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Umstellung Alle Bankomatkarten bekommen NFC-Funktion.

Foto: Maestro PayPass
In Österreich wird es künftig möglich sein, mit der Bankomatkarte Beträge unter 25 Euro kontaktlos zu bezahlen. Das bedeutet, dass man die Karte nur kurz an ein Kassen-Terminal halten und keinen PIN-Code eingeben muss. Viele heimische Banken führen diese neue Funktion im Laufe des Jahres 2013 ein, ohne Kunden eine Wahl zu geben. Die futurezone hat nachgefragt, wann die neuen kontaktlosen Karten erhältlich sein werden.

Jeder kennt das: Man steht im Supermarkt oder beim Bäcker und die Schlange an der Kassa ist endlos. Manche suchen dann gefühlte Stunden nach dem passenden Kleingeld, andere zücken im Schneckentempo ihre Bankomatkarte und tippen gemütlich den PIN-Code ein. Beide Vorgänge dauern in der Regel rund 30 Sekunden. Diese Wartezeit soll künftig verkürzt werden, in dem Menschen kontaktlos bezahlen können. Maximal fünf Sekunden soll der Bezahlvorgang dann dauern. Möglich wird dies durch die Near Field Communication (NFC)-Technologie, die es ermöglicht, dass Daten über kurze Strecken von bis zu zehn Zentimeter kontaktlos ausgetauscht werden können. Das heißt, dass die Antenne in der Karte mit dem Kassen-Terminal drahtlos kommuniziert.

Neue Karte kommt fix
Visa und MasterCard bieten mit PayWave und PayPass in Österreich bereits Kreditkarten an, mit denen man kontaktlos zahlen kann. Der Technologie-Provider Payment Services Austria (PSA) hat nun  offiziell angekündigt, dass demnächst die Bankomatkarten in Österreich mit dieser "Kontaktlos-Funktion", die offiziell mit dem PayPass-Logo versehen ist, aufgerüstet werden. Jede Bank entscheidet allerdings selbst, wann es soweit ist und wie sie ihre Kunden über die neuen Möglichkeiten aufklärt. Bei den Banken herrscht dabei keine Einigkeit.

Erste Bank und Raiffeisen als Vorreiter
Die Erste Bank erklärt gegenüber futurezone.at, dass sie bereits ab April 2013 neu ausgestellte Karten mit den Funktionen PayPass sowie Quick-Kontaktlos (funktioniert wie Quick bisher als Prepaid-Option, nur muss auch hier die Karte nicht mehr "gesteckt" werden) ausstatten werden. "Im Herbst wird die erste große Menge im Rahmen der jährlichen Kartenerneuerungen an Kunden ausgesendet. Bis 2015 werden alle Karten damit ausgestattet sein", erklärt Michaela Riediger von der Erste Group Bank AG. Auch Raiffeisen will den Roll-Out ab dem zweiten Quartal 2013 starten. Die Volksbank spricht von einer Einführung zum "frühestmöglichen Zeitpunkt im laufenden Tagesgeschäft".

Die Bawag P.S.K. sowie die Bank Austria werden erst ab Mitte des Jahres 2013 mit dem Roll-Out der Kontaktlos-Karten mit PayPass und Quick Kontaktlos starten. Die Bawag P.S.K. hat jedoch bereits einen Pilotbetrieb "auf größerer Basis" hinter sich. "Wir haben unsere Mitarbeiter eingeladen, sich an diesem Testbetrieb zu beteiligen. Insgesamt haben wir bisher rund 400 kontaktlose Bankomatkarten an Testuser ausgeben. Die NFC-Karten konnten entweder in hauseigenen Cafeterias oder bei bisher bestehenden 2000 NFC-Akzeptanzsstellen eingesetzt werden", erzählt Markus Gremmel, Bereichsleiter für den Zahlungsverkehr der futurezone.

NFC-Bankomatkarte
So sieht künftig eine NFC-Maestro-Bankomatkarte aus. - Foto: Maestro

Nur BAWAG P.S.K. lässt Kunden zwischen Karten wählen
Doch können sich Kunden eigentlich aussuchen, ob sie diese neue "Kontaktlos-Funktion" überhaupt auf ihrer künftigen Karte wollen? Von den fünf befragten Banken bietet lediglich die Bawag P.S.K. die Möglichkeit an, zwischen den beiden Kartenarten (mit und ohne NFC) zu wählen. "Es ist bis auf weiteres nicht vorgesehen im Rahmen des regulären und allgemeinen Kartentausches die Kunden unaufgefordert mit NFC-Bankomatkarten auszustatten. Nur Kunden, die dies explizit wünschen, erhalten eine neue NFC.Karte", so Gremmel.

Ganz anders ist das beispielsweise bei der Raiffeisen Zentralbank: "Künftig werden alle Bankomatkarten mit der PayPass-Funktion für kontaktloses Bezahlen ausgestattet sein. Ob der Kunde diese Funktion nützt, kann er selbst entscheiden. Wenn ein Kunde eine Bankomatkarte ohne NFC-Funktion wünscht, kann diese einfach deaktiviert werden", sagt Martina Schweighart-Cordova Velasquez von Raiffeisen. Auch bei der Erste Bank, bei der Bank Austria und bei der Volksbank werden die Bankomatkarten künftig "generell mit der Kontaktlos-Funktion ausgestattet".

Vier Millionen Karten bis Jahresende umgetauscht
Bis Jahresende sollen bereits vier Millionen Bankomatkarten mit NFC ausgestattet und im Umlauf sein, erzählt Rainer Schamberger von Payment Services Austria (PSA). Problematisch wird es allerdings nur dann, wenn die Kunden nicht ausreichend darüber informiert werden, dass sich hinter der neuen Kontaktlos-Funktionalität auch eine eigene Technologie - nämlich NFC - verbirgt. Schließlich können nicht nur die Karten-Besitzer, sondern auch potentielle Diebe mit der Karte kontaktlos zahlen - dies allerdings maximal vier Mal hintereinander, also bis zu einem Höchstbetrag von 100 Euro pro Karte. Die meisten Banken planen jedoch zeitnahe zum Roll-Out Informationskampagnen.

Obwohl die NFC-Karte wegen der Integration einer Antenne "minimal teurer" in der Herstellung ist als bisher, werden die Banken die Kartengebühren nicht erhöhen. Dies bestätigten alle fünf befragten Banken auf futurezone-Anfrage.

Umrüstung der NFC-Terminals entscheidend
Knackpunkt bei der Umrüstung auf NFC ist allerdings, ob es bis zum Sommer genügend Bezahlterminals bei den Händlern geben wird, denn kontaktlos Bezahlen kann man derzeit bei weitem nicht überall, sondern nur dort, wo das "PayPass"-Logo an den Kassen-Terminals zu sehen ist. Derzeit gibt es in Shops erst vereinzelt die Möglichkeit, kontaktlos zu zahlen z.B. in einigen Zielpunkt -, MPREIS - und Schlecker (künftig Dayli)-Filialen, bzw. per Quick-NFC bei Thalia . Jedoch zeigen bereits weitere große Handelsbetriebe sowie McDonald`s (der auch beim gescheiterten A1-Pilotprojekt dabei war) "Interesse" an der Umrüstung ihrer Terminals.

Neues Pilotprojekt bei REWE gestartet
"Wir loten gerade die Möglichkeiten des Kontaktlosen Bezahlens aus. Spruchreife Pläne, diese Bezahlform auch in den Handelsfirmen der REWE International AG in Österreich einzuführen, gibt es allerdings noch nicht. Zurzeit werden Gespräche geführt", heißt es offiziell seitens der Handelsgruppe REWE, zu der alle Merkur-, Bipa-, Billia- sowie Penny-Filialen gehören. Aus Branchenkreisen ist jedoch zu vernehmen, dass bei Bipa vor kurzem ein neues Pilotprojekt zum Thema "Mobiles Bezahlen per NFC" gestartet ist.

Das Bipa-Projekt ist das erste, das im Rahmen der PALOMA-Initiative angelaufen ist, erzählt eine mit der Situation vertraute Person der futurezone. Ab dem zweiten Quartal 2013 wird auch die NFC-Bankomatkarte in das virtuelle mobile Wallet eingegliedert werden. Man sei derzeit "mitten in der Umsetzung", so die Person. Die PALOMA-Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, das Bezahlen und die Verwendung von Kundenkarten mittels Smartphones durch die Etablierung einer offenen und interoperablen NFC-Infrastruktur zum Durchbruch zu verhelfen. Sie wird im Februar offiziell vorgestellt. Neben Bipa werden 2013 mit weiteren Projektpartnern aus Handel und Industrie Folgeprojekte umgesetzt. 

Laut dem Geschäftsfüher von Visa Europe in Österreich, Kurt Tojner, habe man bei VISA 25.000 Terminals identifiziert, die sich für das kontaktlose Bezahlen von kleinen Beträgen besonders eignen, etwa in Supermärkten oder Kopiershops. Diese sollen in den nächsten 18 bis 26 Monaten für NFC ausgerüstet werden.

Interoperabilität bei Terminals und Anbietern
Sie sollen laut Branchen-Insidern auch untereinander kompatibel sein - das heißt, die Terminals von den unterschiedlichen Anbietern wie Paylife, First Data oder Card Complete werden technisch dazu und der Lage sein, alle Maestro NFC-Bankomatkarten, sowie die Standards der Visa- und MasterCard-Kreditkarten, sowie etwaigige mobile Wallet-Lösungen fürs Smartphone, die in Zukunft ebenfalls auf uns zu kommen werden, zu akzeptieren. Denn auch die heimischen Mobilfunkbetreiber befinden sich mittlerweile in Gesprächen "auf einer Augenhöhe" und beginnen, sich gemeinsam zu positionieren. Um die NFC-Technologie am Markt zu etablieren, ist es nämlich wichtig, dass Konsumenten unabhängig vom Mobilfunkbetreiber und NFC-Gerät daran teilnehmen können.

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(futurezone) Erstellt am 23.01.2013, 06:00

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