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Microsoft "Verwaltung kann mit Open Data viel gewinnen".

Foto: Patrick Dax
Mark Gayler ist bei Microsoft für Open Technologies und Open Data zuständig. Die futurezone befragte Gayler zu kulturellen Unterschieden bei der Freigabe von Verwaltungsdaten, Geschäftsmodelle mit offenen Daten und Cloud-Computing-Lösungen.

Offenheit zählt nicht zu den Eigenschaften, für die Microsoft bekannt ist. Zu Unrecht, wie Mark Gayler meint. "Wir haben auf unsere Kunden gehört und viel in die Offenheit und Interoperabilität unserer Technologien investiert", sagt der Open-Technology-Spezialist des Softwarekonzerns im Gespräch mit der futurezone. 

Mark Gayler, Microsoft
Foto: Patrick Dax

futurezone: Mr. Gayler, Sie sind bei Microsoft für offene Technologien und auch für Open Data zuständig. Können Sie ein Beispiel nennen, das veranschaulicht, was offene Daten leisten können.
Gayler: Kann ich zwei Beispiele nennen?

Klar.
Das erste wäre Eye on Earth , das ist ein auf offenen Daten basierender Dienst der von der europäischen Umweltagentur initiiert wurde. Dort werden unter anderem Daten zur Luft- und Wasserqualität in der EU veröffentlicht. Was ich daran mag ist, dass diese Applikation es ihren Nutzern auch ermöglicht, ihre eigenen Erfahrungen dazu einzubringen. Sie haben also die offiziellen Werte und sie haben die Erhebungen von Bürgern. Das ist ein großartiges Beispiel wie Regierungen sich mit Bürgern vernetzen und nicht nur die Qualtität des Dienstes, sondern etwa auch die Wasser- oder Luftqualität zu verbessern.

Und das zweite Beispiel?
Das zweite Beispiel ist die Open-Data-Initiative von Kolumbien. Kolumbien war nicht gerade für Offenheit bekannt. Mit der Freigabe von Verwaltungsdaten verfolgt die Regierung auch keine Eigeninteressen oder kommerzielle Absichten. Sie will aber damit der Bevölkerung beweisen, dass sie bereit ist sich zu ändern.

Sie sind weltweit mit Behörden in Kontakt. Sehen Sie Unterschiede wie Verwaltungen das Thema Open Government Data aufgreifen?
In den USA wurden Open Data von der Regierung gestartet und setzt sich nun auch zunehmend von den Bundesstaaten und auf lokaler Ebene durch. In anderen Ländern, etwa in Kanada, waren es die Kommunen, die Open Data aufgegriffen haben. Auch innerhalb der EU gibt es eine Mischung aus Top-down- und Bottom-up-Ansätzen. Ich sage nicht, dass ein Zugang besser ist als der andere. Es sind aber unterschiedliche Wege, die zu Open Data führen. Generell haben lokale Daten für mich als Individuum wohl mehr Relevanz. Nehmen wir etwa Daten zum H1N1-Virus. Nationale Statistiken können mir sagen, das es so und so viele Fälle im ganzen Land gibt. Wenn ich aber erfahre, dass es in der Schule, die meine Kinder besuchen, zwei Fälle gibt, hat das für mich eine ganz andere Bedeutung.

Welche Hindernisse sehen Sie für die Freigabe von Verwaltungsdaten?
In Zeiten von Budgetkürzungen schrecken viele Verwaltungen vor Investitionen zurück. Cloud Computing würde hier eine günstige Alternative bieten. Es ist auch wichtig, das Interesse der Entwickler an den Daten zu wecken und ihnen die Daten ohne Hürden zur Verfügung zu stellen. Es gibt auch aus der Sicht von Verwaltungen Bedenken. Das betrifft vor allem die Sicherheit und den Datenschutz. Wenn wir von Open Data sprechen, sprechen wir von Daten, die keinerlei persönliche Informationen enthalten. Es sind Rohdaten. Aber es gibt dennoch Skepsis. Die Verwaltung kann mit Open Data viel gewinnen, die Risiken sind relativ gering.

Open Data wird auch ein großes wirtschaftliches Potenzial zugeschrieben. Wer profitiert davon?
Das sind etwa Unternehmen, die mit freigegebenen Verwaltungsdaten ihre eigenen Angebote verbessern und neue Services anbieten können. Open Data sind auch eine fantastische Inspirationsquelle für Entwickler, die darauf aufbauend Anwendungen und Dienste schaffen können. Und natürlich kommen die Daten auch den Bürgern selbst zugute. Sie wollen mehr Transparenz und eine bessere Beziehung zur Verwaltung. Sie wollen wissen, wie Entscheidungen getroffen werden und welche Auswirkungen diese Entscheidungen auf sie haben. Sie profitieren von Anwendungen auf Basis offener Daten.

Welche Geschäftsmodelle sehen Sie für Software-Unternehmen wie Microsoft?
Die Geschäftsmodelle sind sehr unterschiedlich. Software-Unternehmen könnten etwa Programme für Open-Data-Portale anbieten und Verwaltungen dabei helfen, ihre Daten aus ihren Prozessen zu extrahieren und anderen kostengünstig zur Verfügung zu stellen. Für Microsoft ist es sehr einfach. Es geht um die Cloud und wie wir Organisationen dazu bringen können, unsere Cloud-Angebote zu nutzen. Die Cloud ist eine großartige Plattform für Open Data und Open-Data-Initiativen, die offen und kostengünstig ist.

Microsoft ist nicht unbedingt für seine Offenheit bekannt. Haben die Verwaltungen ihnen gegenüber ideologische Vorbehalte?
So etwas gibt es natürlich. Aber Microsoft hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wir sind offener geworden. Wir haben auf unsere Kunden gehört und viel in die Offenheit und Interoperabilität unserer Technologien investiert. Wir arbeiten auch weiterhin hart daran, dem Vorurteil zu begegnen, dass unsere Technologien nicht so offen sind wie sie sein könnten.

Behörden stehen Cloud-Lösungen eher skeptisch gegenüber.
Es gibt Zögern Cloud-Lösungen einzusetzen. Ich verstehe auch, dass vor allem Verwaltungen Vorbehalte haben. Sie zählen nicht zu den Early Adopters und warten lieber ab, wie sich Lösungen bewähren.  

Die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes hat vor kurzem eine europäische Cloud-Strategie angekündigt. Anbieter sollen dabei gemeinsame Standards entwicklen. Welche Punkte sind für sie dabei zentral?
Offenheit und Interoperabilität sind zentrale Punkte. Auch die Datenportabilität ist wichitg. Die Nutzer sollen ihre Daten auch problemlos wieder mitnehmen können, wenn sie den Anbieter wechseln wollen.

Mehr zum Thema

Zur Person:
Mark Gayler ist Open Technology Specialist bei Microsoft.  Bei einer Konferenz zum Thema Open Government Data in Wien referierte er vor kurzem über Offene Daten und Cloud-Computing.

(futurezone) Erstellt am 28.11.2012, 06:00

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