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Peter Glaser: Zukunftsreich Denken kommt wieder in Mode.

Köpfe, Zahnräder © rubysoho #38083933 
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Köpfe, Zahnräder © rubysoho #38083933 Empathie, Gedankenlesen, Gedanken lesen, Gedankenübertragung, Einfühlungsvermögen, aktivität austausch brainstorming business daten datenaustausch denken denkprozess denksport erfindung erfolg erinnerung gedanke gehirn geistig idee informationen innovation inspiration intellekt intellektuell intelligent intelligenz iq konzept kopf kreativ kreativität köpfe lernen mechanisch mensch motivation profil psyche psychologie schatten seitenansicht silhouette symbol team teamwork tätigkeit umriss wechselwirkung wissen zahnrad zahnräder zeichen zusammenarbeit - Foto: /rubysoho/Fotolia
Früher wollte man Wissen mit Trichtern in die Köpfe füllen. Heute reichen dazu sanfte Strompulse oder notfalls eine Plauderei mit einem Biophysiker.

Zwei Psychologen an der an Vanderbilt University in Nashville, Tennessee haben in Versuchen mit einer Elektrodenkappe nachgewiesen, dass sanfte Stromstöße, die auf den präfrontalen Kortex des Gehirns ausgeübt werden, das Lernvermögen verbessern. Von den elektrischen Impulsen spüren die Versuchsteilnehmer nicht mehr als ein Kribbeln. Professor Geoffrey Woodman und der Doktorand Robert Reinhart stimulierten jene Region, die im Gehirn aktiviert wird, wenn es auf Fehler reagiert.

Die Forscher wollten die These überprüfen, dass diese Aktivitäten das Lernen beeinflussen können, weil sie es dem Gehirn ermöglichen, aus Fehlern zu lernen. Tatsächlich lernten die mit dem Elektroenzephalogramm stimulierten Testpersonen schneller aus ihren Fehlern als die anderen Versuchsteilnehmer und führten die gestellten Aufgaben effizienter, korrekter und mit mehr Bedacht durch.

Bereits nach 20 Minuten „transkranieller Stimulanz“ zeigten die Probanden bei Konzentrationsaufgaben, bei denen man im Trial-and-Error-Verfahren schnell auf den richtigen Knopf drücken musste, bessere Ergebnisse als Vergleichsprobanden ohne Denkkappe. (Die Denkkappe in der klassischen Form als Kopfbedeckung von Herrn Ing. Düsentrieb ähnelt der Miniaturversion eines Hausdachs mit einem Schornstein, in dem Vögel nisten, welche beim Ausbrüten von Ideen nützlich sind). Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of Neuroscience veröffentlicht.

Und dann kommt Professor Nicholas Negroponte vom MIT. Er hat schon vor 30 Jahren prognostiziert, dass wir Informationen in Form einer Pille aufnehmen werden. Die Idee derartiger Lernverfahren ist nicht neu. Eine Frühform der Technologie hieß „Nürnberger Trichter”. Dabei wurde der Ansatz verfolgt, Bildungs- und Kulturgut mit mechanischer Hilfe in die Köpfe der Menschen zu füllen.

„Man wird eine Tablette schlucken und beispielsweise Englisch beherrschen“, unterstrich Negroponte anläßlich eines TED-Vortrags in Vancouver seine Vision. „Die Informationen werden über die Blutbahnen ins Gehirn gelangen und sich an der richtigen Stelle absetzen.“ Wie das gehen soll, bleibt im Dunklen. Er habe mit zwei MIT-Kollegen geplaudert, dem Neurowissenschaftler Edward Boyden und dem Biophysiker Hugh Herr. Keiner der beiden hat sich bisher fachlich dazu geäußert, wie man Information in Pillenform preßt und wie diese Substanz dann vor allem die kritische Blut-Hirn-Schranke überwinden soll.

Die Vorstellung, körperliche oder geistige Entwicklungsvorgänge zu einer Pille reduzieren zu können, stammt aus der Zeit, in der man auch davon überzeugt war, dass es bald Autos mit Atomantrieb geben wird und, der Pillen-Lösung artverwandt, die Welt in zunehmendem Maß „auf Knopfdruck“ funktionieren sollte; aus den Fünfziger- und Sechzigerjahren also.

1967 wurde eine ganze Fernsehserie unter dem Titel „Immer wenn er Pillen nahm“ produziert. Und auch Herr Ingeniör Düsentrieb hat sich mit dem reduktionistischen Ansatz auseinandergesetzt. So gibt er Tick, Trick und Track, den drei Neffen von Donald Duck, in ein Pfadfinderzeltlager für einen Grillabend Essen in Pillenform mit, das er dann noch um Essensgeruch aus Gläsern ergänzt, nachdem die bloße Pilleneinnahme als mangelhaft empfunden wird.

2005 lieferte Google dazu quasi den flüssigen Teil und verkündete „die Entwicklung eines magischen Getränks, das intelligenter macht und so eine effizientere Nutzung der Suchergebnisse ermöglicht“ – ein Aprilscherz.

Stecker im Kopf

Vormals kühne Entwürfe aus Science-Fiction-Filmen wie „Matrix” sind längst im Hier und Jetzt gelandet. 2004 erlaubte die US Food And Drug Administration den ersten klinischen Test, bei dem einem Gelähmten erfolgreich ein „Braingate” genanntes Hirn-Computer-Interface eingepflanzt wurde. Ein zwei mal zwei Millimeter großer Chip wird dazu von einem Chirurgen in die für Bewegung zuständige Region der Hirnrinde implantiert, die sich über dem rechten Ohr befindet. Über ein aus dem Schädel führendes Glasfaserkabel sind die elektronischen Neuronen mit einem Rechner verbunden. Das System ermöglicht es einem Menschen, einen Computer oder einen Robotarm Kraft seiner Gedanken zu steuern, Schalter zu betätigen und zu kommunizieren.

Wenn die Gegenwart immer mehr dem ähnelt, was vor ein paar Jahren noch pure Science Fiction war, was hält dann die Zukunft noch für uns bereit? Ein Abendessen mit Nicholas Negroponte, bei dem sich jeder eine Pille in den Mund schnipst?

Die technische Handhabung von Gehirnströmen ist auch für gesunde Menschen, die ihre Gehirnbandbreite erweitern möchten, von Interesse. Die  Entwicklung der Braingate und ähnlicher Gadgets wurden von der Defence Advanced Research Projects Agency (DARPA) finanziert, der Ideenschmiede des US-Verteidigungsministeriums. Man wolle mit einer fortgeschrittenen Version der Technologie Soldaten Unterstützung „bei hochvolumigen Anforderungen an Gehirnleistung” verschaffen. Vielleicht heißt das ja einfach nur, dass Denken wieder in Mode kommt.

(futurezone) Erstellt am 03.01.2015, 06:00

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