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SOPA Ein neues Urheberrecht muss her.

Foto: Fotolia
Wenn es heute, Mittwoch, in Teilen des Web finster wird, ist das veraltete Urheberrecht der eigentliche Auslöser. Dieses stammt nämlich aus einer Zeit, in der ein Bürger kaum in Gefahr kam, dieses zu verletzen.

Es war einmal: Man kaufte ein Buch, eine Schallplatte, las es bzw. hörte sich die Musik an und borgte das Buch oder die Schallplatte einem Freund. Oder verkaufte das erworbene Werk auf einem Flohmarkt. Die Möglichkeit, das Buch einzuscannen oder die Musik zu digitalisieren, gab es damals noch nicht.

Das Web-Zeitlalter
Im Internet-Zeitalter hat sich die Situation geändert, denn in den meisten Haushalten steht zumindest ein Gerät, mit dem man eine digitale Kopie anfertigen kann, und zwei Drittel verfügen über einen Internet-Anschluss; dazu müsste man genau genommen noch die Internet-Zugänge via Smartphone dazu zählen. Wer eine private Homepage betreibt oder einen YouTube- oder Facebook-Account hat, begeht regelmäßig – ohne es zu wissen – Urheberrechtsverstöße. Der Fotograf, der das Profilfoto gemacht hat, könnte urheberrechtlich gesehen nämlich klagen.

Urheberrecht = Verhaltensrecht
Nirgendwo sonst wird das Urheberrecht so häufig gebrochen wie im Web, das zeigt aber wiederum auf, dass es veraltet ist. Das Urheberrecht wurde für die Verlag-, Musik- und Filmindustrie gemacht, um die Rechte der Autoren, Musiker und Filmemacher zu schützen. Heute ist das Urheberrecht zu so etwas wie einem Verhaltensrecht in der heutigen Gesellschaft geworden. Und auf diesem basiert das unsinnige Antipirateriegesetz SOPA, das den Verwertungsgesellschaften das Recht einräumt, Webseiten, auf denen User Urheberrechtsverstöße begehen, einfach sperren zu lassen.

Zweierlei Maß ohne Logik
Wie unsinnig das Urheberrecht ist, zeigt etwa der Musikkauf. Es ist legal, eine Schallplatte, eine CD oder DVD zu kaufen und sie im Web zu verkaufen. Wer aber ein Musikstück weiterverkauft, das man sich in einem Online-Shop um 99 Cent heruntergeladen hat, kann aber ebenso geklagt werden, wie jemand, der ein privates Urlaubsvideo auf YouTube stellt, auf dem im Hintergrund ein Popsong zu hören ist.

Nichts ist erlaubt
Das gegenwärtige Urheberrecht führt zu einer „Kultur der Abschottung“, weil praktisch nichts mehr erlaubt ist. Ziel eines neuen Urheberrechts muss sein, einerseits den eigentlichen Urhebern wirklichen Schutz zu bieten und andererseits den Nutzern zeitgemäße Möglichkeiten zur Teilhabe an der Wissensgesellschaft einräumen. Denn auch die Interessen an der Nutzung von Inhalten muss im digitalen Zeitalter geschützt werden.

Die Macht der Masse
Die Verlage, Musik- und Filmindustrie geben zwar zig Millionen für Lobbying aus, um Gesetze wie das SOPA durchboxen zu können, doch in Zeiten des Web 2.0 sollten sie die "Macht der Masse" (© James Surowiecki) nicht unterschätzen. Die hat schon Regierungen zu Fall gebracht, warum auch nicht eine oder mehrere Branchen.

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(futurezone) Erstellt am 18.01.2012, 06:05

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