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WEBVIDEO YouTube-Film feiert Europapremiere.

Der Film "Life in a Day" entstand aus tausenden YouTube-Videos von Internetnutzern aus der ganzen Welt und dokumentiert das Leben am 24. Juli 2010. Er feierte auf der Berlinale Europapremiere.

Vom Heiratsantrag bis zur Geburt des ersten Kindes: Weltweit stellen Menschen Videos aus ihrem Leben ins Netz, die eigentlich ganz privat sind. Regie-Altmeister Ridley Scott und Oscar-Preisträger Kevin Macdonald machten aus tausenden solcher YouTube-Clips einen Spielfilm. Für "Life in a Day" dokumentierten Internetnutzer ihr Leben an einem einzigen Tag: Dem 24. Juli 2010.

80.000 Kurzfilme veröffentlicht

Der Internet-Konzern Google, zu dem YouTube gehört, hatte Anfang Juli dazu aufgerufen, Szenen aus dem Alltag hochzuladen. User aus 197 Ländern beteiligten sich an dem Projekt - und stellten 80.000 Kurzfilme ins Netz.

Während einige nur den Gang zu Toilette dokumentieren, können andere Videos zu Tränen rühren. Eines davon stammt von Familie Liginski aus Chicago. Mutter Cathy hat eine Krebsbehandlung hinter sich. Schonungslos offen filmt Ehemann Bob ihre Operationsnarben - und den gemeinsamen Sohn Bobby, den die Krankheit seiner Mutter zutiefst verstört. Das YouTube-Video sei ihr "family project" gewesen, sagt Cathy bei der Europapremiere auf der Berlinale in Berlin. Den Krebs habe sie besiegt.

Keine Privatsphäre-Bedenken

Bedenken, ihr Privatleben in der Öffentlichkeit zu zeigen, hatten die Teilnehmer nicht. "Das war mir egal", erzählt Mario Obst, der sich beim Zähneputzen filmte. Und auch Cathy sagt: "Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht." Die Rechte an ihren privaten Aufnahmen mussten sie an Google abtreten.

Ähnlich wie im wahren Leben schwankt "Life in a Day" zwischen bedrückenden Szenen und solchen, die pures Glück dokumentieren. Der Film zeigt: Freude und Leid liegen nah beieinander. Während ein Mann in einer Szene ein Rind schlachtet, verspeist ein anderer kurz darauf genüsslich seine Spaghetti Bolognese.

"Ich finde es toll, dass man nicht nur einen Tag zeigt, sondern eigentlich das ganze Leben", sagt Mareike Sehr, deren Clip ebenfalls im Film zu sehen ist. Tatsächlich ist von der Geburt eines Kindes (der werdende Vater wird beim Filmen ohnmächtig), der ersten Rasur bis hin zum Uni-Abschluss und der Hochzeit alles dabei.

Massenpanik-Szenen von der Loveparade

Auch den Tod spart der Film nicht aus. Mareike hat ihn dokumentiert. Ihr Video entstand bei der Loveparade in Duisburg. 21 Menschen kamen an diesem Tag bei einer Massenpanik ums Leben. "Ich wollte dieses friedfertige Beieinandersein der Menschen filmen, die einfach nur Spaß haben", sagt die 28-Jährige. "Dass es so schlimm wird, konnte ja keiner ahnen."

Die Macher des Films sichteten fast 4600 Stunden Videomaterial - und kürzten es auf Spielfilmlänge. Szenen, die nicht jugendfrei waren, habe er dabei nicht gesehen, sagt Projektleiter Tim Partridge. "Aber da gab es bestimmt welche", meint er und lacht.

Eine Fortsetzung des Films ist bislang noch nicht geplant. Denkbar sei es aber schon, sagt Partridge. Familie Liginski zumindest dreht schon wieder fleißig Videos. Stolz hebt Vater Bob seine Kamera in die Höhe. Vor der Europapremiere des Films habe er Berlin erkundet. "Wenn wir nach Hause kommen, stelle ich den Clip ins Netz."

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(dpa)

(dpa) Erstellt am 13.02.2011, 11:49

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