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Smartphone Test BlackBerry Classic: Kim Kardashians neuer Dinosaurier.

Das BlackBerry Classic richtet sich an Fans der älteren BlackBerry-Modelle mit physischer Tastatur
Das BlackBerry Classic richtet sich an Fans der älteren BlackBerry-Modelle mit physischer Tastatur - Foto: Gregor Gruber
Mit dem Classic bringt BlackBerry ein Gerät für Puristen und Nostalgiker, die für eine physische Tastatur auf den Komfort eines modernes Smartphones verzichten können.

Mit dem BlackBerry Classic bringt das kanadische Unternehmen ein Smartphone mit physischer Tastatur. Nicht, dass das neu wäre. Bereits 2013 gab es das BlackBerry Q10, dessen Design sich an den alten Nicht-Touchscreen-Geräten orientierte. Allerdings war das den Fans des klassischen Keyboards nicht klassisch genug: Da das Q10 ohnehin einen Touchscreen hatte, wurde der „BlackBerry Belt“, und damit die physischen Tasten Senden, Menü, Zurück und Beenden sowie das Trackpad, eingespart.

Das BlackBerry Classic, das im Rahmen des Mobile World Congress 2014 noch als Q20 vorgestellt wurde, hat wieder den "BlackBerry Belt" – sehr zur Freude der Fans. Für alle anderen ist das Gerät kaum geeignet, wie die futurezone im Test festgestellt hat.

Wuchtig

Es ist nicht die Tastatur, die das Classic wie aus einer anderen Zeit wirken lässt. Mit 178 Gramm ist das Smartphone ungewöhnlich schwer für seine Größe. Auch die 10,2 mm Dicke ist für ein heutiges Premium-Gerät nicht wirklich angemessen. Dadurch wirkt das gesamte Gerät sehr wuchtig.

Ein Grund für das hohe Gewicht ist der breite Metallrahmen. Ein wenig unschön ist, dass dieser im unteren Bereich nicht durchgängig ist und deshalb zwei kleine Spalten zu sehen sind. Die nicht abnehmbare Rückseite ist aus strukturiertem Plastik, das leicht gummiert ist.

Tastatur

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Foto: Gregor Gruber
An der rechten Seite sind drei Tasten für Lautstärke rauf, runter und Stummschalten. Die Stummtaste ist standardmäßig mit dem Starten des BlackBerry Assistant belegt. An der Oberseite ist die Standby-Taste, die aufgrund der Breite des Smartphones nicht gut zu erreichen ist, wenn man das Gerät einhändig verwendet. Alternativ kann das Classic auch durch das Drücken des Trackpads oder das Wischen vom unteren Rand nach oben aufgeweckt werden.

Das Highlight des Classic ist natürlich die physische Tastatur. Wie beim Q10 sind die Tastenreihen gerade. So klassisch ist das Classic also dann doch nicht. Ältere BlackBerrys, wie auch Kim Kardashians geliebtes Bold, haben eine leicht nach oben geschwungene Tastatur. Der Vergleich hinkt übrigens nicht, sondern ist sogar vom Hersteller gewünscht: BlackBerry hat in seinem Blog einen Vergleich zwischen Classic und Bold 9900 gemacht.

Ob gebogen oder gerade: Die Tastatur ist immer noch gut zu tippen. Sobald man etwas schreibt, wird man vom vertrauten Klicken der Tasten in eine nostalgische Stimmung versetzt. Leider hat BlackBerry die Chance verpasst, die Tastatur zu verbessern. So gibt es zwar immer noch zwei Shift- aber nur eine Alt- und Symbol-Taste. Um Umlaute zu schreiben muss man das A, O oder U gedrückt halten und dann am Touchscreen den entsprechenden Buchstaben wählen. Ein schnelles Schreiben von Umlauten mittels der Alt- oder Sym-Taste ist nicht möglich.

Einhändig mit Gürtel

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Foto: Gregor Gruber
Im Vergleich zu anderen Smartphones ist die physische Tastatur des BlackBerry Classic flacher als ein Onscreen-Keyboard. Das ist Anfangs beim zweihändigen Thumbing ungewohnt. Gleichzeitig hat es aber den Vorteil, dass man auch einhändig locker alle Tasten erreicht.

Dasselbe gilt für die Tasten und das Trackpad des BlackBerry Belts. Dadurch kann das Classic (abgesehen von Third-Party-Apps) komplett ohne den Touchscreen bedient werden. Selbst die Multitouch-Gesten auf Websites kann man sich sparen, da der BlackBerry-Browser über einen gut funktionierenden Lesemodus verfügt, der über die Menü-Taste ausgewählt wird.

Die Steuerung mit dem Trackpad ist präzise, wenn auch nicht so schnell wie mit Wisch- und Fingergesten. Dafür kann das Classic so aber eben relativ problemlos einhändig bedient werden, was mit aktuellen Smartphones mit 5-Zoll-Displays nicht immer der Fall ist. Nutzt man auch den Touchscreen des Classic, ist es anfangs gewöhnungsbedürftig, dass die Tasten des BlackBerry Belt nicht kapazitiv sind. Sie sind zwar auf derselben Höhe wie das Displayglas, wie es bei den meisten Smartphones üblich ist, müssen aber richtig hinuntergedrückt werden, während bei kapazitiven Tasten eine leichte Berührung genügt. Unschön ist, dass die Senden-Taste nicht klickt, sondern beim Drücken knarrt.

Display

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Foto: Gregor Gruber
Das quadratische Display misst 3,5 Zoll und hat eine Auflösung von 720 x 720 Pixel. Das ergibt eine eher magere Pixeldichte von 294 ppi. Dadurch sehen Schriften weniger scharf aus, als man es von herkömmlichen, aktuellen Smartphones gewohnt ist. Da die per Design primäre Funktion des BlackBerry Classic das Lesen und Schreiben von Texten, Mails, SMS und anderen Nachrichtenformen ist, ist dies nicht optimal.

Die Form selbst ist kein Hindernis. Beim Browsen im Web und Lesen von Mails ist das quadratische Format nicht störend. Einige Android-Apps, die in das Format gestreckt werden, können seltsam aussehen. Wischt man von oben nach unten, kann man in einem Menü der App ein anderes Display-Verhältnis aufzwingen. So gibt es dann zwar schwarze Balken, aber weniger Verzerrungen.

Die Farbtemperatur des Displays kann in den Einstellungen justiert werden. Reinweiß wird es nicht, immerhin kann man sich aussuchen, ob man eher einen Blau- oder Gelbstich sehen möchte. Die maximale Helligkeit ist gut, es gibt keine automatische Helligkeitsanpassung. Auch eine Schnelleinstellung für die Helligkeit in der Status-Leiste gibt es nicht. Tippt man dort auf das Helligkeits-Icon, öffnet sich das normale Display-Einstellungs-Menü.

BlackBerry OS

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Foto: Gregor Gruber
Das Classic nutzt als Betriebssystem BlackBerry OS 10.3. Der Homescreen zeigt die zuletzt geöffneten Apps in einem 2 x 2 Raster. Anstatt Widgets gibt es Apps, die diese Thumbnail-Ansichten automatisch aktualisieren, ähnlich wie die Live-Kacheln bei Windows Phone.

Wischt man nach links wird der BlackBerry Hub geöffnet. Die Idee ist das hier neue Mails, Benachrichtigungen, Nachrichten von sozialen Netzwerken, SMS und Termine zusammenlaufen. Die Darstellung ist nicht besonders übersichtlich, besonders wenn Nachrichten aus mehreren Diensten gleichzeitig angezeigt werden. Wischt man nochmals nach links können die Quellen einzeln ausgewählt werden.

Das Bedienkonzept ist etwas inkonsequent. Im Lockscreen werden zwar Alarme und eingegangene Nachrichten angezeigt, ein Wischer nach links öffnet aber nicht den BlackBerry Hub. Stattdessen muss man erst das entsprechende Icon und dann die Nachricht doppelt tippen, um sie direkt zu öffnen.

Immerhin das Minimieren von Apps ist immer gleich: Einfach von unten nach oben wischen. Die Leiste mit den Schnelleinstellungen wird mit einem Wischer vom oberen Rand nach unten geöffnet. Ist eine App geöffnet, egal ob Spiel, Kalender oder Browser, muss die Wischgeste mit zwei Fingern gemacht werden, was unnötig umständlich ist. Will man die Akkuleistung in Prozent anzeigen, geht dies nur, wenn man im Homescreen nochmals vom unteren Rand nach oben wischt. Ein konstantes Einschalten der Prozentanzeige ist nicht möglich.

BlackBerry Assistant

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Foto: Gregor Gruber
Was bei Google Now und bei Apple Siri ist, ist bei BlackBerry der Assistant. Wird im Homescreen etwas auf der Tastatur eingegeben, werden sofort die passende Suchergebnisse angezeigt. Es wird alles durchsucht, von Kontakten über Nachrichten, bis zum Browserverlauf, Kalendereinträgen und verfügbare Apps.

Auch die Eingabe per Sprachbefehl ist möglich. Die Spracherkennung funktioniert sehr gut, Namen werden verlässlich erkannt. Per Sprache kann die Suche gestartet, SMS geschickt, Alarme eingestellt oder Kalendereinträge angelegt werden.

Mit BlackBerry Blend können Funktionen des Classic auf PC, Mac, Android-Tablets und iPads genutzt werden, wie der Kalender und die E-Mail-Funktion.

Leistung

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Foto: Gregor Gruber
Im Alltagsgebrauch bekommt man das Gefühl, dass das BlackBerry Classic nicht mit dem User mithalten kann. Die Kombination aus Tastatur- und Touchscreen-Eingaben ist flott, nur macht das Classic nicht in dieser Geschwindigkeit mit. Das Wechseln zwischen Menüs, das Laden der Apps, sogar das Öffnen einer Mail haben eine gewisse Trägheit. Selbst das Einschalten dauert, verglichen mit aktuellen Smartphones, ungewöhnlich lange.

Bei vielen 3D-Spielen, wie etwa Racing-Games, ist ein leichtes Ruckeln bemerkbar. Bei Android-Apps, die per APK installiert wurden, ist das Ruckeln stärker. Das Herunterladen von Android-Apps über den vorinstallierten Amazon Appstore hat nicht funktioniert – je nach App kam eine von drei verschiedenen Fehlermeldungen.

Bei normaler Nutzung hält der Akku einen Tag. Verzichtet man auf das Surfen im Web und beschränkt sich auf das Lesen und Senden von E-Mails, sind 1,5 Tage möglich.

Die Kamera nimmt Fotos mit maximal acht Megapixel auf. Der Autofokus ist langsamer als bei aktuellen Smartphones. Bei Low-Light-Aufnahmen tut er sich besonders schwer. Zudem zieht das Bild bei Schwenks hinterher und ruckelt. Bei Tageslicht gelingen gute Aufnahmen, bei Kunstlicht sind die Farben oft blass, es ist ein Bildrauschen zu sehen und die Fotos weisen eine leichte Unschärfe auf.

Fazit

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Foto: Gregor Gruber
Hat man vor gut acht bis zehn Jahren ein BlackBerry besessen, möchte man das BlackBerry Classic einfach gern haben. Aber selbst bei viel Liebe zur physischen Tastatur, Retro-Charme und nostalgischer Gefühle: Als Smartphone funktioniert das Classic nicht. Zu langsam, zu schwer, zu umständlich, fast möchte man sagen, es ist zu stur um zu erkennen, dass die Zeit von dedizierten E-Mail-Handys abgelaufen ist.

Als BlackBerry-Fan und Smartphone-Purist ist das Classic dennoch eine Versuchung wert. Man muss sich allerdings klar sein, dass man um die 429 Euro (UVP), die das Gerät kostet, deutlich leistungsstärkere und vielseitiger einsetzbare Smartphones bekommt. Für Kim Kardashian ist das natürlich kein Problem. Jetzt muss sie nicht mehr gebrauchte BlackBerry Bolds über eBay kaufen und horten, sondern kann sich eine Container-Ladung brandneuer Classics zulegen.

 

Disclaimer: Das Testgerät wurde freundlicherweise von A1 zur Verfügung gestellt.

Technische Daten

Modell:
BlackBerry Classic
Betriebssystem:
BlackBerry OS 10.3
Maße und Gewicht:
131 x 72,4 x 10,2 mm, 178 Gramm
Chipsatz, CPU:
Dual Core, Qualcomm MSM 8960 1,5GHz
RAM:
2 GB
Bildschirm:
3,5 Zoll, 720 x 720 Pixel, 294 PPI
Speicher:
16 GB (per microSD um bis zu 128 GB erweiterbar)
Kamera:
8 Megapixel Haupt, 2 Megapixel Front
Akku:
2.515 mAh
Sonstiges:
802.11 a/b/g/n, Bluetooth 4.0, Micro-USB 2.0, A-GPS, GLONASS, NFC
Preis:
429 Euro (UVP)

Produktwebseite des Herstellers

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(futurezone) Erstellt am 13.01.2015, 06:00

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