Adventure, die am 5. und 6.11. im Wiener Messegelände stattfindet, ist Reisen und Fotografie. Zwei Gebiete, die eng miteinander zusammenhängen. Im Gespräch mit der futurezone verraten die zwei professionellen Reise-Fotografen Peter Giovannini und Christian Handl sowie der Chefredakteur des Reisemagazins Land der Berge, Klaus Haselböck, was man für gute Aufnahmen beachten muss und welche Ausrüstung zwingend ins Gepäck muss.

Wer eine Reise macht, hat viel zu erzählen. Das Sprichwort kann seit dem Siegeszug der Digitalfotografie auch auf „… hat viel zu zeigen“ abgewandelt werden. Nahezu jeder hat eine digitale Kamera, sei es in Form eines Handys, einer Kompakten oder eines Spiegelreflex-Modells. Damit ist die Quantität der Fotos dramatisch gestiegen.Was gleich geblieben ist, ist die Qualität der Aufnahmen. Der Großteil unterscheidet sich kaum, ein Bild ähnelt dem anderen.

„Es kommt nicht auf die Kamera an, sondern auf die Idee“, sagt Peter Giovannini. Was nach einer Binsenweisheit klingt, hat nach wie vor Bedeutung. „Wenn ich auf Reisen bin, sehe ich, wie Prospekt-Motive oft von der gleichen, meist auch schönen Position abgelichtet werden. Das besondere Bild entsteht aber nur, wer den Schritt zur Seite wagt und einen eigenen Blickwinkel findet“, sagt der Profi-Fotograf (www.aufunddavon.at), der unter anderem für Getty und Mauritius arbeitet. Frosch- und Vogelperspektive erregen einfach mehr Aufmerksamkeit als ein Bild aus normaler Augenhöhe. Nur machen das Giovannini zufolge die wenigsten.  Der Routinier kritisiert, dass die meisten Hobby-Fotografen einfach nur abdrücken und sich zum Bild kaum Gedanken machen.

Peter Giovannini
Foto: Peter Giovannini

Zu dem gleichen Schluss kommt auch Klaus Haselböck, Chefredakteur des Reisemagazins Lande der Berge. Wer heute noch auffallen und punkten will, muss sich etwas Ausgefallenes überlegen. Vor allem, wenn man das Hobby zum Beruf machen will oder zumindest einige der Bilder verkaufen will. „Alles wichtige ist bereits fotografiert und dokumentiert“, so Haselböck. Hinzu kommt, dass sich seit dem Digitalisierungsschub die Ausrüstung von Amateuren und Profis stark angenähert hat. Die Werkzeuge unterscheiden sich kaum mehr, viele schwierige Motive sind nun für ambitionierte Hobbyfotografen machbar. Bevor man also loslegt, sollte man sich unbedingt einen einzigartigen oder neuen Zugang überlegen. Wer Fotos tatsächlich verkaufen will, muss vorher unbedingt abklären, was gefragt ist.

Vorbereitung und Neugier
Gute Vorbreitung auf das Reiseabenteuer ist nicht minder wichtig. Wenn man  vorher weiß, was man will,   fällt es leichter, wenn man  Pläne vor Ort ändern muss. Für gute Aufnahmen sind zudem Offenheit und Neugier unabdinglich. Nur wer mit Einheimischen redet, bekommt ein Gespür für die Umgebung. Außerdem erhält man Informationen, die in keinem Buch stehen.“ Mit diesen Regeln lassen sich Giovannini zufolge überall auf der Welt tolle Motive finden. Mit der richtigen persönlichen Einstellung finde man die spannendsten Motive. „Ich gehe  nicht fotografieren, ich gehe erleben. Daraus ergeben sich Geschichten und Bilder“, so der Reise-Fotograf.

Peter Giovannini
Foto: Peter Giovannini

Laut Haselböck, der für sein Magazin konstant Aufnahmen und Fotografen sucht, sollten die Geschichten übrigens nicht nur in Foto-Form, sondern auch schriftlich festgehalten werden. Wenn man nach der Rückkehr seine Werke anbietet, haben Allrounder immer die besseren Karten. Vor allem wenn man entlegene Regionen bereits, ist es Pflicht, einen Artikel mitzuliefern. Übung im Texten hat zudem auch Vorteile, wenn man Bücher und Vorträge macht – zwei Aspekte, die aus dem Profi-Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Will man es ernsthaft als Reisefotograf versuchen, rät er schließlich, sich am Anfang auf eine Region zu spezialisieren und sich einen Ruf aufzubauen.

Denkpause und Motivanalyse
Damit man besondere Ergebnisse erzielt, rät Giovannini vor den Aufnahmen zu einer Verschnaufpause. Was wirkt an der Komposition spannend, wenn das Bild später betrachtet wird? „Wenn man sein Publikum versteht, macht man bessere Fotos“, sagt Giovannini. Der Stativgebrauch etwa kann für exakt diese Denkpause genutzt werden. Während man es aufbaut, kann man das Motiv analysieren und sich dessen Aussage überlegen.

Überhaupt sollte sich jeder Fotograf zumindest rudimentär wissen, was technisch machbar ist. Die korrekte Einschätzung von Richtung, Stärke und Farbe des Lichts verhilft zur gewünschten Bildstimmung und manchmal zum Eingeständnis, dass eine Bildidee nicht umsetzbar ist.

Tipps zur Ausstattung
Punkto Ausstattung und Technik teilt Giovannini größtenteils die Meinung seines Kollegen Christian Handl, einer von Österreichs bekanntesten Reisefotografen. Letzterer hält auf der Photo+Adventure zwei Vorträge zu nützlichem Zubehör und Ausrüstung. Sein wichtigster Hinweis an Fotografen: „Jedes Gramm spielt eine Rolle.“ Daher sollte man sich immer genau überlegen, was man einpackt. Eine Geldbörse mit vielen Plastikkarten, Visitkarten und Münzen kann schnell über 250 Gramm wiegen. Ein Brocken, an den man gar nicht denkt. Die beiden Fotografen haben folgende Tipps für Foto-Abenteurer parat:

Peter Giovannini
Foto: Peter Giovannini

Objektive: Handl empfiehlt für Reisen zwei Objektive: Ein Allrounder mit etwa 24-120mm und ein kleines, leichtes mit Fixbrennweite (etwa 35mm) und einer hohen Lichtempfindlichkeit. Damit kann man auch drinnen gut fotografieren. Anstatt eines zweiten Bodys bietet sich eine Zweitkamera, wie etwa eine Nikon P7100 oder Canon G12 an. Die Kompaktkamera eignet sich gut, um schnell Bilder aufzunehmen. Sie bietet viele Einstellungsmöglichkeiten und ist leicht.

Stativ: Wenn man in sonnenreichen Regionen wie Australien unterwegs ist, kann man mitunter auf ein Stativ verzichten. Sonst ist eines trotz hohem möglichen ISO-Wert bei Kameras weiterhin wichtig. Handl empfiehlt leichte Modelle, etwa aus Carbon. Um weiter Gewicht zu sparen, rät er Bastlern die Mittelsäule zu entfernen. Damit das Stativ bei Wind stabil bleibt, kann man dann einfach den Rücksack daran befestigen. Sonst gibt er noch zu bedenken, dass der Kugelkopf immer das schwächste Glied beim Stativ ist. Dieser muss bei großer DSLR-Ausrüstung 20 Kilo aushalten. Wenn der Platz besonders knapp wird, bietet sich ein Gorilla Pod mit Kugelkopf an. Bei der Nutzung eines Stativs gibt es einen wichtigen Tipp: Es kommt immer zu einem Spiegelrückschlag, weshalb es bei langer Belichtung zu Unschärfen kommt. Man muss daher  in der Kamera die Spiegelvorauslöse nutzen.

Blitz: Eingebaute Blitze sind durchaus ausreichend. Mit einem vorgespannten Papier oder einer matten Folie kann man das Licht streuen. Nachts soll man nur einen Aufhellblitz verwenden, da sonst die Atmosphäre zerstört wird. Blitzen sollte man nur untertags zum Aufhellen.

Tasche: Vor dem Kauf sollte man Tasche oder Rucksacke immer probieren. Grundsätzlich gilt: Je besser es gebaut und geplostert ist, desto schwerer wird es. Für eine kleine Ausrüstung und kurze Trips reicht ein kleiner Rucksack. Bei DSLRs sollte es hingegen etwas Robusteres sein. Ein Laptop-Fach mag übrigens verlockend sein, aber: Jede Zusatztasche und Polsterung bedeutet mehr Gewicht. Eine Tasche muss nicht immer alles verstauen können, meint Handl.

Peter Giovannini
Foto: Peter Giovannini

Strom: Solar ist interessant, aber laut Handl noch zu heikel. Faltbare Panele sind teuer und schwer, kommen schnell auf 400 Euro. Zudem braucht man viel Fläche für das Laden von Akkus und ist extrem wetterabhängig. Bei Sonne kann man 5 Watt erzielen, bei Wolken sind es dann plötzlich nur 0,5 Watt. Aufgrund dieser Schwankungen ist ein Puffer-Akku Pflicht. Ingesamt ist man daher günstiger und leichter unterwegs, wenn man sich stattdessen drei Zusatzakkus kauft. Wer mit Auto unterwegs ist, sollte in ein Lädegerät für 12 Volt investieren. Bei Systemkameras gibt er zu bedenken: Da der Sucher elektronisch ist, gehen sich mit einer Akkuladen nur 300 Bilder aus, bei einer DSLR schafft man 1000 Bilder. Um Energie zu sparen sollte man die Helligkeit des Displays reduzieren.

Hilfsmittel: Um Verwackler zu vermeiden, ist ein Infrarot- oder elektrischer Auslöser Pflicht. Mittlerweile gibt es auch Bluetooth-Module für Kameras, mittels derer man über das Handy die Kamera Cam fernsteuern kann. Punkto Smartphones empfiehlt Handl auch einige Apps: Mit „The Photographer’s Ephemeris“ kann man etwa  nachsehen,  wann und wo die Sonne/der Mond steht. Des weiteren sind Bedienungsanleitungen als App durchaus hilfreich.

Speicherung: Wer keinen Computer transportieren will, kann Image Tanks verwenden. Alternativ kann man über Zubehör wie etwa „AirStash“ den Handy-Speicher als Lagerort verwenden. Sonst rät er zu Netbooks und externen Festplatten. Löschen sollte man unterwegs nichts. Fotos können unterschiedlich verwendet werden, etwa für  Agenturen oder Vorträge. Eine Agentur will ein Foto, das eine Aussage hat. Bei Vorträgen sind hingegen Serien oder reportagenhafte Bilder gefragt.

Kleidung: „Nicht darf nicht nur auf die Kamera achten, sondern muss auch an seinen Körper denken“. Daher sollte man bei der Kleidung nicht sparen. Es gilt: Je besser die Qualität, desto leichter. Er rät zum Zwiebelprinzip und zu Stoffen, die schnell trocknen.

Die Foto-Messe:
Am 5. und 6. November findet im Messezentrum in Wien die Messe Photo+Adventure statt. Neben neue Produkten aus den Bereichen Fotografie und Outdoor werden kostenlose Vorträge sowie kostenpflichtige Workshops angeboten. Die Messe hat Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

(futurezone) Erstellt am 02.11.2011, 06:00
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