futurezone.at

Luftfahrt

Neue Langstrecken-Kabine bei Austrian Airlines

Moderne Materialien, ein neues In-Flight-Entertainment-System und flache Betten in der Business Class sollen die zehn Langstrecken-Jets der Austrian Airlines attraktiver machen. Die futurezone konnte sich bei der Präsentation im Wiener Museumsquartier einen ersten Eindruck verschaffen.

Austrian Airlines hat am Dienstag ein neues "Bekenntnis zur Langstrecke" abgegeben. Alle zehn Langstrecken-Flugzeuge werden mit einer neuen Kabine, samt neuer Sitze, Toiletten, Küchen, Overhead-Fächern und In-Flight-Entertainment-System ausgestattet. Das ganze kostet 90 Millionen Euro, was rund 35.000 Euro pro Sitz bedeutet. "Wir haben also 200 bis 300 Neuwagen an Bord", wagt AUA-CEO Jaan Albrecht bei der Präsentation im Wiener Museumsquartier einen Vergleich. Die neuen Sitze sind mit dezentem, grauem Stoff überzogen, das Kabinen-Design wird in den Farben Weiß, Rot und Hellblau gehalten. Auf Trennwänden sollen typisch österreichische Motive, etwa ein Panorama der Hohen Tauern, Platz finden.

Jaan Albrecht (li.) und Karsten Benz (re.) präsentieren stolz die neue Business Class ... ... und die neue Economy Class, die gemeinsam mit der Star Alliance entwickelt wurde. Bei beiden Kategorien finden sich große Displays vor den Passagieren. An deren rechtem Rahmen befindet sich ein USB-Anschluss, um Geräte im Flugzeug aufzuladen. Die Business Class Sitze bieten erstmals... ... den Komfort, völlig eben liegen zu können und sich automatisch in diese Lage bewegen zu können - was angenehm ist, solange man der Norm entspricht. Für Menschen über 1,89 Zentimeter könnte es enger werden. Das In-Flight-Entertainment-System wird per Touchscreen gesteuert. Ein Button rechts unten öffnet eine Übersichts-Leiste am rechten Bildrand. Hier kommt man etwa... ... zu den Filmen, die auf Abruf verfügbar sind. Außerdem gibt es Spiele - bei der Vorführung waren es nur zwei, in der Endversion sollen es mehr sein. Bei der Musik soll die Auswahl künftig auch über Andreas Gabalier hinausgehen. Ein eigener Videoordner enthält Fitness-Programme zur Thrombose-Bekämpfung. Ein virtueller Austrian-Folder plus ausklappbarer Seiten-Übersicht am linken Bildrand. Mit einer eigenen App können Passagiere ihr Flugerlebnis direkt bewerten. Die Sitz-Bedienung auf der Mittelkonsole samt Einstellung der Sitzpolster-Härte. Eine zusätzliche Bedienung befindet sich im Liege-Zustand gleich neben dem Kopf. Aus der Mittelkonsole lässt sich eine Kabel-Fernbedienung ausfahren,... ... die an der Rückseite Steuerkreuz und zwei Buttons für Spiele aufweist. Blick auf den Sitznachbarn (in Normgröße).

Neues Bord-Entertainment

Sämtliche Landstrecken-Jets erhalten neue Displays. In der Business Class sind diese 15 Zoll groß, in der Economy Class 9 Zoll, was etwa der Größe eines iPad entspricht. Alle Displays weisen einen USB-Anschluss auf, der vorerst einzig zum Aufladen von mitgebrachten Mobilgeräten dient. Über das Entertainment-System können über 100 Stunden Filme und Serien abgerufen werden. Gesteuert wird per Touchscreen. Alle Inhalte sind direkt am Gerät gespeichert. Man kann also beispielsweise einen Film pausieren, die Flug-Karte aufrufen, den Film fortsetzen oder das Ganze parallel erledigen.

Das Entertainment-System bietet außerdem Musik, E-Reading-Material, Shopping und soll mit modernen Spielen, vor allem für Kinder, ausgestattet werden. Bei der Vorführung beschränkte sich die Auswahl noch auf die Klassiker Schach und Solitaire. Auch eine Kundenbefragungs-App ist inkludiert. Das System ist erweiterbar. Zusätzliche Apps können leicht auf dem gesamten Langstrecken-Netz eingeführt werden.

Business Class legt Passagiere flach
Während man in der Economy Class mit 79 Zentimeter Sitzabstand auskommen muss, wurden für die Business Class full-flat Sitze vorgestellt. Diese lassen sich motorgetrieben bis in die Waagrechte umklappen und bieten angeblich 2 Meter Liegefläche. Im ersten Praxistest der futurezone stand man schon bei 1,90 Meter Körpergröße an Schädel und Fußsohle an. Zusätzlich konnten Füße der Schuhgröße 47 nicht aufgestellt werden. "Das entspricht ja auch nicht der Norm", meint ein Austrian-Angestellter dazu. Ein normierter Sitznachbar fühlte sich sichtbar wohler in seinem full-flat Sitz.

Beachtlich sind allerdings die mehrfachen Steuermöglichkeiten der Business-Class-Sitze. Wer flach liegt und insofern nicht mehr bis zum Touchscreen greifen kann, klappt eine verkabelte Fernbedienung samt Gamepad auf der Rückseite aus seiner Seitenlehne. Neben drei voreingestellten Sitzpositionen lassen sich sämtliche Sitzteile persönlich kalibrieren. Sogar die Sitzpolsterhärte kann mittels eingebauter Pneumatik verändert werden.

Umrüstung bis Frühling 2013
Der erste Austrian-Langstrecken-Jet steht bereits zur Neuausstattung im Hangar. Bis zum Frühling 2013 sollen alle zehn Flugzeug-Kabinen - vier Boeing 777 und sechs Boeing 767 - das längst fällige Redesign erhalten. "Wir wissen, dass wir derzeit nicht mehr state of the art sind", gesteht Austrian-Chef Albrecht. Das soll sich nun schnellstmöglich ändern. CCO Karsten Benz: "Die Umrüstung der Langstreckenflotte ist ein wesentlicher Meilenstein in einer ganzen Reihe von Maßnahmen zur Produkt- und Qualitätsverbesserung."

Mehr zum Thema

Emirates erlaubt Handy-Telefonieren im A380
Drohnen-Innovation: Österreich ganz vorn dabei
Boeing räumt bei Flugzeugaufträgen ab


Tags: Luftfahrt, Flugverkehr, Galerien


Weitere Meldungen

Kommentare werden geladen...