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Urheberrecht

Demos für und gegen Festplattenabgabe

Rund 350 Demonstranten, darunter viele Künstler, nahmen am Mittwochnachmittag an einem Protestmarsch für eine Festplattenabgabe teil. Sie fordern die gesetzliche Verankerung der Festplattenabgabe. In den Abendstunden hielten auch die Abgabe-Gegner und Befürworter einer Urheberrechtsreform einen Protestmarsch ab. Die Abgabe gilt als heiß umstritten.

"Wer Kunst will, soll sie bezahlen" oder auch "Festplattenabgabe jetzt", war am Mittwoch auf Transparenten zu lesen. Die Befürworter der Festplattenabgabe - insgesamt riefen 27 Künstler- und Interessenverbände zur Teilnahme an der Demonstration auf - machten sich für ihr Anliegen stark. Vom Schwarzenbergplatz über das ORF-Funkhaus, dem Bildungszentrum der Arbeiterkammer (AK) bis zur Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) wanderten die rund 350 Demonstranten. „Die Lage ist ernst, aber nicht unabänderlich ernst", sagte Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren Autorinnen und einer der Organisatoren der Kundgebung.

Viele prominente Autoren wie Marlene Streeruwitz, Robert Schindel, Heinz R. Unger, Barbara Neuwirth, Sabine Gruber oder Gustav Ernst und Künstler und Kulturschaffende wie der Schauspieler Erwin Leder, der Musiker Wolfgang „Fadi" Dorninger oder der Regisseur Peter Gruber nahmen am Protestzug teil. Den Befürwortern der Abgabe geht es wie berichtet darum, dass die Erlöse der Leerkassettenvergütung, die es seit 1980 gibt, in den vergangenen Jahren von 18 Millionen Euro auf acht Millionen Euro geschrumpft sind. Als Kompensation fordern sie eine Abgabe auf Festplatten, denn der "heutige Konsument habe etwa 4300 urheberrechtlich geschützte Werke auf seiner Festplatte gespeichert", so Ruiss.

Gerhard Ruiss, einer der Organisatoren der Demonstration für die Festplattenabgabe Der Demonstrationszug Eine „feste Platte“ in Form einer massiven Steinskulptur von Ulrike Truger wurde vor dem Bildungszentrum der Arbeiterkammer (AK) mit einem Kran abgeladen. Heiße Botschaften waren auf so manchen Transparenten zu lesen festplattenabgabe APA/GEORG HOCHMUTHAPA9854386 - 17102012 - WIEN - ÖSTERREICH: 27 Künstler- und Interessenverbände haben für  Mittwochnachmittag zu einem Protestmarsch für eine Festplattenabgabe aufgerufen. Im Bild: Gerhard Ruiss, Geschäftsführer der IG Autoren Autorinnen, Vor dem WKÖ-Gebäude wurde aus Protest Elektronikschrott deponiert Festplattenabgabe "Kultur muss ein knappes Gut bleiben" stand auf einem Transparent Doch waren wirklich alle Teilnehmer der Demonstration "echt", oder gab es auch einige "Fake"-Demonstranten dazwischen?

Der Protestzug führte nicht ohne Grund zur Arbeitkammer (dort wurde eine Steinskulptur mit einem Kran aufgestellt) und zur Wirtschaftskammer (wo aus Protest Elektroschrott deponiert wurde), denn die beiden Organisationen lehnen eine gesetzliche Festschreibung der Festplattenabgabe ab. Die Arbeiterkammer betonte am Mittwoch, dass es eine gerechte Bezahlung für Künstler, genauso wie für alle anderen Ewerbstätigen, geben müsse, aber dass die Festplattenabgabe nicht der richtige Weg sei. "Es kann nicht sein, immer nur Tarife auf „neue" Speichermedien auszudehnen und nichts an zugrundeliegenden Strukturproblemen zu ändern. Das derzeitige Vergütungsmodell passt nicht mehr in unser digitales Zeitalter", heißt es seitens der Arbeiterkammer.

Gegendemo zum Justizministerium
Am Abend zog eine Gegendemo der „Initiative für Netzfreiheit", die vom Sitz der AustroMechana zum Justizministerium. Daran nahmen rund 50 bis 70 Personen teil. Ein Demonstrant berichtete auf Twitter: "Es herrscht eine friedliche, angepasst-unterwürfige, anonymous-occupy-artige Stimmung." Ein anderer Twitter-Nutzer fragte sich während des Demonstrationszugs: "Gilt die "Festplattenabgabe" auch fuer SSDs? Dann muesste sich auch für RAM gelten ..." Auch das Justizministerium, das von den Demonstranten gegen 19.30 Uhr erreicht wurde, wurde nicht zufällig als Ort für die Demonstration ausgewählt: Dort wird derzeit in Arbeitsgruppen eine Novelle des Urheberrechtsgesetzes erarbeitet.

Die Festplattenabgabe sei einseitig, nicht treffsicher und löse keine Probleme, argumentieren die Gegner. Man protestiere „gegen unausgegorene politische Schnellschüsse zugunsten von Partikularinteressen einzelner Interessensvertretungen. Eine Festplattenabgabe ist der falsche Weg, künstlerische Leistungen wertzuschätzen und künstlerische Existenz materiell abzusichern", so Markus Stoff von der "Initiative für Netzfreiheit".

"Euer Grammophon spielt unsere Festplatten nicht ab. Wozu dann abgeben?" war auf Transparenten der Abgaben-Gegner zu lesen "Kultur neu denken" lautete eine der Forderungen Der Demo-Zug startete bei der AustroMechana Die Demo endete vorm Justizministerium

Leser-Umfrage: 82 Prozent dagegen
Der Zwischenstand der Umfrage unter futurezone.at-Lesern: Sieben Prozent der futurezone.at-Leser sprechen sich für eine Festplattenabgabe aus, 82 Prozent dagegen. Eine Abgabe auf Internetanschlüsse fänden neun Prozent besser. Nur einen Prozent der Leser lässt die Diskussion um die Festplattenabgabe kalt.


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Tags: Österreich, Urheberrecht, demokratie, Galerien, Festplattenabgabe


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