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Peter Glaser: Zukunftsreich Das Ende der Arbeit.

Foto: Screenshot
Was passieren könnte, wenn Roboter sich einmal selbst bauen: Ein Blick in eine mögliche Zukunft.

Als der britische Ingenieur und Mathematiker Adrian Bowyer 2005 sein Projekt RepRap („Replicating Rapid-Prototyper“) begann, wurde es konkret. Bowyer wollte eine Maschine bauen, die ihre eigenen Ersatzteile produzieren und sich schließlich selbst reproduzieren kann. Im September 2006 druckte die Version RepRap 0.2 erfolgreich das erste Teil von sich selbst. Waren es anfangs nur statische 3D-Drucker, deren vervielfältigte Einzelteile noch von Menschen zusammengesetzt werden mußten, so wurde die Maschinenproduktion im Lauf des nachfolgenden Jahrzehnts zunehmend autonom.

Im März 2018 nahmen die ersten Roboter, die in der Lage waren, Roboter zu bauen, die Produktion auf. Eine jahrtausendealte Utopie schien Wirklichkeit zu werden. Schon die alten Ägypter hatten sich darum bemüht, die Last der Arbeit abzulegen. Da nach ihrer Vorstellung auch noch im Jenseits die Felder zu bestellen waren, gaben sie den Verstorbenen magische Puppen mit, die mit Aufrufen beschriftet waren, bestimmte Arbeiten zu erledigen (und die auf verblüffende Weise modernen Computerprogrammen ähneln). Die Idee des programmgesteuerten Roboters ist also schon Jahrtausende alt.

Wenn es nun Maschinen gab, die sich selbst bauen, warten und reparieren konnten, sollte niemand mehr arbeiten müssen. Man könnte die pure Produktivität dieser sich reproduzierenden Roboter – „Repoter“ – der Allgemeinheit zukommen lassen und das Geld abschaffen. Eine staatlich gehegte autonome Industrieproduktion wäre so etwas wie ein volkswirtschaftliches Perpetuum Mobile. Dazu kommt, dass Roboter viel verantwortungsvoller agieren würden als wir, da ihnen der innere Schweinehund fehlt und sie nicht für Bequemlichkeit oder Bestechlichkeit zugänglich sind. Sie würden Rohstoffknappheiten erkennen und sich selbst auf möglichst nachhaltige Weise produzieren...

Wenn Maschinen sich ungeplant selbständig machen

Mahner hatten aber bereits davor gewarnt, dass die Maschinen sich nicht nur auf unvorhersehbare Weise selbständig machen könnten. Sie befürchteten, dass sie sich auch über ihre menschlichen Bauherren erheben könnten, ähnlich wie in Stanislaw Lems Roman „Der Unbesiegbare“, in dem ein Expeditionskorps einen Planeten entdeckt, auf dem eine Roboterpopulation alles organische Leben vernichtet hat, da es Feuchtigkeit enthält, die für Wesen aus Metall eine bedrohliche Rost-Gefahr darstellt.

Vertreter der sogenannten Harten Künstlichen Intelligenz wie Hans Moravec verfochten die gegenteilige Position und fieberten einer postbiologischen Ära entgegen, in der die Roboter als die zukunftstauglicheren Wesen die Stafette der Evolution vom Menschen übernehmen sollten.

Der Staat schafft es nicht

Die Realität sah anders aus. Staatliche Stellen erwiesen sich aus verschiedenen Gründen als stark gehemmt, eine volkseigene Roboterproduktion zu initiieren und damit nicht nur die gesamte Industrieproduktion, sondern auch alle weiteren robotisierbaren Bereiche von Bildung bis Gesundheit und Pflege auf radikale Weise in die Hand zu nehmen. Also ergriffen Unternehmen, Konzerne und andere privatwirtschaftlich agierenden Organisationen, nicht zuletzt die Mafia, die Initiative.

Billigproduktion fand nun nicht mehr in Bangladesch statt, sondern die outgesourcten Jobs kamen wieder zurück nach Hause, wo sie von autonomen Robotern konkurrenzlos billig erledigt wurden. Diese Arbeitermaschinen übten massiven Druck auf Produktpreise und auf die Löhne der verbliebenen Industriearbeiter aus. Mit dem 3D-Druck hatte man noch darauf gesetzt, dass geringere Kosten einer eigenen Warenproduktion auch ein geringeres Einkommen wettmachen würde. Ein Roboter-Slogan aus dem Jahr 2020 aber lautete „Billiger als geschenkt!“, er markierte das Ende der Arbeiterklasse. Sie verschwand, so wie die Schriftsetzer in den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts verschwunden waren.

Komfort – und ein letzter Rest Chaos

Roboter sorgten fortan dafür, dass die Grundbedürfnisse der Menschenmassen gestillt wurden und niemand sich allzusehr daran störte, in der netten Version eines bewachten Lagers untergebracht zu sein. Die durch und durch geordnet und klar, aber uninspiriert vorgehenden Maschinen hatten für die Menschen noch eine letzte Aufgabe vorgesehen. Sie mußten immer noch ein wenig fruchtbares Chaos ins System bringen – ein Phänomen, dessen Nützlichkeit auch die Roboter erkannt hatten.

(futurezone) Erstellt am 15.08.2015, 06:00

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