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Berlin Experten fordern neues Urheberrecht.

Experten aus der Internet-Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Online-Szene setzen sich für eine flexible Nutzungsfreiheit im Rahmen einer angemessenen Verwendung („fair use“) ein.

Branchen-Experten haben sich in Berlin für ein komplett neues Urheberrecht für die digitale Welt eingesetzt. „Da hilft kein Anbau mehr, sondern nur noch ein Neubau“, sagte Till Kreutzer, Gründungsmitglied des Fachportals iRights.info beim Expertenkreis „Internet und Gesellschaft Co://aboratory“. Deutliche Meinungsunterschiede traten allerdings bei der Frage auf, welche Rolle künftig „Verwerter“, also beispielsweise Verlage oder Musik- und TV-Produzenten, künftig spielen sollen.

In einem Diskussionspapier verlangte die Mehrheit der Arbeitsgruppe, bei einem neuen Urheberrecht dürfe es keinen Vorrang der Rechteinhaber vor den Nutzern geben. Die Experten setzten sich für eine flexible Nutzungsfreiheit im Rahmen einer angemessenen Verwendung („fair use“) ein.

Vereinfachung der Regeln
Die derzeit geltende Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers bremse den Innovationsmotor aus. Die überlange Schutzdauer der Inhalte führe auch dazu, dass kulturell bedeutende Inhalte kaum genutzt würden, weil sie kommerziell irrelevant seien. Außerdem mahnten die Initiatoren eine deutliche Vereinfachung der rechtlichen Bestimmungen an. „Die Betroffenen sind derzeit von der Komplexität der Regeln einfach überfordert.“

In einem abweichenden Positionspapier wiesen Vertreter aus dem Umfeld der Verlags- und Musikindustrie darauf hin, dass es nicht nur darum gehen dürfe, die Rechte der Nutzer zu maximieren, sondern den Nutzen für die gesamte Gesellschaft.„Das ist nicht dasselbe“, sagte Robin Meyer-Lucht vom Autorenblog Carta, der auch als Berater für Zeitungsverlage arbeitet.

Creative Commons als Vorbild
Die Autoren um Meyer-Lucht verteidigten die lange Schutzdauer der Inhalte im deutschen Urheberrecht, da damit Investitionssicherheit hergestellt und die Existenzgrundlage der Urheber abgesichert werde. Aber auch sie setzten sich ebenfalls für eine Vereinfachung des Urheberrechts ein. So könne das freie System „Creative Commons“ ein Vorbild für die verständliche Ausgestaltung eines Urheberrechts sein.

Im Expertenkreis „Internet und Gesellschaft Co://aboratory“ diskutieren Fachleute und Aktivisten aus der Internet-Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Online-Szene über netzpolitische Fragen. Der Arbeitskreis wird von Google finanziell unterstützt. Auch die Wikimedia in Deutschland ist als gemeinnütziger Verein zur Förderung des freien Wissens, seit kurzem mit dabei.

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(dpa) Erstellt am 12.04.2011, 17:00

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