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Social Media Wirbel um Facebook-Seite des MuseumsQuartiers.

Foto: apa/hans klaus techt
Seit Freitag wird die Facebook-Fanpage des Wiener MuseumsQuartiers von der Marketing-Abteilung des MuseumsQuartiers betrieben. Dem Voreigentümer, der die Seite seit Februar 2009 privat betrieben hat, wurde der Zugriff entzogen. Die Fanpage hat bereits mehr als 25.000 Fans.

Am Freitag gab das MuseumsQuartier plötzlich die „offizielle Präsenz“ ihrer Facebook-Seite bekannt. „Um Besucher noch besser und aktueller über das Geschehen informieren zu können“, heißt es in der Aussendung dazu. Zahlreiche Facebook-Mitglieder wunderten sich bereits darüber, denn sie waren bereits seit längerem „Fan“ vom MuseumsQuartier auf Facebook.

Helmuth Lammer hatte im Februar 2009 inoffiziell als Privatperson eine Facebook-Fanpage für das Wiener MuseumsQuartier erstellt und die Seite regelmäßig mit Informationen versorgt. Mehr als 25.000 Personen hatten seither den „Gefällt Mir“-Button angeklickt.

"Schnell und günstig tausende Fans"
Lammer bekam am 23. März eine E-Mail vom MuseumsQuartier, in der man sich für den Aufbau der Seite bedankte, die man nun selbst übernehmen wolle. Als „Dankeschön“ wurden ihm zwei Jahreskarten und ein „Goodie Pack“ angeboten. Lammer war dies allerdings zu wenig. „25.000 Fans bedeuten jahrelange Arbeit, darüberhinaus verfolgte meine Fanseite keine kommerziellen Zwecke. Das MuseumsQuartier kommt somit äußerst schnell und günstig an tausende Fans“, meint Lammer zu der Situation.

Das MuseumsQuartier verweigerte aus Lammers Sicht im Anschluss jegliche Kontaktaufnahme und Rücksprache und vertröstete ihn auf nächste Woche. Doch dazu kam es nicht mehr: Ab Freitag betreute das Team des MuseumsQuartiers die Fanpage, die zuvor Lammer gehört hatte, Lammer hatte keinen Zugriff mehr. Dieser meint dazu: „Das brutale Übernehmen von usergenerierten Inhalten und eingliedern in die eigene Marketingabteilung widerspricht der offenen Kultur in den sozialen Netzwerken und wird von den Fans hoffentlich abgestraft, indem sie ihr „Gefällt mir“ entfernen.“

Keine Kontaktaufnahme
Das MuseumsQuartier Wien räumte in ihrer Aussendung ein, dass es zu „Unstimmigkeiten“ gekommen sei. Eine Kontaktaufnahme sei allerdings „nicht möglich“ gewesen, stattdessen habe man ihm per Facebook-Eintrag für seine Arbeit gedankt.

"Lammer hatte auf seiner Seite als Kontakt die Daten des MuseumsQuartiers angegeben, dadurch hat die Seite von Anfang an wie eine offizielle Seite gewirkt. Wir bekamen immer wieder Anfragen von Nutzern dazu", erklärte Irene Preißler von der Social Media-Redaktion des MuseumsQuartiers am Samstag gegenüber der futurezone.

Übertragung der Fans
Man habe daher mit Facebook Kontakt aufgenommen und die Seite wurde daraufhin entsprechend der Facebook-Richtlinien dem MuseumsQuartier "übergeben". Aus technischer Sicht bedeutete das: Das MuseumsQuartier hat eine neue Fanseite angelegt, die alte von Lammer wurde geschlossen, die Fans wurden transferiert. "Das ganze ging schneller als erwartet, so dass wir uns nicht mehr mit Herrn Lammer einigen konnten", erzählte Preißler.

Auf der Fanpage des MuseumsQuartiers, die seit Freitag übernommen wurde, finden sich zwischen den offiziellen Einträgen immer wieder kritische Stimmen. Nutzer beschweren sich über eine „bizarre Vorgehensweise“ und darüber, dass die Seite jetzt zu einer „Werbeschleuder“ werde. Einige Nutzer sprechen sich auch dafür aus, dass der alte Gründer die Seite zurückbekommen soll. Auch einige „Unlikes“ hat es bereits gegeben, doch die Zahl der Fans beläuft sich nach wie vor auf 25.259.

Fanpages nur für offizielle Vertreter
Ob Lammer die Fanpage fürs MuseumsQuartier ursprünglich anlegen hätte dürfen, ist unklar. Bei der Erstellung einer Facebook-Seite heißt es nämlich: "Seiten sind für Unternehmen, Organisationen, Prominente und Bands gedacht, um Informationen auf offizielle und öffentliche Weise den Personen mitzuteilen, die sich mit ihnen verbinden." Weiter heißt es: "Wenn du für einen Prominenten oder eine Organisation eine Präsenz auf Facebook erstellen möchtest, obwohl du nicht dessen offizieller Vertreter bist, erstelle bitte stattdessen eine Facebook-Gruppe." Nichtsdestotrotz bleibt bei dieser Übernahme ein äußerst bitterer Nachgeschmack übrig.

Die Fortsetzung

(futurezone) Erstellt am 02.04.2011, 10:10

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