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Kamera-Test Canon EOS M im Test: Gute Fotos, fauler Fokus.

Foto: Gregor Gruber
Mit der EOS M bietet jetzt auch Canon eine Systemkamera an. Technisch entspricht sie weitestgehend der ausgezeichneten Spiegelreflexkamera EOS 650D, verpackt in einem kompakten Gehäuse. Eine echte Alternative zu DSLRs ist es aber nicht, wie die futurezone im Test festgestellt hat.

Mit Canon hat sich nun auch der DSLR-Marktführer dazu durchgerungen, eine Systemkamera zu veröffentlichen. Dass sich das japanische Unternehmen so lange Zeit gelassen hat – die erste Systemkamera (Panasonic G1) kam 2008 auf den Markt – könnte am größten Konkurrenten liegen. Nikons Erstlingswerk, die Nikon 1 von 2011, zeigte, dass ein DSLR-Experte nicht automatisch eine gute Systemkamera zu Stande bringt.

Dementsprechend vorsichtig reagierte die Canon-Community auch auf die Ankündigung der EOS M. Laut dem japanischen Unternehmen ist die Kamera aber ohnehin nicht primär für DSLR-Besitzer gedacht, die ein kleineres Modell suchen, sondern für User, die eine bessere Bildqualität wollen, ohne der Größe und dem Gewicht einer Spiegelreflexkamera.

Verarbeitung
Die EOS M ist in vier Farben verfügbar: Schwarz, Rot, Weiß und Grau. Während die schwarze Version leicht angeraut und griffig ist, sind die roten und weißen Varianten glatt und etwas rutschig. Die Auflagefläche für die rechte Hand an der Vorderseite wurde klein gehalten – wahrscheinlich, um den kompakten Look der Kamera zu erhalten. Ein sicheres Gefühl kommt so bei der roten und weißen Version nicht auf. Zudem sieht durch den Glanz-Look des roten und weißen Lacks die EOS M zu sehr nach günstiger Digicam aus, während sie in Schwarz durchaus die Optik eines Premium-Modells hat.

Das Gehäuse besteht aus „Edelstahl, Magnesiumlegierung und Polykarbonat mit Glasfaser". Es fühlt sich an wie ein mit Kunststoff beschichtetes Metallgehäuse. Durch das Gewicht von knapp 300 Gramm und den kompakten Maßen vermittelt sie einen robusten Eindruck, fühlt sich aber auch schwerer an, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Positiv ist, dass die gute Verarbeitung nicht beim Kamera-Gehäuse aufhört. Das Kit-Objektiv 18-55 mm fühlt sich massiv an, hat ein Metall-Bajonett und ist kein Vergleich zu dem üblichen 18-55 mm Kit-Objektiv von Canons DSLR-Kameras, das in etwa die Wertigkeit eines Joghurtbechers vermittelt.

Durch den generösen Einsatz an hochwertigen Materialen und den überraschend guten Kit-Objektiven – das 18-55 mm hat f3,5-5,6, das 22 mm Pancake eine Lichtstärke von f2,0 - ergibt sicht aber auch ein relativ hoher UVP. Mit dem 18-55er kostet die EOS M 849 Euro, mit Pancake und Objektiv-Adapter 979 Euro.

Bedienung
Die physischen Bedienelemente der EOS M sind auf das nötigste reduziert. Anstatt einem DSLR-ähnlichen Moduswahlrad gibt es rund um den Auslöser drei Einstellungen: die Vollautomatik, den Foto- und den Videomodus. Der manuelle Modus, Szenenmodi und die Zeit- und Blendenpriorität werden im Foto-Modus ausgewählt.

An der Rückseite gibt es ein Wahlrad, das gleichzeitig als Vier-Wege-Taste dient. Damit wird die Schnellwahl für die Serienbilderfunktion und Belichtungskorrektur aufgerufen, der Fokuspunkt zurück in die Mitte gesetzt und die Belichtung gespeichert (Stern-Taste). Eine Taste für den ISO-Wert oder Weißabgleich gibt es nicht. Diese Funktionen ruft man über das Quick-Menü ab (Weißabgleich) bzw. das umfangreichere Info-Menü (ISO). Auf eine Abblendtaste wird verzichtet – am Display ist immer die Live-Vorschau mit der maximal geöffneten Objektivblende zu sehen.

Der Auslöser ist weniger empfindlich als bei aktuellen Canon-DSLRs. Hat man nicht den direkten Vergleich, fällt dies aber nicht negativ auf. Um Videos aufzunehmen, gibt es eine eigene Taste an der Rückseite. Diese ist aber nur aktiv, wenn das Moduswahlrad auf dem Video-Modus steht – Im Foto-Modus kann man nicht damit ein schnelles Schnappschuss-Video aufnehmen. Fotografieren im Video-Modus ist möglich, jedoch sieht man dann im Videoclip für etwa eine Sekunde ein Standbild.

Touchscreen
Der Touchscreen mit seinen 1,04 Millionen Bildpunkten ist derselbe, der auch in der 650D verwendet wird. Er reagiert flott und präzise auf Eingaben, Multitouch-Gesten wie Pinch-to-Zoom und auch Wischbewegungen, sind möglich. Die Helligkeit ist auch bei starkem Tageslicht ausreichend, solange man gerade und nicht aus ungünstigen Winkeln auf das Display schaut. Im Gegensatz zur 650D ist der Bildschirm nicht dreh- und klappbar.

Beim Gebrauch der EOS M ist die Nutzung des Touchscreens optional. Alle Funktionen können über das Drehrad erreicht werden, allerdings dauert es mitunter länger als über den Touchscreen. So müsste man, um im Foto-Modus vom manuellen Modus auf Blendenpriorität zu wechseln, drei Mal die Info-Taste und einmal die Set-Taste drücken, um zur Moduswahl zu gelangen. Am Touchscreen reicht hierfür eine Berührung mit dem Finger aus.

Das Quick-Menü enthält die wichtigsten Einstellungen und ist übersichtlich gehalten. Zu den verschiedenen Funktionen, wie die Autofokusarten und Belichtungsoptimierung, wird zusätzlich ein kurzer Erklär-Text eingeblendet. Erweiterte Einstellungen ruft man per Menü-Taste ab. Dieses Menü sieht aus wie bei den Canon DSLRs.

Ausstattung
Der 18 Megapixel-Sensor und Digic 5-Prozessor der 650D findet auch bei der EOS M Verwendung. Im Gegensatz zur 650D schafft die EOS M aber nur Serienaufnahmen mit 4,3 Bilder pro Sekunde statt 5. Einen eingebauten Blitz gibt es nicht. Im Lieferumfang ist ein Ansteckblitz für den Blitzschuh vorhanden. Dieser ist leistungsstärker als die Einbau-Blitze anderer Systemkameras, dafür aber auch größer und sperriger.

Eine Möglichkeit einen elektronischen Sucher anzustecken, wie etwa bei den Olympus- und Panasonic-Systemkameras, gibt es nicht. Dafür gibt es aber einen 3,5 mm Klinkenstecker, um ein externes Mikrofon für Videoaufnahmen nutzen zu können.

Anstatt der üblichen Ösen am Gehäuse, um eine Schlaufe einzufädeln, hat die EOS M links und rechts einen Nippel. Hier werden die Metallhäkchen der Schlaufe eingehängt und mit einer 90-Grad-Drehung einer Schraube festgemacht. Der Vorteil: Die Schlaufe kann sehr schnell entfernt und angebracht werden. Der Nachteil: Schlaufen von Drittanbietern passen nicht.

Objektive
Wie bei den meisten Systemkameras üblich wird ein neuer, kleinerer Bajonett-Verschluss verwendet. Bei der EOS M heißt dieser EF-M. Derzeit gibt es nur das 18-55 mm und 22 mm Objektiv. Per Adapter (UVP 129 Euro) können auch EF- und EF-S-Objektive verwendet werden. Der Adapter ist zusätzlich mit einer Stativ-Montage ausgestattet, die komplett abgeschraubt werden kann, wenn sie nicht benötigt wird.

Da die EOS M einen Sensor im APS-C-Format hat (Nikon, Olympus und Pansonic nutzen kleinere Sensoren), bleibt auch der von Canon DSLRs bekannte Cropfaktor von 1,6 erhalten – egal ob man EF-M-Objektive oder den Adapter nutzt.

Bildqualität
Da der Sensor und Prozessor von der 650D stammen - die ausgezeichnete Bilder liefert - sind auch die Fotos der EOS M sehr gut. Sie sind detailreich und scharf, die Farben sind kräftig aber nicht unrealistisch übersättigt. Ist es dunkel, tendiert die EOS M in den Automatik-Modi zur Überbelichtung.

Der ISO-Wert kann auf bis zu 25.600 erweitert werden. In der 100-Prozent-Ansicht am Computer ist Rauschen ab ISO 1.600 bemerkbar und ab 3200 störend. 6.400 und höher sollte man nur im Notfall verwenden. Der automatische Weißabgleich liegt meistens richtig, bei Kunstlicht gibt es eine Tendenz ins Gelbliche.

Der Dynamikbereich ist nicht ganz optimal, helfen kann man sich mit der HDR-Gegenlicht-Funktion. Diese ist aber nicht justierbar, weshalb man in schwierigen Lichtsituationen auch damit nicht immer das gewünschte Resultat erzielt. Im Gegensatz zur 650D werden die Kreativfilter als Live-Vorschau am Display angezeigt. Im Vergleich zur Olympus Pen-Serie gibt es aber weniger Filter und die die es gibt, sehen nicht besonders gut aus. Gelungen ist aber der "körnige Schwarz-Weiß"-Filter.

Fauler Fokus
Auch das Autofokus-System stammt von der 650D – was in diesem Fall kein Vorteil ist. Selbst bei guten Lichtverhältnissen fokussiert die EOS M relativ langsam. Bis man Auslösen kann, können bei Tageslicht ein bis zwei Sekunden vergehen. Zu lange, um ein sich bewegendes Fotomotiv, egal ob es eine gehende Person oder ein am Hosenbein raufkletterntes Eichhörnchen ist, scharf abzulichten. Das gilt sowohl für die EF-M-Objektive als auch EF-Objektive, die mittels Adapter an der EOS M genutzt werden.

Am schnellsten wird mit dem mittel-ausgerichteten Einzelpunkt fokussiert. Bei großen, hauptsächlich einfärbigen Flächen (helle Wand, Himmel bei Landschaftsaufnahmen) muss man den Mehrpunkte-Fokus wählen oder denEinzelpunkt per Tipper am Touchscreen manuell zu setzen, damit verlässlich fokussiert wird. Im direkten Vergleich hat ein Samsung Galaxy SIII Smartphone in diesen Situationen schneller fokussiert als die EOS M.

Auch beim Nachfokussieren in Videos ist die EOS M eher langsam. Hier sollte man auch den mittel-ausgerichteten Einzelpunkt nehmen, da der Mehrpunkte-Fokus in Kombination mit dem Servo AF zu pumpen anfängt. Ansonsten ist die Videoqualität in Ordnung, hat aber den DSLR-typischen Rolling-Shutter-Effekt.

Langsamer Wechsel
Nicht nur der langsame Fokus ist ungewohnt für ein teures Canon-Produkt: Auch die gesamte Kamera scheint etwas träge zu sein. Bis man nach dem Einschalten das erste Bild gemacht hat, vergehen vier bis fünf Sekunden, bis das nächste Bild aufgenommen ist (wenn man nicht im Serienbildermodus ist), dauert es wieder drei bis vier Sekunden.

Schaltet man vom Automatik- in den Fotomodus oder umgekehrt, dauert es ebenfalls an die drei Sekunden – dazwischen wird der Bildschirm kurz Schwarz. Macht man eine HDR-Gegenlicht-Aufnahme, dauert es neun Sekunden, bis das Bild fertig verarbeitet am Display erscheint.

Die Akkukapazität ist nicht sehr rühmlich. Eine 4 GB Speicherkarte konnte an einem durchgehenden Testtag nicht vollgeknipst werden. Der 875 mAh Akku (650D = 1120 mAh) hält etwa für 250 Aufnahmen und zehn Minuten Video.

Fazit
Die EOS M ist mit einem derzeitigen Straßenpreis von 730 Euro (Kit mit 18-55 mm Objektiv) um gut 100 Euro teurer als die sehr gute DSLR 650D mit 18-55 mm Kit-Objektiv. Zwar ist das Kit-Objektiv der EOS M besser, doch in diesem Fall zahlt man hauptsächlich für die Miniaturisierung der 650D.

Die Bildqualität und Verarbeitung der EOS M stimmt, aber der langsame Autofokus kann für viel Frust sorgen, da Aufnahmen von sich bewegenden Objekten oft unscharf sind. Dieses Handicap macht die EOS M (mit Objektiv-Adapter) kaum als leichtes Zweitgehäuse für DSLR-Fotografen interessant – es sei denn diese haben sich auf Häuser, Landschaften oder andere starre Motive spezialisiert.

Mehr zum Thema

Modell:
Canon EOS M
Sensor:
18,5 MP  CMOS-Sensor, 18 MP effektiv
Videoaufnahme:
FullHD 30, 25, 24 fps
720p 60, 50 fps
640 x 480 Pixel
Serienaufnahme:
Bis zu 4,3 Bilder/s
ISO-Bereich:
100 bis 25.600 
Abmessungen:
108,6 x 66,5 x 32,3 mm, 298 Gramm (mit Akku und Speicherkarte)
Preis:
849 Euro mit 18-55 mm Objektiv und Ansteckblitz (UVP)
979 Euro mit 22 mm Objektiv, Objektiv-Adapter und Ansteckblitz (UVP)

(futurezone) Erstellt am 09.12.2012, 06:00

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