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Google I/O 2012 Android: "Studien über Malware nur Panikmache".

Foto: futurezone
Im Rahmen der Google I/O vergangene Woche in San Francisco hatte die futurezone Gelegenheit mit zwei der führenden Köpfe hinter Googles Smartphone-Betriebssystem zu sprechen. Dabei verteidigten Hugo Barra und John Lagerling die Fragmentierung bei Android und holten kräftig gegen Anbieter von Sicherheitssoftware aus.

Was die Sicherheit der Apps betrifft, hat Android bislang nicht unbedingt den besten Ruf. Regelmäßig erscheinen Studien und Berichte, wonach im Google Play Store jede Menge Malware und Spam in Umlauf ist. Auch diverse IT-Experten sehen in Android-Apps eine größere Gefahr als vergleichsweise in iOS-Anwendungen. Grund dafür ist nicht zuletzt Androids offene Struktur, und anders als in Apples App Store wird bei Google kaum regulierend eingegriffen.

"Wir legen sehr viel Wert auf unsere Offenheit", sagt John Lagerling, verantwortlich für den Bereich Partnerships bei Android, im Gespräch mit der futurezone. Es sei eine große Herausforderung für Google, die richtige Balance zwischen eben dieser Offenheit und der Kontrolle der angebotenen Apps zu finden. "Bei unseren Cloud Services etwa greifen wir reglementierend ein, die Offenheit von Android wollen wir aber auf jeden Fall bewahren und nicht tot regulieren", betont Lagerling.

Barra/Lagerling
Hugo Barra und John Lagerling - Foto: Claudia Zettel

"Reine Panikmache"
Sein Kollege Hugo Barra, Chef des Android-Produktmanagements, geht angesprochen auf die mangelhafte Sicherheit von Android-Apps noch einen Schritt weiter und reagiert verhältnismäßig Harsch auf diesen Vorwurf. "Diese ganzen Berichte über Malware und unsichere Apps sind reine Panikmache von Security-Firmen. Die haben ein einziges Ziel und das ist, ihre Software zu verkaufen", sagt Barra zur futurezone. Es gebe zwar laufend Medienberichte darüber, aber "zeigen Sie mir jemanden, der wirklich schon zu Schaden gekommen ist", blockt der Android-Produktmanager die Frage ab und ergänzt: "Kaufen Sie ja keines dieser Produkte."

So einfach, wie Barra die Angelegenheit abtun will, ist es naturgemäß nicht. Zweifelsohne sind Studien von Sicherheitsfirmen mit Vorsicht zu genießen und der Einwand, dass diese ihre Produkte verkaufen wollen, wohl nicht von der Hand zu weisen. Dennoch werden immer wieder auch Fälle bekannt, wo Android-Nutzer tatsächlich aufgrund von betrügerischen Apps zu Schaden kommen. Im Juni etwa gab es einen Fall, bei dem eine Porno-App mit einem Virus in Japan in Umlauf gebracht wurde. Die App wurde 10.000 mal heruntergeladen, über 200 Menschen entstand infolge auch finanzieller Schaden.

Google ist sich der Problematik in Wahrheit wohl auch selbst bewusst. So wurden Anfang des Jahres etwa bessere Kontrollmechanismen eingeführt . Im Februar startete ein neues System, das die Apps im Google Play Store auf Schädlinge prüft. Darüber hinaus bemüht sich Google mit einer nicht näher erläuterten Kontrolle neu angemeldeter Software-Entwickler zu verhindern, dass bekannte Anbieter schädlicher Software unter anderem Namen wieder zurückkehren.

Fragmentierung: "Nicht jeder braucht die neueste Version"
Ein leidiges Thema im Zusammenhang mit Android ist die starke Fragmentierung, die immer wieder für Kritik sorgt - sowohl bei Entwicklern als auch bei Endkunden. Zwar geht die Auslieferung der neuen Versionen mittlerweile etwas zügiger voran - Ice Cream Sandwich ist inzwischen auf etwa elf Prozent aller Android-Geräte in Betrieb. Dennoch sorgen die vielen unterschiedlichen Geräte und in Umlauf befindlichen Android-Versionen immer wieder für Verzögerungen und stellen Entwickler vor größere Herausforderungen als dies bei dem geschlossenen System iOS der Fall ist. Hersteller und Mobilfunker schieben sich hier auch gerne gegenseitig die Schuld zu.

Um dem Problem etwas beizukommen, versucht Google ab der neuesten Version Jelly Bean nun, die Updates zu beschleunigen. Dafür werden den Entwicklern schon drei Monate vor dem Release die Platform Development Kits (PDK) zur Verfügung gestellt . "Die Developer können jetzt schneller reagieren, weil sie schon vor dem Launch vorarbeiten können", sagt Lagerling. Letztlich hänge viel von den Geräte-Herstellern ab, manche seien schneller, manche versuchten mehr eigene Anpassungen vorzunehmen, und seien daher entsprechend stärker in Verzug, so Lagerling weiter.

Hugo Barra stellt indes gleich ganz in Zweifel, ob überhaupt jeder Nutzer und jedes Gerät immer am aktuellen Stand sein müssten, nur weil Google eine neue Version von Android auf den Markt bringt. " Es gibt verschiedene Leute und verschiedene Geräte, es muss nicht jeder unbedingt das aktuellste OS haben", meint Barra. Es hänge oft vom Gerät ab, ob die aktuellste Version auch überhaupt sofort notwendig sei. "Man sollte gar nicht davon ausgehen, dass jeder Mensch auf der Welt die aktuellste Softwareversion braucht, nur weil wir das in der Tech-Welt von uns glauben oder es sofort haben wollen", sagt Barra. Die Kompatibilität nach unten bleibe trotzdem erhalten, wie er versichert.

Nexus-Marke
Mit dem Start von Googles erstem eigenen Tablet, dem Nexus 7 ( futurezone-Hands-on ), und dem Launch der Streaming-Lösung Nexus Q geht Google mit Android jedenfalls einen großen Schritt weiter in Richtung eigener Marke. Dies hat zum Vorteil, dass auf den Nexus-Geräten grundsätzlich die Stock-Version von Android verfügbar ist und Zwischenschritte wie diverse Hersteller oder Mobilfunker wegfallen - sofern man sich das Gerät direkt und offen kauft.

Dass damit andere Hersteller-Partner verärgert werden könnten, befürchten Barra und Lagerling nicht. "Wir haben immer mit unterschiedlichen Herstellern zusammengearbeitet und geben diesen auch Wahlfreiheit bei ihrer eigenen Android-Gestaltung in die Hände. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern."

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(futurezone) Erstellt am 05.07.2012, 06:00

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