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Open Data "Offenheit hilft das Leben zu verbessern".

Foto: Rufus Pollock / Open Knowledge Foundation
Die britische Open Knowledge Foundation (OKFN) macht sich für Offenheit in allen Lebensbereichen stark - "von Sonnetten, Statistiken, Genen bis hin zu Geodaten" wie es auf der Webseite der gemeinnützigen Organisation heißt. Die futurezone hat mit Rufus Pollock, den Mitgründer der OKFN über offene Daten und neue Formen des Regierens gesprochen.

"Offenheit kann bedeutende Auswirkungen auf viele Bereiche unseres Lebens haben. Sie hilft uns dabei Wissenschaft, Forschung, Wirtschaft und Politik zu verbessern", sagt Rufus Pollock. Am Donnerstag ist der Mitgründer der britischen Open Knowledge Foundation (OKFN) und Verfechter offener Regierungsdaten bei der Open Government Data Konferenz 2011 in Wien zu Gast.

Die von ihm mitgegründete Open Knowledge Foundation hat in Großbritannien maßgeblich daran mitgewirkt, den Weg für die Freigabe von Regierungsdaten zu ebnen. So basiert etwa der Datenkatalog der britischen Regierung auf dem Comprehensive Knowledge Archive Network (CKAN) der gemeinnützigen Organisation. Mit  Where Does My Money Go, mit der britische Staatsbürger überprüfen können, wie ihr Steuergeld ausgegeben wird, hat die Open Knowledge Foundation eine Applikation entwickelt, die als Musterbeispiel für Anwendungen mit offenen Regierungsdaten gilt.

"Bessere Formen des Regierens"
"Wir leben in einer Informationsgesellschaft", sagt Pollock im Gespräch mit der futurezone. Daten seien darin zentral. "Offene Daten helfen uns  bessere Formen des Regierens zu finden." Es gehe nicht nur um den Zugang zu den Daten. Offeneheit beinhalte auch die Freiheit zur Weiterverwendung und Weitergabe der Daten. "Wir können Tools entwickeln, die es uns ermöglichen, mit den Daten zu interagieren, sie zueinander in Beziehung zu setzen und so die Komplexität der Daten leichter zu bewältigen." Offene Daten würden Bürgern die Teilnahme an politischen Prozessen ermöglichen, so Pollock:  "Die Leute können sofort mit den Daten arbeiten und Innovationen schaffen."

"Kombination aus verschiedenen Faktoren"
Dass Großbritannien, das bereits Anfang 2010 ausgewählte nicht personenbezogene Datenbestände aus der Verwaltung zur Weiterverwertung ferigab, bei der Öffnung von Verwaltungsdaten eine führende Rolle in Europa spiele, habe mit einer Reihe von Faktoren zu tun, so der Ökonom, der an der University of Cambridge forscht. Zum einen habe die Zivilgesellschaft viel vorangebracht. Großbritannien habe aber auch eine sehr aktive digitale Wirtschaft, die den Wert offener Daten zu schätzen wisse und sehr an diesen Daten interessiert war. Es habe auch viele Beamte gegeben, denen das Thema am Herzen lag. Aber auch der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, der die Regierung bei der Freigabe der Daten beriet, habe eine wichtige Rolle gespielt, so Pollock: "Es war eine Kombination aus verschiedenen Faktoren."

Mehrwert durch offene Daten
In der 2008 veröffentlichten und später aktualisierten Studie "The Economics of Public Sector Information" (PDF) untersuchte Pollock, wirtschaftliche Aspekte der Freigabe von Informationen des öffentlichen Sektors. Der kommerzielle und soziale Wert offener Daten sei weit höher als die Kosten, die eine Freigabe verursacht, sagt der Ökonom: "Das betrifft auch Einnahmeverluste aus dem Verkauf dieser Daten."

Durch die Öffnung von Verwaltungsdaten enstehe allein in Großbritannien ein Mehrwert von sechs Milliarden Pfund (6,8 Mrd. Euro). Die Zahle könne auch weit höher sein, meint Pollock: "Die Situation lässt sich mit den Anfängen der Software-Industrie vergleichen. In den 80er Jahren hat auch niemand deren Größenordnung abschätzen können. Ähnlich ist es mit der Datenindustrie. Sie hat ein hohes Wachstumspotenzial. Offene Regierungsdaten sind der Schlüssel, um dieses Potenzial zu heben."

"Keep it simple"
Verwaltungen, die an der Öffnung von Daten arbeiten, empfiehlt er, die Prozesse möglichst einfach zu gestalten - "Keep it simple." "Sie müssen nicht alle Daten sofort veröffentlichen. Es genügt mit einer kleinen Auswahl zu beginnen." Wichtig sei das Feedback und das Engagement der Community. Wettbewerbe seien eine gute Möglichkeit, um die Entwicklung von Applikationen zu stimulieren, sagt Pollock.

Um die Daten zu veröffentlichen, sei auch die Auswahl einer Lizenz zentral. Die Open Knowledge Foundation listet dazu unter opendatacommons.org eine Reihe von offenen Lizenzen auf und arbeitet auch an einem Handbuch für Open Data, in dem rechtliche, soziale und technische Aspekte freier Regierungsdaten diskutiert werden. Ein Entwurf ist unter opendatamanual.org abrufbar.

"Fantastische Anwendungen"
Heute gebe es bereits eine Reihe fantastischer Anwendungen für offene Verwaltungsdaten, sagt Pollock. Das Spektrum reiche von Routenplanern für Radfahrer oder Leute mit Handicaps bis hin zu Applikationen, die Auskünfte über die Tätigkeit von Abgeordneten geben und Projekten, bei denen offene Daten zur Verbesserung der Infrastruktur zur Anwendung kommen.

Ökosystem für offene Daten
Mit der zunehmenden Verfügbarkeit von Verwaltungsdaten sei es wichtig, ein Ökosystem offener Daten schaffen. "Wir müssen nach Möglichkeiten suchen, wie ein wirklicher Austausch zwischen der Verwaltung und Bürgern aussehen könnte. Wir wollen keine Einbahnstraße", so Pollock: Zentrale Fragen dabei seien: ""Wie lassen sich Fehler in den Daten korriegieren. Wie fließen Daten wieder an die Verwaltung zurück?"

Auf europäischer Ebene hofft Pollock, dass offene Daten breite Unterstützung finden.  "Jetzt geht es darum, rund um offene Daten eine Bewegung aus Bürgern, Unternehmen, Hackern, und Open-Data-Begeisterten zu schaffen."

Mehr zum Thema

Rufus Pollock wird am Donnerstag bei der Open Government Data Konferenz 2011 im Wiener Palais Strudlhof über ein Ökosystem für offene Daten sprechen.

(futurezone) Erstellt am 15.06.2011, 13:30

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