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EU-Kommission Offene Daten sollen 40 Milliarden Euro bringen.

Foto: Thierry Roge, reuters
Die EU-Kommission erwartet sich durch die Öffnung von Verwaltungsdaten einen Wachstumsschub von 40 Milliarden Euro jährlich für die EU-Wirtschaft. Die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes will Behörden europaweit dazu verpflichten, nicht personenbezogene Verwaltungsdaten zur Weiterverwendung frei zu geben.

„Wir senden heute ein deutliches Signal an alle öffentlichen Verwaltungen. Ihre Daten sind viel mehr wert, wenn Sie sie weggeben", sagte EU-Kommissarin Kroes am Montag. "Für diese Informationen haben die Steuerzahler ohnehin schon bezahlt. Nun sollten wir sie wenigstens all jenen zurückgeben, die sie auf neue Art verwenden wollen, um den Menschen zu helfen und um Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen", so Kroes weiter. Aus den Daten sollen etwa Smartphone- und Web-Apps entstehen. Politik und Verwaltung sollen für EU-Bürger transparenter werden.

Die Datenfreigabe soll sich auch auf das Wirtschaftswachstum in der EU auswirken. Kroes bezifferte das Potenzial offener Verwaltungsdaten unter Berufung auf einer vor kurzem durchgeführten Studie mit 40 Milliarden Euro jährlich. Insgesamt könnten sich die direkten und indirekten wirtschaftliche Effekte offener Daten auf bis zu 140 Milliarden Euro jährlich belaufen, heißt es in einem am Montag von der EU-Kommission veröffentlichten Papier.

Open-Data-Portal startet im Frühjahr

Bei der Öffnung von Verwaltungsdaten will die EU-Kommission mit gutem Beispiel vorangehen und ein eigenes Daten-Portal schaffen, auf denen Daten der EU-Kommission veröffentlicht werden, hieß es in einer Mitteilung der Kommission. Das Portal wird im Frühjahr 2012 an den Start gehen und auch als einheitlicher Zugangspunkt für weiterverwendbare Daten aus nationalen Behörden der EU dienen.

100 Millionen Euro für Forschung
Daneben sollen EU-weit gleiche Wettbewerbsbedingungen für offene Daten geschaffen und bis 2013 100 Millionen Euro für Forschungen über bessere Technologien für den Umgang mit öffentlichen Verwaltungsdaten zur Verfügung gestellt werden.

Maschinenlesbare Daten
In dem von Kroes am Montag vorgelegten Vorschlag zur Änderung der EU-Richtlinie über die Weiterverwendung von Informationen des öffentlichen Sektors aus dem Jahr 2003 heißt es, dass grundsätzlich alle Dokumente von öffentlichen Stellen zugänglich gemacht und für kommerzielle und nicht-kommerzielle Weiterverwendung freigegeben werde sollen, sofern diese nicht durch Urheberrechte Dritter geschützt sind.

Die öffentlichen Stellen sollen dafür keine Gebühren verlangen dürfen, die über den durch die jeweilige Einzelanforderung verursachten Mehrkosten liegen. Sie werden verpflichtet, die Daten in maschinenlesbaren Formaten bereitzustellen. Die Freigabe der Daten werde einer unabhängigen behördlichen Aufsicht unterliegen, hieß es weiter. Die Richtlinie soll darüber hinaus auf Bibliotheken, Museen und Archive ausgedehnt werden. Die überarbeitete EU-Richtlinie soll 2013 in Kraft treten. Mitgliedsstaaten sollen dann 18 Monate Zeit haben, sie in nationale Gesetze zu implementieren

Neue Geschäftsmodelle und mehr Transparenz
Auf den offenen Verwaltungsdaten könnten neue Geschäftsmodelle rund um eine Reihe neuer Produkte und Dienstleistungen entstehen, so die EU-Kommission. Die Freigabe von Verwaltungsdaten führe zu mehr Transparenz und besseren poltiischen Entscheidungen.

Als Beispiel für neue Dienste auf Basis öffentlicher Daten führte die EU-Kommission etwa die Plattform It`s your parliament an, auf der das Abstimmungsverhalten von EU-Parlamentariern dokumentiert wird.

"Mutiger und deutlicher Schritt"
Die Ankündigung der EU-Kommision sei ein mutiger und deutlicher Schritt, sagte Martin Kaltenböck, Mitbegründer des Open Knowledge Forum Österreich, das auch die Initiative Open Government Data Austria (OGD Austria) betreibt: "Ich bin überzeugt, dass die Freigabe der Daten einen Mehrwert auslösen kann." Es werde eine Zeit lang dauern bis die Richtlinie umgesetzt sei, dann würden jedoch die gesamte europäische Volkswirtschaft und auch die einzelnen MItgliedsstaaten davon profitieren.

"Mit dem Schritt werden Datenangebot- und qualtiät breiter", sagt Kaltenböck: Damit werde es auch für die Wirtschaft interessant einzusteigen und die Daten zu verwenden: "Für die wirtschaftliche Nutzung ist das ein großer Schritt."

In Österreich haben im heurigen Jahr bereits die Städte Wien und Linz ausgewählte Verwaltungsdaten frei zugänglich gemacht. Salzburg und Graz wollen 2012 folgen. Auch ein Bundesportal für offen Regierungsdaten ist  geplant.

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(futurezone) Erstellt am 12.12.2011, 12:00

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