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Straßenverkehr "Wir bringen Elektromobilität vom Labor auf die Straße".

Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds
Theresia Vogel, Geschäftsführerin des Klima- und Energiefonds - Foto: Andreas Scheiblecker/Klima- und Energiefonds
Klima- und Energiefonds-Chefin Theresia Vogel im Interview über die Weiterentwicklung der E-Mobilität, Ideen für mehr Förderung und den Innovationsgeist von Start-ups.

Der 2007 gegründete Klima- und Energiefonds widmet sich dem Vorantreiben von Technologien zur nachhaltigen Energiegewinnung und zur Vermeidung von Schadstoff-Emissionen. Theresia Vogel ist seit 2010 eine der beiden Geschäftsführerinnen der Förderstelle. Wir sprachen mit ihr über eines der Kernthemen ihrer Institution, die Elektromobilität.

Wie ist der Status Quo im Bereich E-Mobility in Österreich?
Theresia Vogel: Ende 2015 waren rund 5.000 Elektro-PKW in Österreich unterwegs. Zusätzlich setzt auch der öffentliche Verkehr immer mehr auf E-Mobilität, zum Beispiel mit E-Bus-Linien. Der Ausbau von Elektromobilität trägt dazu bei, das Verkehrssystem klimafreundlicher zu gestalten – und das ohne Komfortverlust für die NutzerInnen. Die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass der Elektromobilitäts-Anteil stetig wächst. Damit sich strukturverändernde Konzepte auch langfristig durchsetzen, setzen wir Anreize und fördern innovative, vielversprechende Technologieentwicklungen.

Wie fördert der Klima- und Energiefonds diese Entwicklung?
Elektromobilität ist eines unserer Kernthemen und beschäftigt uns seit Gründungszeiten. Seit 2009 unterstützen wir mit dem Förderprogramm Leuchttürme der Elektromobilität ganz gezielt E-Mobility-Projekte, die zu einem effizienteren und klimafreundlicheren  Verkehrssystem beitragen. Dabei geht es vor allem darum, Technologien zu fördern, die den NutzerInnen einen tatsächlichen Mehrwert bringen. Bei E-Autos haben wir nach wie vor ein typisches Henne-Ei-Problem: Zu wenige E-Cars, um die Ladeinfrastruktur auszubauen, und zu wenig Lademöglichkeiten, um den Verkauf von E-Mobilen voranzutreiben. Das wollen wir lösen.

Unter anderem haben wir die Entwicklung und Erprobung eines Schnell-Ladekorridors, der von München bis nach Bratislava reicht, unterstützt. In diesem Korridor werden E-Mobile innerhalb kurzer Zeit komplett aufgeladen. Solche grenzüberschreitenden Projekte sind wichtig, um Elektromobilität alltagstauglich und für viele Menschen zugänglich zu machen. Ein anderes Beispiel sind die sieben Modellregionen der Elektromobilität, in denen unterschiedliche Konzepte österreichweit getestet werden. Die Erkenntnisse aus diesen Regionen fließen wieder in die Forschung ein.

Welches Ihrer Leuchtturmprojekte hat besonderes Potenzial, den Schritt in das Alltagsleben der Menschen zu schaffen?
Eine besondere Erfolgsgeschichte hat zum Beispiel das Leuchtturm-Projekt Smile (die futurezone hat bereits darüber berichtet). Diese Online-Mobilitätsplattform vereint Info, Buchung, Bezahlung, Nutzung und Abrechnung und ist mittlerweile zu einem internationalen Vorzeigeprojekt geworden. Das Erfolgsgeheimnis liegt in der Benutzerfreundlichkeit: Die Plattform berücksichtigt unterschiedlichste Mobilitätsangebote, ist einfach zu bedienen und deshalb sehr alltagstauglich. Die Nutzung von E-Mobilen darf nicht umständlich sein. Wenn ich von A nach B kommen möchte, will ich mir keine Gedanken machen müssen, sondern schnell und kostengünstig unterwegs sein. E-Mobilitäts-Konzepte, die das umsetzen, sind die Zukunft.

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Smile soll die multimodale Fortbewegung vereinfachen - Foto: smile

Wie könnte man die Förderung verbessern, um noch mehr Elektroautos auf die Straße zu bringen?
Die Initiativen, die wir als Klima- und Energiefonds setzten, sind wichtige Impulse, um Elektromobilität vom Labor auf Österreichs Straßen zu bringen. Um dies zu beschleunigen, wird aber noch mehr notwendig sein. Ähnlich wie bei der Photovoltaik könnten hier die Bundesländer einen wichtigen Beitrag leisten, indem beispielsweise die Einrichtung einer Ladeinfrastruktur bei Neu- oder Umbauten durch die Wohnbauförderung unterstützt wird. Auf der anderen Seite gibt es auch bei heimischen Energieversorgern großes Potenzial, E-Mobilität weiterzubringen: Hier geht es vor allem um Beratung und Information, wie man im privaten Umfeld Ladestationen errichtet.

Die Landesenergieversorger könnten hier Service-Packages für Ein- und Mehrfamilienhäuser anbieten, wodurch weite Teile der regionalen Bevölkerung einbezogen werden könnten. Auch in der Automobilbranche ist noch Luft nach oben. Tesla beispielsweise stellt nicht nur Autos her, sondern bietet Gesamtlösungen an – wie mit dem Heimspeichersystem PowerWall. Tesla bereitet so den Markt auf und zeigt eindrucksvoll vor, wie attraktiv E-Mobility sein kann. Für den flächendeckenden Ausbau von Elektromobilität braucht es aber noch mehr Anbieter, die da mitziehen.

Wie schnell wird sich die Elektromobilität in der Bevölkerung verbreiten?
Wir gehen auch weiterhin von einem exponentiellen Wachstum aus – vor allem für bestimmte Zielgruppen, wie PendlerInnen, wird E-Mobilität in den nächsten Jahren eine immer größere Rolle spielen. Die Erfahrung aus den vergangenen sechs Jahren hat bewiesen, dass technologisch gesehen bereits 100 Prozent Elektromobilität möglich sind. Bis diese Zahl auch praktisch umgesetzt werden kann, ist aber noch einiges an Arbeit zu leisten. Was uns in Österreich manchmal fehlt, ist, groß und grenzüberschreitend zu denken. Wir brauchen internationale Standards – vom Ladegerät über Stecker bis hin zu Bezahlung. Die Anbieter müssen sich endlich auf eine gemeinsame Bezahlplattform einigen – so wie man mit der Kreditkarte überall bezahlen kann, brauchen wir auch hier ein einheitliches System.

Welche Ziele verfolgt der Klima- und Energiefonds mit seiner Challenge für E-Mobility-Start-ups?
In Kooperation mit dem bmvit haben wir heuer zum ersten Mal eine Challenge ins Leben gerufen, die Start-ups im Bereich E-Mobilität bei der Umsetzung ihrer Technologieideen unterstützt. Die Zahl der Einreichungen und die Vielseitigkeit der eingereichten Projekte zeigen, wie viel Potenzial in diesem Bereich vorhanden ist: Unter den Top Ten haben wir von Lade-Technologien, über E-Güterverkehrsmodelle bis zum E-Roller-Sharing alles dabei. Ziel der Challenge ist auch, Start-ups zu finden, die man an große, international agierende Unternehmen ankoppeln kann. Große Unternehmen sind oft resistent gegen Veränderungen, kleinen fehlt es an den nötigen finanziellen Mitteln und schlussendlich auch an Netzwerkkontakten. Mit START-E wollen wir das Deste aus beiden Welten kombinieren: Den Innovationsgeist junger GründerInnen und die Expertise und funktionierenden Strukturen etablierter Player.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation der futurezone mit dem Klima- und Energiefonds.

(futurezone) Erstellt am 11.03.2016, 06:00

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