futurezone.at

Weltgrößte Luftfahrtmesse

FIA: Faszinierende Flugshow ohne Knaller

Die weltgrößte Luftfahrtmesse Farnborough International Show (FIA) besticht durch ihre Vielfalt an Maschinen am Boden und in der Luft. Große Überraschungen - sowohl technisch als auch kommerziell - bleiben 2012 aber aus. Die futurezone war vor Ort und konnte einige interessante Impressionen von der Großveranstaltung mitnehmen.

Die Farnborough International Air Show (FIA) macht alle zwei Jahre ein kleines englisches Städtchen zum Mittelpunkt der internationalen Flugverkehr-Szene. In diesem Jahr werden von 9. bis 13. Juli große Flugzeugbestellungen kundgegeben, Kontakte geknüpft und Waren beworben - sowohl im Flugzeug-Bereich, als auch in den Bereichen Waffensysteme und Raumfahrt. Die futurezone war zwei Tage lang vor Ort und konnte sich bei zehnminütig wechselnden Witterungsverhältnissen und geschätzten 150 Dezibel Schalldruck einen Überblick verschaffen.

"Paris war spannender", lautet das Urteil einer langjährigen Flugmagazin-Journalistin über die FIA 2012. Die Paris Air Show findet ebenfalls alle zwei Jahre statt und wechselt sich mit Farnborough ab. 2011 wurden die Auftragsbücher der beiden größten Flugzeughersteller Airbus und Boeing prall gefüllt, und zwar so sehr, dass die beiden Konzerne mit der Produktion kaum nachkommen. Airbus hat aus diesem Grund zuletzt angekündigt, im US-Bundesstaat Alabama eine Fabrik für seinen Bestseller A320 zu errichten.

Die Farnborough Air Show ist die größte Luftfahrtmesse der Welt und findet alle zwei Jahre statt. 2012 war die futurezone mit dabei. In riesigen Hallen, auf dem weiten Flugfeld und in der Luft kann man alles beobachten, was im Flugverkehr Rang und Namen hat, etwa den Airbus A380, dessen Heckflügel alleine um einiges größer als die Tragflächen anderer Flugzeuge sind. Beim Umparken wurde die zweistöckige Verkehrsmaschine von allen Seiten hergezeigt, täglich gab es zudem damit Flugvorführungen. Der Airbus A320neo wirbt auf seiner Hülle für weniger Spritverbrauch - eigentlich eine Schwäche des Flugzeugs gegenüber dem Hauptkonkurrent Boeing 737 MAX. Der Auftritt des Airbus Militärtransporters A400M war vom Pech verfolgt. Eigentlich hätte auch dieses Flugzeug über Farnborough seine Runden drehen sollen,... ... allerdings fand man bei der Ankunft Metallspäne im Schmieröl der Triebwerke, also musste der Vogel am Boden bleiben. Boeing zeigte währenddessen stolz seinen 787 Dreamliner mit charakteristisch geschwungenen Tragflächen. Die Boeing C-17 Globemaster ist eines der größten militärischen Transportflugzeuge der Welt. Mit diesem Modell zeigte die US Air Force... ... wieviel Fracht so ein Globemaster aufnehmen kann. Über die Heckklappe wurde zum Rundgang eingeladen. Der fette Flieger sieht plump aus, ist aber eine der wichtigsten Versorgungsmaschinen für Auslandseinsätze der US-Armee. Mit dem Hubschrauber-Flugzeug-Hybrid Bell Boeing CV-22 Osprey wurden eindrucksvolle Schwebemanöver über dem Flugfeld gezeigt. Eines der herausstechendsten Flugzeuge der Fachmesse ist der Omega Tanker, ein privates Tankflugzeug, das künftig Militär-Jets in der Luft befüllen soll. Diese hier ist eine von zwei unter dem Flügel befestigten Vorrichtungen, die einen Schlauch mit Korb am Ende beinhalten, mit dem die Verbindung zum Benutzer der fliegenden Tankstelle hergestellt wird. Der neue russische Kurzstrecken-Flieger Suchoi Superjet100 war nach einem Absturz in Verruf gekommen. Der Hersteller zeigte sich daher sehr bemüht,... ... sein Flugzeug wieder ins rechte Licht zu rücken. Im Inneren bewegt man sich in einer 3-2-Sitzkonfiguration,... ... das Cockpit erstrahlt mit großflächigen Displays, die an die Boeing 787 erinnern. Ebenfalls anwesend bei der Farnborough Air Show: Das SpaceShip Two von Virgin Galactic. Nach erfolgreichen Tests... ... sollen bereits im nächsten Jahr erste Privat-Passagiere damit in den Weltraum transportiert werden. Der Raketenantrieb verheißt Schwerelosigkeit für die Insaßen. Bereits 500 Personen sind für einen Flug vorangemeldet - trotz Kosten von rund 200.000 Dollar. Ganz nahe kommen kann man in Farnborough auch Kampfjets, wie dem F/A-18. Ein witziges Detail an diesem speziellen Modell... ... ist der Name des Co-Piloten. Zur Erinnerung: "Goose" begleitete Tom Cruise in "Top Gun" - allerdings in einer F-14 Tomcat. Die Fachmesse bietet auch Gelegenheit, die Umgebung einmal durch ein Head-Up-Display wahrzunehmen. Ebenfalls am Asphalt: F-15 (li.) und F-16 (re.). Ein Air Force Pilot erzählt, dass die F-15 Treibstoff mit dem Gesamtgewicht einer F-16 aufnehmen kann. Dieses Modell eines Eurofighter Typhoon zeigt das Waffenarsenal, das mit dem Kampfjet mitgeführt werden kann. Ebenfalls nur als 1:1-Modell kann man den F-35 Lightning II bewundern, das neue Kampfgerät für mehrere NATO-Staaten. In den Hallen der Air Show stellen viele Hersteller von einzelnen Flugzeug-Bauteilen ihre Produkte aus. Hier sieht man das gigantische Fahrwerk eines Airbus A350. Zu sehen bekommt man auch Steuerungselemente und Simulatoren. Hier ein Trainings-Simulator für Kampfdrohnen. Die Farnborough Air Show beinhaltet auch viele Aussteller aus der Rüstungsindustrie. In den Gängen und Gassen stößt man so etwa auf Marschflugkörper,... ... Raketenwerfer und anderes Gerät, das den Einen Sicherheit, den Anderen den Tod bringen soll. Das wohl farbenfrohste Militärflugzeug der Welt: Eine Hercules-Transportmaschine der kolumbianischen Luftwaffe. Sein Debüt auf der Farnborough Air Show feierte der Yak-130 Trainer-Jet, der im Grunde ein kleines Kampfflugzeug sein kann. Neben Flugzeugen sind auch zahlreiche Hubschrauber zu bewundern: Hier der Blackhawk,... ... dort der Super-Puma. Erinnert sich noch jemand an die Entscheidung zwischen diesen beiden Typen für das österreichische Militär? Künstlerisch wertvoll: Die Propeller-Maschine Pilatus Da Vinci. Viele der ausgestellten Fluggeräte konnte man auch in der Luft bewundern. Kampfjets wie die F/A-18 erzeugten ein Höllenlärm,... ... während die Piloten des Airbus A380 vor allem mit besonders steilen Steigwinkeln, engen Kurvenradien und besonders langsamem Flug begeisterten. In Farnborough reichen schon wenige Minuten dafür aus, um überall nur noch Flügel und Querruder zu sehen. In den nächsten Jahren wird die nächste Flugzeug-Generation ihren großen Auftritt in England feiern. Hier sieht man etwa das Modell eines Airbus A350XWB. Eher zahlungskräftige Kundschaft sollen zahlreiche Privatjets locken - wie man sieht, mit Erfolg.

Boeing landet größere Deals

Während 2011 Airbus groß absahnte, hat 2012 wohl Boeing das Rennen um die meisten Aufträge gewonnen, soviel lässt sich bereits vor dem Ende der Fachmesse sagen. Der große Kampf in diesem Jahr lautete Boeing 737 MAX gegen Airbus A320neo. Die 737 MAX besticht im Duell der Kurzstrecken-Jets durch ihren geringen Verbrauch. Bereits am ersten Tag der FIA gab Boeing den Verkauf von 75 Stück 737 MAX an den US-Konzern Air Lease Corporation für 7,2 Milliarden Dollar bekannt. Air Lease will die Flieger per Leasing an Fluglinien weiterverkaufen.

Am Dienstag langten weitere Flugzeug-Leasing-Firmen bei Boeing kräftig zu. GECAS (ebenfalls USA) verpflichtete sich, 100 Stück 737 MAX für 9,2 Milliarden Dollar abzunehmen. ALAFCO (Kuwait) will 20 Stück zu 1,9 Milliarden Dollar. Am Donnerstag verkaufte Boeing ganze 150 Stück 737 (davon 100 737 MAX, 50 737-900 ER) für 14,7 Milliarden Dollar an United Airlines. Boeings ursprüngliches Verkaufsziel von 212 Stück seines Bestsellers ist damit weit übertroffen.

Wie üblich wurden auch in diesem Jahr bereits unterzeichnete Deals erst auf der großen Flugshow verkündet. Wie Insider wissen, sieht es in den Monaten vor Farnborough oder Paris verdächtig ruhig am Markt aus, damit die Erfolgsmeldungen zeitgerecht ihre Punktlandung hinlegen können.

Wettrennen um Produktionsstandorte
Der Flugverkehrs-Branche geht es offenkundig gut. Während Airbus und Boeing über die nächsten Jahre ihre Aufträge abarbeiten müssen, bemühen sich viele Staaten und Regionen um eine Ansiedlung von Produktionsstandorten, wie man auch auf der FIA gut erkennen konnte. Einige Länder hatten hier eigene Pavillions, um auf Kundenfang zu gehen. Obwohl Österreich keinen Sammelbereich vorweisen konnte, fanden sich auch einige heimische Vertreter auf der Fachmesse. Vor allem bei Unmanned Aerial Vehicles (UAV), also unbemannten Drohnen, konnte man eine starke Präsenz bemerken.

Wenige technische Neuheiten
Technisch gesehen bot die FIA 2012 jedoch wenig Neuheiten. Einige neue Entwicklungen, wie der Airbus Langstrecken-Jet A350MBX oder Boeings U-Boot-Aufklärungsflugzeug P-8 stecken noch in der Entwicklungsphase. Von Lockheed-Martins neuem Kampfjet F-35 Lightning II, auch Joint Strike Fighter genannt, bekam man auf der FIA nur ein Modell zu sehen. Farnborough-Premiere feierte der martialisch aussehende Kampf-Trainer-Jet Yak-130 aus Russland. "So wirklich neu ist der aber auch nicht", ließen zwei deutsche Farnborough-Veteranen aber dazu vernehmen. Der erste Yak-130-Prototyp flog tatsächlich bereits 2004.

Farnborough International Air Show 2012 FIA Flugverkehr Flugzeug Luftfahrt Luftfahrtmesse. Der Span des Anstoßes: Motoren des Airbus A400M.

Skandälchen

Immerhin hatte die FIA 2012 ein paar kleinere Skandälchen zu bieten. Zunächst einmal sollte der neue Airbus-Militärtransporter A400M über Farnborough seine Runden drehen, was im Endeffekt aber zur Sicherheit für die Messebesucher unterlassen wurde. Im Triebwerks-Schmieröl wurden Metallspäne gefunden. Man weiß noch nicht, woher sie stammen. Welche Tragweite das üblicherweise hat, kann man an der Reaktion der beiden Testpiloten ermessen, die die A400M nach Farnborough überstellt haben: "Na und? Metallspäne im Öl findet man ständig", meinten sie gegenüber der futurezone.

Dann hätte man bei der FIA zwei russische Su-27 Kampfjets sehen sollen, die allerdings die strengen Flugshow-Auflagen nicht rechtzeitig erfüllen konnten. Was man allerdings zu sehen bekam, war der Suchoi Superjet100, ein Kurzstreckenjet, dessen Image zuletzt durch einen Absturz in Indonesien, bei dem 45 Menschen ums Leben kamen, angekratzt wurde. Bei einer darauffolgenden Untersuchung wurde zwar dem Piloten die Hauptschuld zugewiesen, allerdings könnten auch fehlerhafte Geschwindigkeits-Sensoren ihren Beitrag zum Unglück geleistet haben.

Privater Kampfjet-Tanker
Eine kleine Überraschung lieferte unterdessen die US-Firma Omega Air Refueling Services. Sie präsentierte am dicht gepackten Flugfeld ihren Omega Tanker, eine umgebaute DC-10, die zwei Flugzeuge gleichzeitig in der Luft betanken kann. Die Kundschaft soll vor allem aus dem US-Militär bestehen. Der Omega Tanker soll zur mobilen Tankstelle für F/A-18 Hornets oder Osprey-Hubschrauber auf dem Flug von den USA zu Einsatzgebieten werden. Der Dienst des Privatunternehmens käme dem Staat um einiges günstiger als derzeitige Tank-Flugzeuge.

Der Omega Tanker könne allerdings nur für solche Flugzeugtypen eingesetzt werden, die das Probe-and-Drogue System verwenden, erklärt ein Pilot der US Air Force. Eine stangenförmige Verlängerung dient hierbei als Dock für den Tank-Schlauch, den der Tanker unterhalb des Flügels ausfahren kann. Andere Systeme für die Luft-zu-Luft-Betankung arbeiten mit beweglichen Tank-Rüsseln, die vom Personal des Tankflugzeugs in einen Einfüll-Stutzen am Kampfjet geführt werden müssen.

Starke Air-Force-Präsenz
Chris ist nur einer von vielen US-Piloten, die für die FIA nach England abkommandiert wurden. Die US-Luftwaffe zeigt mit mehreren Flugzeugen am Boden und in der Luft eine starke Präsenz auf der Fachmesse und gibt sich dabei um einiges zugänglicher als einige Flugzeughersteller. Während auf der FIA normalerweise eine Art Mehrklassen-Gesellschaft herrscht, bei der man oftmals mit dem Verweis "nur auf Einladung" abgewiesen wird, lädt die Air Force bereitwillig zu Besichtigungen in Begleitung von Piloten ein.

Auf diese Art erhält man etwa Einblicke in die Boeing C-17 Globemaster, ein militärisches Transport-Ungetüm, in die Lockheed C-130 Hercules, einen etwas kleineren Frachter, oder in die Kampfjets F/A-18, F-16 und F-15.

Farnborough International Air Show 2012 FIA Flugverkehr Flugzeug Luftfahrt Luftfahrtmesse. Ohnehin schon recht dicht: Die Menschenmasse am Flugfeld.

Der große Ansturm kommt erst

Nachdem die Anzugträger-Gesellschaft der Fachmesse am Freitag abgereist ist, steht die FIA am Samstag und Sonntag (14.-15.7.) privaten Besuchern offen. Welche Massen dann im aufgeweichten Rasen rund um das Flugfeld unterwegs sein werden, lässt sich an den riesigen Flächen erkennen, die nahe Farnborough für Parkplätze reserviert wurden.

Mehr zum Thema

Koralpe: Radar-Gigant auf 2140 Metern
Solarflugzeug erreicht Ziel im Süden Marokkos
Spaß-Flieger mit Elektroantrieb hebt ab
US Navy rüstet Drohnen auf Linux um


Tags: Fluggerät, Flugverkehr


Weitere Meldungen

Kommentare werden geladen...