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Technikmesse CES: Smarte Autos stehlen Gadgets die Show.

Das BMW-Konzeptauto i Vision Future Interaction auf der CES
Das BMW-Konzeptauto i Vision Future Interaction auf der CES - Foto: AP/John Locher
Die Tech-Branche übt Druck auf die Auto-Konzerne aus. Mit Erfolg, denn viele Auto-Hersteller nutzen mittlerweile die Bühne der CES, um ihre Innovationen zu zeigen.

Vor ein paar Jahren war die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas noch die Messe, die von den größten Flat-TVs mit den höchsten Auflösungen dominiert wurde. Doch dieses Jahr ist alles anders: Elektro-Minivan, selbstfahrende Autos und digitale Assistenten für lange Fahrten sind 2016 die Stars der Messe für Unterhaltungselektronik. Was ist passiert? Einfach ausgedrückt: Die Technologie-Branche macht Druck auf die großen Auto-Konzerne. US-Hersteller Tesla leistet seit Jahren jene Pionierarbeit auf dem Gebiet der Elektroautos, die sich viele Konsumenten von Größen wie VW oder General Motors wünschen würden.

Und auch Google und Apple drängen zunehmend in den Automobil-Sektor vor. Während Google bereits mehrere selbstfahrende Autos zeigte, hält sich Apple mit seinen Plänen noch relativ bedeckt. Das wollen sich viele der alten Konzerne nicht gefallen lassen. Statt sich trotzig auf klassischen Automessen zu verkriechen, haben sie nun auf der CES, der größten Technologie-Messe der Welt, präsentiert, wie sie sich die Zukunft des Autos vorstellen.

Intelligenter E-Minivan

Volkswagen zeigte beispielsweise mit Budd-e ein ungewöhnliches Konzept, dessen Ideen aber schon ab 2019 in Serienmodellen zu finden sein könnten. Bei dem Minivan ist der flache Akku im Unterboden verbaut. Es kommen zwei Motoren mit einer Gesamtleistung von 305 PS zum Einsatz, die Reichweite soll bis zu 533 km betragen. Da Elektromotoren kleiner als Verbrennungsmotoren sind, kann auch der Innenraum größer gestaltet werden.

Der zusätzliche Platz wird etwa für ein 34-Zoll-Display an der Seite für die Fahrgäste genutzt. Der Fahrer selbst blickt auf ein Armaturenbrett voller Displays statt Räder und Tasten. Die Steuerung soll besonders intuitiv gestaltet werden. Die Tür kann mittels Wischgesten geöffnet werden und eine Sprachsteuerung im Innenraum erkennt Befehle. Sagt jemand auf der Rückbank etwa „Mir ist kalt“, kann Budd-e automatisch die Sitzheizung dort einschalten.

Volkmar Tanneberger, head of electric and electron
Foto: REUTERS/STEVE MARCUS
Einen Vorgeschmack auf die Sprachsteuerung soll es schon im Sommer geben. Bestimmte VW-Modelle erhalten dann eine verbesserte Sprachsteuerung, die mit dem Befehl „Hello Volkswagen“ gestartet wird - das erinnert an die Befehle "Hey Siri" und "OK Google", mit denen die Sprachassistenten von Apple und Google gestartet werden. Das Mikrofon kann auch zur Sprachverstärkung genutzt werden. Das Sprechen des Fahrers und Beifahrers wird auf die Lautsprecher der Rückbank übertragen. So sollen Gespräche mit Fahrgästen auf der Rückbank verständlicher sein und man muss sich nicht immer umdrehen, damit man akustisch verstanden wird.

Alles per Hand

Auch BMW beschäftigt sich mit neuen Bedienkonzepten. Anhand eines umgebauten i8 Spyder zeigte der Autohersteller ein neues Konzept, das schon bald in Serienfahrzeugen eingesetzt werden könnte. Dabei setzt man auf einen 21-Zoll-Panorama-Bildschirm, der per Gesten bedient wird. Bewegt man die Hand in der Luft nach links oder rechts, wird ein Menüpunkt markiert. Bewegt man die Hand leicht nach vorne, wird die Eingabe bestätigt. BMW beschreibt das „AirTouch“-System deshalb als „berührungslosen Touchscreen“.

In den nächsten Jahren soll auch ein smarter Motorradhelm von BMW serienreif werden. Dieser hat ein Head-Up-Display eingebaut, um den Fahrer im Sichtfeld Routenanweisungen, den eingelegten Gang oder die Geschwindigkeit anzuzeigen. Durch integrierte Kameras können Straßenschilder erkannt und auf gefährliche Situationen aufmerksam gemacht werden. Eine nach hinten gerichtete Kamera dient als digitaler Rückspiegel. In einer größeren Motorradgruppe kann der Helm sogar anzeigen, wo sich gerade die Freunde des Fahrers befinden.

Selbstfahrer

Während deutsche Auto-Konzerne in neue Bedienkonzepte investieren, wollen die asiatischen Autobauer vor allem bei selbstfahrenden Autos aufholen. Toyota will eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz für Autos investieren.

Gill Pratt, CEO of Toyota Research Institute, talk
Foto: REUTERS/STEVE MARCUS
Die Autos sollen lernen, auf unvorhergesehene Ereignisse richtig und für den Fahrer nachvollziehbar zu reagieren. So soll vor allem das Vertrauen der Passagiere von selbstfahrenden Autos gestärkt werden - viele Menschen fürchten sich, die Kontrolle über das Auto einem Programm zu übergeben. Für das Projekt hat sich Toyota James Kuffner geholt, der bei Google das Roboter-Programm geleitet hat.

Kia Soul EV selbstfahrend
Foto: Kia
Kia kann mit dem Soul EV bereits einen selbstfahrenden Prototypen vorweisen, der ab 2020 auf den Straßen des US-Bundesstaates Nevada getestet werden soll. Bis 2030 soll das System Serienreife erlangt haben. Der Prototyp kann schon jetzt auf der Autobahn mit 120km/h sicher fahren, überholen und bleibt bei Stoppzeichen und Ampeln stehen.

Roboterflotte

US-Riese General Motors will ebenfalls in das Geschäft mit den Roboter-Autos einsteigen und hat dazu 500 Millionen US-Dollar in den Fahrdienst Lyft investiert. Dieser konkurriert in den USA mit Uber. Das Ziel von General Motors und Lyft ist ein Netzwerk aus ständig verfügbaren Roboter-Autos aufzubauen. Der Kunde bestellt per App einen Wagen, gibt den Zielort ein und lässt sich vom selbstfahrenden Auto zum Zielort bringen. Lyft hofft innerhalb der nächsten zehn Jahre Roboter-Taxis einsetzen zu können.

Konkurrenz für Tesla

Aber auch Start-ups wollen für Furore sorgen. Das geheimnisvolle Start-up Faraday hat auf der CES erstmals ein Konzept des FFZero 1 gezeigt. Der Elektro-Sportwagen ist ein Einsitzer mit 1000 PS. Im Lenkrad ist ein Smartphone eingebaut. Ähnlich wie der Tesla S verfügt er über zahlreiche Sensoren, die später für autonome Fahrmanöver genutzt werden können.

Wie beim Tesla S ist wohl angedacht, regelmäßig Updates nachzureichen, etwa um später einen Autopiloten zu ermöglichen. Hinter Faraday steckt die chinesische Videostreaming-Firma LeTV. Die Pläne sind ambitioniert, in den USA will man für eine Milliarde US-Dollar ein Werk zur Produktion des Sportwagens bauen. Doch für die Revolution der Automobilbranche sollen Altbekannte sorgen: Im Team von Faraday finden sich mehrere Ex-Mitarbeiter von Tesla und BMW.

 

Weitere News, Hands-ons und Berichte zur CES 2016 gibt es hier.

Disclaimer: Redakteure der futurezone berichten vor Ort von der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Reisekosten werden von der futurezone GmbH selbst sowie von Samsung und Dolby übernommen.

(futurezone) Erstellt am 06.01.2016, 15:03

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