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SOPA Wikipedia schließt sich Internet-Blackout an.

Foto: Jakob Steinschaden
Am Mittwoch, dem 18. Jänner, werden Webseiten rund um die Welt offline gehen, allen voran die Online-Enzyklopädie. Sie wollen damit gegen das umstrittene US-Antipirateriegesetz SOPA ("Stop Online Piracy Act") protestieren. Der breite Widerstand konnte bereits erste Erfolge verbuchen.

Es wird eine der größten Protestaktionen, die im Internet jemals stattgefunden haben: Am Mittwoch, dem 18. Jänner, werden verschiedenste Webseiten nicht wie gewohnt erreichbar sein. Allen voran die Online-Enzyklopädie Wikipedia: Ihre US-Version wird 24 Stunden offline gehen, wie die Community beschlossen hat. Die deutsche Ausgabe von Wikipedia wird einen Banner mit einem Informationstext zu der Protestaktion einblenden. Das Ziel des Blackouts, den der Social-News-Dienst Reddit mit 32 Millionen Nutzern initiiert hat: Man will damit gegen ein geplantes Antipiraterie-Gesetz in den USA, den "Stop Online Piracy Act” (SOPA), protestieren. Die Botschaft dürfte bereits angekommen sein: Im US-Kongress wurde der umstrittene Gesetzesentwurf am Montag auf die lange Bank geschoben.

Twitter-Gründer Dick Costolo kritisierte das Blackout auf Twitter, kurz nachdem Wikipedia-Gründer Jimmy Wales die Teilnahme der Online-Enzyklopädie an der Aktion verkündete.

Gefahr für die Meinungsfreiheit
SOPA soll künftig Rechteinhabern ermöglichen, die nicht lizensierte Verbreitung ihrer Werke (z.B. Musik, Filme, Fotos) im Internet zu verhindern. Unterstützung findet der Gesetzesentwurf vor allem bei großen Medienkonzernen, der Film- und der Musikindustrie. Die Gegner von SOPA sehen in dem Gesetz aber nicht bloß ein neues Mittel, Urheberrechtsverletzungen im Netz zu bekämpfen, sondern viel mehr als Zensur und eine Gefahr für Meinungsfreiheit im Web. "SOPA würde die Internetnutzung, wie wir sie kennen, fundamental verändern und Millionen unschuldiger Nutzer bestrafen, die nie auch nur an eine Copyright-Verletzung gedacht haben”, so die US-Bürgerrechtsorganisation EFF in einem Blog-Eintrag.

Weitreichende Auswirkungen

Mit dem Blackout wollen die Gegner demonstrieren, welche Auswirkungen das US-Gesetz auf den Internet-Alltag hätte. Neben Reddit unterstützt auch das Hacker-Kollektiv Anonymous die Proteste, zudem tauschten bereits zehntausende Nutzer von Facebook und Twitter ihre Profilbilder gegen Anti-SOPA-Banner aus. Auch sie wollen auf die weitreichenden Konsequenzen von SOPA aufmerksam machen.

Dienste wie Facebook oder YouTube müssten jeden von Nutzern hochgeladenen Inhalt (Video, Foto, Link) kontrollieren, ob er nicht das Urheberrecht verletzt, Google dürfte keine Webseiten in den Suchergebnissen führen, die einmal mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. "Das würde Links und die fundamentale Struktur des Internet selbst kriminalisieren”, kritisierte etwa Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt. Weitere Effekte: Enthüllungs-Plattformen wie WikiLeaks oder Software, die Netzaktivisten zur Wahrung ihrer Anonymität verwenden (z.B. Tor), würden illegalisiert werden.

Protest auch in Österreich

Weil SOPA auch Auswirkungen auf die Internetnutzung außerhalb der USA hätte, haben sich auch in europäische Webseiten dem Blackout-Tag angeschlossen. So wird das Wiener Internet-Start-up EgoArchive am 18. Jänner offline gehen, "um zu zeigen, dass uns die Gesetzgebung in den USA auch sehr stark betrifft", so EgoArchive-Gründer Gerald Bäck. Außerdem werden der deutsche, sehr populäre Blog Spreeblick sowie das englischsprachige Online-Magazin BoingBoing einen Tag "schwarz machen”.

Die breite Front gegen SOPA hat am Wochenende sogar die Obama-Regierung zu einem Statment veranlasst. Aus dem Weißen Haus hieß es, dass die US-Regierung keine Maßnahmen unterstütze, die die Meinungsfreiheit einschränken sowie technische Innovationen hemmen. Denn auch das wird von den SOPA-Gegnern ins Feld geführt: Risikokapitalgeber wollen nicht mehr in Internet-Start-ups investieren, weil SOPA den Betrieb extrem verteuern würde.

Verfasser des Gesetzes rudert zurück

Mittlerweile hat sogar der Verfasser des Gesetzesentwurfs, der texanische Abgeordnete Lamar Smith, Zugeständnisse an die Kritiker machen müssen und in Aussicht gestellt, die geplante Blockade von Webseiten wieder aus dem Gesetz zu streichen. Denn wie drastisch SOPA das Internet verändern würde, musste Smith am eigenen Leib erfahren: Das Magazin Vice deckte auf, dass auf Smiths Webseite www.texansforlamarsmith.com selbst eine Urheberrechtsverletzung bei einem verwendeten Foto passiert war - wäre SOPA bereits in Kraft, wäre die Webseite wohl offline genommen worden.

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(futurezone) Erstellt am 16.01.2012, 20:00

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