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Open Data "Offene Daten im Parlament angekommen".

Foto: Parlamentsdirektion/Christian Hikade
Österreichische Nationalratsabgeordnete versprechen sich laut einer aktuellen Studie von der Öffnung von Verwaltungsdaten zur freien Nutzung durch Bürger und Wirtschaft vor allem mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung. Wirtschaftliche Auswirkungen schreiben die Volksvertreter nur eine geringe Bedeutung zu.

"Das Thema offene Daten ist im Parlament nicht mehr unbekannt, es ist kein Hauptthema, aber es ist angekommen", sagte Carl-Markus Piswanger von der Initiative Open3 am Donnerstag bei der Präsentation der Studie "Potenziale von Open Government für österreichische Natioanlratsabgeordnete" in Wien.

Die Initiative, die sich für die Freigabe nicht personenbezogener von Daten der öffentlichen Hand in Österreich einsetzt, hat alle 183 österreichischen Nationalratsabgeordneten eingeladen, an einer Online-Umfrage zum Thema Open Government teilzunehmen. 42 Abgeordnete beteiligten sich an der Erhebung. Der Großteil der befragten Abgeordneten sieht in der Freigabe von Regierungs- und Verwaltungsdaten zur allgemeinen Nutzung und Weiterverwendung vor allem politische Chancen.

Politische Chancen
Eine klare Mehrheit hält Transparenz für sehr wichtig oder zumindest für wichtig. Erstaunliche 17 Prozent messen der Transparenz hingegen kaum Bedeutung zu. Fast die Hälfte der Befragten gab an, dass Partizipation für sie sehr wichtig oder zumindest wichtig ist.

71 Prozent erwarten sich durch die Öffnung von Verwaltungsdaten mehr Verständnis für politisches Handeln, 57 Prozent sehen darin die Möglichkeit, Ergebnisse aus Politik und Verwaltung bewerten zu können und 41 Prozent versprechen sich von Open Data die Verdeutlichung sozialer Zusammenhänge durch Datenvisualisierungen. Die Stärkung des Wirtschaftsstandortes durch offene Daten, die von Experten immer wieder betont wird, sehen nur zwölf Prozent als zentral an.

Risiken von Open Data werden vor allem in der Missinterpretation von Informationen (55 Prozent) und der Vergrößerung der digitalen und sozialen Kluft gesehen (72 Prozent).

Mehrheit für vollständige, kostenfreie Freigabe
In Bezug auf die Art der Veröffentlichung sprechen sich 64 Prozent dafür aus, dass die Daten kostenfrei zur Verfügung gestellt werden sollen. 55 Prozent halten eine vollständige Freigabe nicht personenbezogener Verwaltungsdaten für sinnvoll, 31 Prozent votierten für die Veröffentlichung ausgewählter Daten.

Eine gesetzliche Regelung zu Open Data, entweder in einem eigenen Informationsfreiheitsgesetz oder in bestehenden Gesetzen befürworten 85 Prozent der befragten Nationalratsabgeordneten.

Breite Zustimmung aus der Politik
Die bei der Präsentation anwesenden Technologiesprecher von SPÖ, ÖVP, Grünen und BZÖ befürworteten unisono die Freigabe von Verwaltungsdaten. "Wir müssen versuchen, die digitalen Rohstoffreserven zu heben und zu Produkten zu entwickeln", sagte Kurt Gartlehner (SPÖ). Karin Hakl (ÖVP) verwies auf das große wirtschaftliche Potenzial offener Daten.

"Transparenz in der Verwaltung ist eine Grundlage für die Bürgerbeteiligung", sagte Ruperta Lichtenecker (Grüne). "Offene Daten können für die Gesellschaft viele Vorteile bringen, in der Bevölkerung müsse jedoch erst das Bewusstsein dafür geschaffen werden", meinte Rainer Widman vom BZÖ.

"Keine gmahte Wiesn"
Die Städte Wien und Linz kündigten für heuer bereits erste Initiativen zu Open Data an. Dabei sollen in einem ersten Schritt öffentliche Datenbestände, wie etwa Geodaten oder Stadtinformationsdaten, zur Weiterverwendung zur Verfügung gestellt werden, um etwa neue Anwendungen auf Basis der Daten zu ermöglichen. Die umfassende Freigabe von Verwaltungsdaten wird aber wohl länger dauern. Neben der Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen müssen auch Fragen des Datenschutzes und des Urheberrechts geklärt werden. "Das ist keine gmahte Wiesn", hieß es aus dem Publikum.

Budgetvisualisierungen und Datenlandkarten
Erste Beispiele für die Möglichkeiten von Open Data in Österreich stellt die Initiative Open3 auf ihrer Website bereit. Dort können etwa interaktive Budgetvisualisierungen abgerufen werden. "Sparmaßnahmen werden so leichter faßbar", erläutert Robert Harm von Open 3. Daneben betreibt die Initiative auch das Projekt Datamaps.eu. Das soll es auch Personen mit wenig technischen Vorkenntnissen ermöglichen, Datenlandkarten auf Basis ortsbezogener Daten zu erstellen. "Wir brauchen Tools für den Umgang mit Daten", erläutert Harm: "Die Leute sollen möglichst selbst Schlüsse ziehen können."

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Open Data Blog

Der freie Zugang zu nicht personenbezogenen Daten aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und seitens gemeinnütziger Organisationen in menschen- und maschinenlesbarer Form kann Gesellschaft und Wirtschaft grundlegend verändern und zum Motor für politische Transparenz, zivilgesellschaftliches Engagement und zur Entstehung neuer Start-ups und Arbeitsplätze werden.

Die futurezone will diese Entwicklung begleiten und startet am Freitag gemeinsam mit dem Open Knowledge Forum Österreich den Open Data Blog, in dem wir in loser Folge über aktuelle Entwicklungen rund um Open Data berichten und Beobachtungen und Analysen von Experten zu offenen Daten bereitstellen werden.

(futurezone) Erstellt am 28.04.2011, 14:00

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