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Boykott Wikipedia: Jimmy Wales stellt sich gegen ACTA.

Foto: Jakob Steinschaden
"Hoffentlich unterzeichnet das EU-Parlament ACTA nicht.“ Mit dieser Aussage warnte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales im Rahmen der DLD-Konferenz vor dem Antipiraterie-Abkommen. Er verlangte eine rationale Auseinandersetzung mit dem Problem nicht lizensierter Downloads und appellierte an die Unterhaltungsindustrie, bessere Dienste im Netz bereitzustellen.

„Der Blackout war ein Riesenerfolg“, resümierte Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die Protestaktion der Online-Enzyklopädie gegen das in Planung befindliche US-Gesetz SOPA in der vergangenen Woche. Wales ist derzeit Gast der DLD-Konferenz in München. „Das ist das erste Mal, dass Wikipedia politisch aktiv geworden ist.“ Wales sagte, er hätte die Idee lediglich der Wikipedia-Community vorgeschlagen, entschieden hätte dann sie. Als Non-Profit-Organisation hätte man das Blackout durchführen können. „Wenn Google so etwas machen würde, würde sie das Millionen Dollar kosten.“

Warnung vor ACTA
Anschließend warnte Wales vor dem Antipiraterie-Abkommen ACTA, das demnächst auch von Österreich unterzeichnet werden soll (die futurezone berichtete) und dem noch das EU-Parlament zustimmen muss. „Viele Menschen sind wegen ACTA besorgt“, so Wales. „Ich hoffe, dass das EU-Parlament dem Abkommen nicht zustimmt.“

Wales verlangte eine vernünftige Auseinandersetzung mit Urheberrechtsverletzungen im Netz. Von der Idee, Netzsperren einzuführen, müsse man sich verabschieden. Vielmehr Inhalteanbieter gefordert, ihr Angebot im Web zu verbessern. Was derzeit passieren würde – etwa DVDs mit Ländersperren – sei einfach nicht nutzerfreundlich. Deswegen sei es auch kein Wunder, wenn sich Millionen Internetnutzer Webseiten wie MegaUpload zuwenden würden. Die Rechteinhaber würden sich ein Millionengeschäft entgehen lassen, da die Nutzer große Bereitschaft hätten, für gute Services zu zahlen.

Kritik an US-Politik
In Richtung Washington äußerte Wales scharfe Kritik. „Wir als Bürger zahlen den US-Kongress, und sie erledigen nicht ihren Job. Das ist widerlich“, so der Wikipedia-Gründer. Die Politik wäre besser beraten, sich Gesetze im Sinne der Bürger zu überlegen. Gesetze wie SOPA würden außerdem nicht nur die USA betreffen, sondern die ganze Welt. Ausländische Firmen könnten so leicht von ihren Einnahmequellen abgeschnitten werden, zudem wären US-Gesetze leicht andere Staaten zu ähnlich restriktiven Regeln inspirieren.

Unterstützung erhielt er von Pavel Durov, dem CEO des russischen Online-Netzwerks Vkontakte. Der 27-Jährige Internet-Unternehmer kündigte an, Wikipedia eine Million Dollar zu spenden.

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(futurezone) Erstellt am 24.01.2012, 11:45

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