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Checkpoint

Flugsicherheit: Erste Tests mit Risikogruppen

Das Konzept

der IATA sieht vor, dass man künftig mit einer Kombination von Körper- und Gepäckscannern sowie einer Auswertung von biometrischen und Passagierdaten die Sicherheitskontrollen am Flughafen vereinfachen könnte. Dazu sollen Passagierprofile angelegt werden, anhand derer die Reisenden in drei Kategorien eingeteilt werden sollen. Je nach Risiko, sollen die Passagiere dann durch drei unterschiedliche Sicherheitsröhren wandern.

Während auf der "Future Security" in Berlin am Mittwoch gerade erste "Walk-Through-Szenarien für Körperscanner" vorgestellt worden sind, hat man in Belgien und Niederlande bereits beschlossen, das neue System auszuprobieren.

Belgien und Niederlande testen
Laut einem Medienbericht der belgischen Zeitung "nieuwsblad.be" will man am Flughafen in Brüssel Passagiere "auf eine neue Weise überprüfen". Das bestätigte das Kabinett des Ministers Etienne Schouppe gegenüber der Zeitung. Es sollen nicht alle Reisenden der gleichen Prozedur unterzogen werden, heißt es in dem Bericht. Die Einteilung von Risikogruppen sei angedacht.

Auch in den Niederlanden will sich die Fluglinie KLM zusammen mit dem Flughafen Schiphol auf das "internationale Experiment der Sicherheit für die Zukunft" einlassen. Laut einem Bericht der Zeitung "deVolkskrant" arbeitet KLM dabei mit Schiphol, dem Militär und dem nationalen Koordinator für die Terrorismusbekämpfung (NCTB) zusammen am Testszenario.

Laut "deVolkskrant" will dort die Fluggesellschaft die Passagiere direkt nach der Buchung der Tickets in verschiedene Risikogruppen einteilen. Ein genauer Starttermin für das Experiment sei noch nicht festgelegt worden, heißt es.

Österreich: "Nicht in naher Zukunft"
In Österreich sind vorerst keine Tests des neuen Checkpoint-Systems geplant. Am Flughafen Wien hieß es auf futurezone-Anfrage, dass man sich die Kontrollen nicht aussuchen könne. Aus dem österreichischen Innenministerium war in Folge zu erfahren, dass das ein "Zukunftsprojekt" sei, dessen Einsatz "in naher Zukunft in Österreich nicht geplant" sei.

Das Innenministerium zeigte sich allerdings auch erstaunt über die Ankündigungen von Tests, da es derzeit noch gar keine Geräte dafür am Markt gebe. Eine Gliederung in sogenannte Risikoklassen sei außerdem problematisch, so die Pressesprecherin zur futurezone. Man werde das Projekt allerdings weiterhin beobachten.

"Kein Unterschied bei Viel- oder Wenigfliegern"
Auch Alexander Sander, Gründer der Initiative NoPNR, hält nichts von einer Einteilung in Risikogruppen, die sich nach Viel- und Wenig-Fliegern richtet, um die Sicherheit von Flugreisen zu erhöhen. "Es sollte keinen Unterschied machen, ob jemand jeden zweiten Tag durch die Welt jettet, oder ob man einmal im Jahr in den Urlaub fliegt", so Sander. Wenn Vielflieger geringere Kontrollen durchlaufen müssen, werden auch Terroristen diesen Umstand ausnützen und viel fliegen, ist Sander überzeugt. So hätten beispielsweise auch die 9/11-Attentäter First Class-Tickets gekauft.

Neben dem Artikel 15 der EU-

, der besagt, dass eine Person "keiner sie erheblich beeinträchtigenden Entscheidung unterworfen werden (darf), die ausschließlich aufgrund einer automatisierten Verarbeitung von Daten zum Zwecke der Bewertung einzelner Aspekte ihrer Person ergeht", verstoße eine derartige Einteilung laut Sander auch gegen die Grundrechtscharta.

Konzept wird EU-Thema
Laut Sander gibt es zu den geplanten Testprojekten von Belgien und den Niederlanden eine Anfrage der europäischen Grünen im Europa-Parlament, denn genaueres darüber (etwa mit welchen Geräten und welchen Daten die Tests durchgeführt werden sollen) war bisher nicht in Erfahrung zu bringen. Derartige Tests würden allerdings unter "nationales Hoheitsrecht" fallen und eine Antwort der EU-Anfrage würde mitunter keine Details hervorbringen. "Langfristig wird dieses Konzept aber die gesamte EU betreffen", ist Sander überzeugt.

Sander wird am Samstag in Wien beim "Aktionstag für mehr Bürgerrechte" via Live-Schaltung aus Brüssel über die Fluggastdatenüberwachung referieren.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Vortragende. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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