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Hilfe Wie Technik das Leben im Alter verbessern soll.

Foto: TU Wien
Der demografische Wandel – in Europa soll im Jahr 2060 jeder Dritte älter als 65 Jahre alt sein – sorgt dafür, dass fieberhaft nach technischen Lösungen gesucht wird, die ein langes selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen. Vom Notruf-Armband über Sensoren, die bei Stürzen Alarm schlagen, bis hin zu kompletten Smart-Home-Lösungen – der Bereich Ambient Assisted Living trägt erste Früchte, kämpft aber noch mit einigen Hürden.

Unter dem Begriff  Ambient Assisted Living (AAL – auf Deutsch: umgebungsunterstütztes Leben) werden Konzepte, technische Lösungen, Produkte und Dienstleistungen zusammengefasst, die das alltägliche Leben älterer Menschen unterstützen. Dazu gehören etwa Alarmsysteme bei Stürzen, eine automatische Abschaltung des Herdes oder des Bügeleisens beim Verlassen des Hauses, Schutz gegen Einbrüche, Beleuchtungssteuerungen oder intuitive Kommunikationslösungen.

Schlaues Zuhause
„In Österreich konnte AAL in den vergangenen Jahren schon relativ gut Fuß fassen. eHome, der Versuch, ein Smart Home speziell für die Bedürfnisse der älteren Generation zu entwickeln, war das erste große nationale Projekt auf diesem Gebiet", erklärt Wolfgang Zagler vom Zentrum für Angewandte Assistierende Technologien (AAT) der TU Wien im Gespräch mit der futurezone. Zurzeit gibt es laut Zagler in Österreich knapp 100 AAL-nahe Produkte oder Projekte, ein gemeinsamer Nenner zwischen Forschungseinrichtungen und der Industrie soll über ein für die kommenden Jahre angedachtes AAL-Kompetenzzentrum gefunden werden.

Schwierigkeiten
Während viele entsprechende Entwicklungen vorangetrieben werden, Testreihen laufen und eine Reihe von Prototypen existiert, ist der Markteintritt für AAL-Produkte eine aktuell noch schwer zu bewältigende Hürde. Dass – mit Ausnahme des Notruf-Armbands – bisher kaum eine AAL-Lösung den Durchbruch geschafft hat, liegt Zagler zufolge nicht zuletzt an der mangelnden Finanzierung. Die im April 2012 gegründete Plattform AAL Austria soll dem Thema in Österreich eine gewisse Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit verschaffen, die wichtigsten Player am Markt vernetzen und Standards setzen. Ähnlichen Zielen hat sich auch eine bereits Ende 2010 von der Wiener Industriellenvereinigung gegründete Arbeitsgruppe verschrieben, in der neben der TU Wien und dem Austrian Institute for Technology (AIT) auch Philips, Bosch, IBM und die Telekom vertreten sind.

Lichtsysteme
Im Rahmen seiner Homecare-Aktivitäten hat Philips in Lösungen für den Bereich Ambient Assisted Living ein Zukunftsfeld erkannt und will künftig einige solcher Technologien wie Monitoring- oder Lichtsysteme anbieten. So könnten Lichtleisten in der Nacht den Weg zum WC weisen. Beteiligt ist Philips, wie das AIT, auch am von der EU geförderten Projekt iStoppFalls, das ältere Menschen unter anderem über häusliche Sensor-Technologien bei der Sturz-Prävention unterstützen soll.

Datenschutzproblematik
Nicht von der Hand zu weisen sind allerdings Vorbehalte in der Bevölkerung gegen ein Monitoring in den eigenen vier Wänden. Die Themen Datenschutz und Privatsphäre sind Zagler ein wichtiges Anliegen: „Wir wollen ein Mehr an Lebensqualität erreichen, der Erhalt der Menschenwürde ist dabei unser oberstes Ziel". Ein mögliches AAL-Kompetenzzentrum müsse daher die Aufgabe übernehmen, einen Wertekodex aufzustellen. "Die Intelligenz, die die erhobenen Daten auswertet, sollte sich vor Ort befinden und nur dann nach außen Alarm schlagen, wenn ein wirklicher Grund dafür vorliegt."

Seniorentauglichkeit
Bei der Implementierung von AAL-Lösungen gehe es aber nicht nur darum, die IKT-Forschung voranzutreiben, auch ein Dialog mit der Bauwirtschaft müsse stattfinden. Bei seniorentauglichen Neubauten sollte künftig verstärkt auf Seniorentauglichkeit geachtet werden. AAL könnte dabei die Brücke zwischen Wohnbau und Pflege darstellen, der vonseiten der Politik diskutierte „Senioren-Scheck" für mehr barrierefreie Wohnungen als wichtiger Anreiz dienen, so Zagler.

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(futurezone/Jörn Brien) Erstellt am 03.07.2013, 06:00

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