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Internet-Überwachung "Die NSA kommt überall rein".

Der Sicherheitsexperte und PGP-Erfinder Phil Zimmermann war Anfang der Woche bei der Konferenz net:future an der Universität Wien zu Gast.
Der Sicherheitsexperte und PGP-Erfinder Phil Zimmermann war Anfang der Woche bei der Konferenz net:future an der Universität Wien zu Gast. - Foto: Paul Sakuma, ap
Was der US-Geheimdienst NSA mache, sei atemberaubend und habe selbst Sicherheitsexperten schockiert, sagt PGP-Erfinder Phil Zimmermann im Interview mit der futurezone.

Sie sind vor kurzem mit Ihrer Firma Silent Circle aus den USA in die Schweiz gezogen. Warum?
Phil Zimmermann: Wir haben die Schweiz gewählt, weil die Schweizer Verfassung ein Recht auf Privatsphäre garantiert. Uns hilft das, die Privatsphäre unserer Kunden zu schützen.

Das ist in den USA nicht mehr möglich?
Nein. Das rechtliche Umfeld in den USA ist schlecht für die Privatsphäre. Es gibt National Security Letters, mit denen wir zur Herausgabe der Daten unserer Kunden gezwungen werden könnten. Wir wurden zwar nie damit konfrontiert, haben uns aber dennoch entschieden in die Schweiz zu gehen.

Warum nicht in ein EU-Land?
In der EU gibt es viele Gesetze zur Vorratsdatenspeicherung. Das ist der Grund.

In den 1990er-Jahren gab es in den USA den Versuch den Export von Verschlüsselungssoftware zu verbieten und Hersteller zu Hintertüren zu zwingen. Die schließlich in den so genannten Crypto Wars gemündet sind. Jetzt werden wieder solche Rufe laut.
Es gibt einen neuen politischen Kampf wegen der Massenüberwachung. Wir dachten, wir hätten in den 90er-Jahren gewonnen. Die US-Export-Gesetze sind verschwunden.  Aber die NSA verfolgt eine sehr aggressive Strategie. Das hätten wir bemerken müssen. Wenn man zehntausende Mathematiker, Wissenschaftler und Ingenieure versammelt und ihnen eine Menge Geld gibt, dann können wirklich mächtige Dinge entstehen. Was die NSA macht ist atemberaubend. Die Enthüllungen von Edward Snowdern über die Internet-Überwachung zeichnen ein Bild, das unsere schlimmsten Befürchtungen übertroffen hat. Sie haben uns schockiert.

Internetunternehmen wie Google und Facebook haben nach den Snowden-Enthüllungen ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Sollten sie mehr tun?
Ja, sie müssen sich mehr bemühen, die Sicherheit zu erhöhen.

Der NSA ist es offenbar auch gelungen Verschlüsselung zu umgehen.
Die Snowden-Dokumente listen eine Reihe von Produkten auf, die von der NSA kompromittiert wurden. Meine Entwicklungen befinden sich aber nicht auf der Liste.

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Security concept: Silver C…
Foto: Maksim Kabakou/Fotolia
Sie haben in den 90er-Jahren das Verschlüsselungsprogramm PGP entwickelt, das noch immer als sicher gilt. Es ist aber sehr kompliziert. Der Durchschnittsnutzer haben damit Probleme.
E-Mail-Verschlüsselung ist sehr speziell, weil Sie die Schlüssel längere Zeit aufbewahren müssen.

Wird sie deshalb so selten genutzt?
Sie hätten vermutlich auch Schwierigkeiten Ihrer Mutter zu erklären, wie E-Mail-Verschlüsselung funktioniert.

Verwenden Sie noch E-Mail?
Ja, aber ich kann sie nicht mehr verschlüsseln, weil ich iPhones und iPads nutze. PGP funktioniert darauf nicht.

Was würden Sie zur sicheren Kommunikation empfehlen?
Sie können sichere Textnachrichten verschicken oder telefonieren. Es gibt eine Reihe von Produkten dafür, unter anderem auch von meinem Unternehmen.

Mit Ihrem Unternehmen Silent Circle wenden Sie sich vorwiegend an Unternehmenskunden?
Wir haben viele Unternehmenskunden, aber auch Privatkunden. Daneben nutzen auch viele Regierungen unsere Produkte und auch das Militär. Etwa die Eliteeinheit der US-Marine, die Navy Seals. Für uns ist es gut, dass wir solche Kunden haben, denn wenn wieder gefordert wird, dass Hintertüren in Software eingebaut werden, können wir damit argumentieren, dass die Navy Seals sichere Programme brauchen.

Sie haben auch das Blackphone, ein sicheres Smartphone, im Angebot. Ist es vor dem Zugriff der NSA sicher?
Wenn die NSA hinter Ihnen her ist, wird Sie auch das Blackphone nicht schützen. Sie finden immer einen Weg. Die NSA kommt überall rein.

Zur Person

Phil Zimmermann

Der US-Verschlüsselungsexperte entwickelte in den 1990er Jahren das E-Mail-Verschlüsselungsprogramm PGP (Pretty Good Privacy), das noch immer als sicher gilt. 2012 wurde er in die Internet Hall of Fame aufgenommen. Seine Firma Silent Circle bietet das Smartphone Blackphone und sichere Lösungen für Telefonie- sowie Video- und Textnachrichten an. Anfang der Woche war er bei der Konferenz net:future zu 25 Jahren Internet in Österreich an der Universität Wien zu Gast.

(futurezone) Erstellt am 04.06.2015, 06:00

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