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Spiel Cure Runners im Test: Endzeit-Jump’n’Run aus Österreich.

Die Kampagne von Cure Runners führt unter anderem nach Rayne City, einer von Industrie geprägten Stadt
Die Kampagne von Cure Runners führt unter anderem nach Rayne City, einer von Industrie geprägten Stadt - Foto: Three Coins
Borderlands trifft auf Mirrors Edge: Die futurezone hat das kostenlose Jump'n'Run "Cure Runners" für Android und iOS getestet.

Sei es Borderlands, Fallout oder Rage, das Endzeit-Szenario war in den vergangenen Jahren in zahlreichen Blockbuster-Videospielen zu finden. Nun hat sich auch ein österreichisches Entwickler-Team am Szenario versucht und mit Cure Runners ein Jump’n’Run mit RPG-Elementen für Android und iOS veröffentlicht. Hinter dem Titel stehen der Spiele-Entwickler ovos und das Wiener Start-up Three Coins. Ovos, das vor allem für das international erfolgreiche Physik-Lernspiel Ludwig bekannt ist, übernahm die Programmierung des Spiels.

Three Coins sorgte für die Finanzierung des Projekts und forschte zum Thema Geld-Management, das ein zentrales Element des Spiels ist. Zusammengebracht wurden die beiden Teams von Doris Rusch, die auch die Idee zum Spiel hatte. Die Game-Designerin unterrichtet an der DePaul-Universität in Chicago und sorgte bereits mit Spielen wie Elude, in dem Depressionen spielerisch behandelt werden, international für Aufsehen. Die futurezone konnte das Spiel bereits ausführlich testen.

Kampf gegen die Zeit

Die Geschichte von Cure Runners dreht sich um das mysteriöse Elixier Cure, das auf der Pazifik-Insel “Raynebow Island” abgebaut wird. Cure scheint das Heilmittel zu sein, nach dem die Menschheit schon immer gesucht hat, denn die Insel wird von starken Pollenstürmen heimgesucht, die ohne Cure tödlich sein können. Dadurch ist Cure heiß begehrt und hat sich auch als Zahlungsmittel auf Raynebow Island etabliert. Das Geschäft mit Cure wird von der Raynecoat Corporation kontrolliert, gegen die sich aber bereits Widerstand formiert.

Der Spieler schlüpft in die Rolle der “Runnerin” Alice Stance. Ein Runner bewegt sich durch die vergiftete Zone, um dort Cure einzusammeln. Der Spieler erhält zum Anfang jedes Levels eine Gasmaske, mit der man sich eine Minute in der Zone aufhalten kann. Im Spielverlauf können weitere Gasmasken eingesammelt werden, die die verfügbare Zeit um je zehn Sekunden verlängern. Für jede Sekunde, die sich der Spieler ohne Gasmaske durch die Zone bewegt, werden 10 Einheiten Cure abgezogen. Die Gasmasken sind fair im Spiel verteilt, auch wenn das Zeitfenster hin und wieder recht eng gewählt ist. Das Spiel ist jedoch nicht so gnadenlos, dass bereits ein Fehler das Aus bedeutet.

Flotter Parcour-Modus

Spielerisch erinnert Cure Runners an den Smartphone-Ableger von Mirrors Edge, denn auch hier spielen Parcour-Elemente eine wichtige Rolle. Die Spielfigur bewegt sich von selbst, durch Wischen gegen die Laufrichtung wendet Alice. Um unter Hindernissen durchrutschen zu können, muss nach unten gewischt werden, Springen wird durch nach oben Wischen ausgeführt. Für einige Sprünge benötigt Alice zusätzlichen Schwung, den man durch schnelleres Laufen bekommt. Dazu muss einfach doppelt in die aktuelle Laufrichtung gewischt werden. Die Steuerung wird im Tutorial sehr gut erklärt, auch das Springen von Wänden geht mit etwas Übung recht leicht von der Hand.

Cure Runners
Foto: Three Coins
Die abgeschlossenen Missionen können in einem “Master-Modus” nochmals gespielt werden. Dabei müssen Schilde eingesammelt werden, die Erfahrungspunkte sowie Punkte für den persönlichen Highscore bringen. Die Aufgaben sind vielfältig, auch wenn dabei die Spielmechanik immer dieselbe bleibt. So müssen Fotos aufgenommen und Hinweise oder Bauteile gefunden werden, indem man die entsprechenden Symbole einsammelt. Werden zu wenige Objekte eingesammelt, das Ende des Levels aber dennoch erreicht, gilt die Mission als gescheitert und muss wiederholt werden.

Alles dreht sich um Cure

Immer wieder wird Alice mit scheinbar simplen Entscheidungen konfrontiert. Soll sie essen oder für eine Unterkunft bezahlen? Verzichtet man auf Essen, steigt das Risiko, dass Alice krank wird. Sollte Alice krank werden (die Wahrscheinlichkeit war nach einem Verzicht sehr hoch), muss sie 100 Einheiten Cure einnehmen. Eine Mahlzeit schlägt mit 50 Cure zu Buche. Wer lieber auf der Straße schläft, muss keine schwerwiegenden Folgen befürchten. In einer eigenen Unterkunft erhält der Spieler jedoch die Möglichkeit, seine Gegenstände zu färben, und man bekommt Zusatzaufträge, in denen Cure verdient werden kann. Ob dabei jedoch auch tatsächlich ein Gewinn herausschaut, hängt vom Geschick des Spielers ab.

Zudem werden Alice immer wieder Informationen angeboten, die weitere Details zur Geschichte verraten. Diese kosten einen geringen Betrag an Cure und sind nicht für das Vorankommen im Spiel erforderlich, geben der Geschichte jedoch mehr Tiefe. Hin und wieder bitten andere Mitspieler Alice um ein Darlehen, das Gewinn verspricht. Hier sollten allerdings die Vertragsbedingungen oder die jeweilige Geschäftsidee näher inspiziert werden, bevor man sich dafür oder dagegen entscheidet.

Cure Runners
Foto: Three Coins
Für etwas Frust sorgen hin und wieder Zufallsereignisse, die einiges an Cure kosten können. Spielt man zum Beispiel mehrere Missionen an einem Tag, steigt das Risiko einer Verletzung oder eines Überfalls, die 200 Einheiten Cure kosten. Mit Ausnahme des Cure-Verlusts hat eine Verletzung jedoch keine weiteren Auswirkungen auf das Spiel, es können weiterhin Missionen am selben Tag gespielt werden. Auch die Steuerung wird durch die Verletzung nicht beeinträchtigt, offenbar sorgt das Cure für die Heilung.

Charakter-Entwicklung

Nach jedem Level werden Erfahrungspunkte vergeben, wodurch der Spieler im Rang aufsteigt. Dafür erhält der Spieler Fähigkeiten, die vor dem Starten des Spiels gegen eine geringen Betrag von Cure eingesetzt werden können. So kann der Spieler zum Beispiel mit einer Fähigkeit Hinweise erhalten, wann er springen, ducken oder schneller rennen muss. Eine andere Fähigkeit ermöglicht wiederum den Blick auf eine Übersichtskarte sowie das Aufsammeln von weit entfernten Objekten. Einen Fähigkeiten-Baum, auf dem man selbst auswählen kann, in welche Richtung man sich verbessern möchte, gibt es jedoch nicht.

Cure Runners
Foto: Three Coins
Mit Gegenständen können zudem die Charakter-Werte von Alice verbessert werden. So kann sie mit bestimmten Gegenständen schneller beschleunigen, rutschen oder sich länger an der Wand halten. Die dafür erforderlichen Baupläne erhält der Spieler im Rahmen der Zusatzmissionen, für die Herstellung der Gegenstände wird dann nochmals Cure fällig.

Weltweiter Highscore

Die Kampagne führt den Spieler an 15 Tagen durch drei verschiedene Szenarien, die mit recht viel Liebe zum Detail gestaltet wurden. Zu Beginn läuft man noch durch die Wüste, darauf folgt ein Ausflug in die dystopische Stadt Rayne City sowie zum Abschluss durch den Dschungel, in dem man den Widerstand unterstützt. Je nach Geschick kann man für die Kampagne mit rund fünf bis sechs Stunden Spielzeit rechnen. Einige Missionen gegen Ende sind recht knifflig und erfordern etwas Übung. Zudem erschwert der Druck, ausreichend Cure für das Überleben zu sammeln, das Spiel.

Cure Runners
Foto: Three Coins
Laut Three Coins gibt es mehrere Enden, es ist also durchaus auch Wiederspielwert gegeben, nicht zuletzt durch die Integration von Google Play Games und Apples Gamecenter, wodurch sich der persönliche Highscore mit dem von Freunden vergleichen lässt. Die 3D-Grafik ist für ein Smartphone-Spiel recht ansehnlich. Hin und wieder kam es beim Spielen der Beta zu kurzen Rucklern, die allerdings den Spielfluß nicht beeinträchtigten.

Raynecoat auf Watchado

Ähnlich wie bei Googles Augmented Reality-Spiel Ingress wird auch bei Cure Runners die Geschichte im Internet weitererzählt. Auf Facebook findet sich die Raynecoat Corporation als sowie die Raynebow Rebellen, die dort in Postings neue Teile der Geschichte erzählen. Einige Charaktere, wie zum Beispiel Robert Johnson, der Sicherheitschef von Raynecoat, haben sogar ihr eigenes Facebook-Profil. So lädt das Spiel auch außerhalb seiner gewohnten Umgebung zum Entdecken und Interagieren ein.

Besonders gut gemacht: Raynecoat ist sogar auf dem Karriere-Portal Whatchado vertreten, auf dem sich der Raynecoat-Gründer und Manager vorstellen. Laut Lena Robinson von Three Coins werde man dieses “Transmedia-Storytelling” auch fortsetzen. Unter anderem wurde auch die Idee von “WhatsApp-Chatstunden mit den Charakteren” diskutiert, die Idee wurde aber wieder verworfen. “Das ist nur etwas für Hardcore-Social Media-Nutzer”, so Robinson.

Versuch mit Facebook-Spiel

Three Coins sind keine Unbekannten in der österreichischen Videospielbranche. Bereits vor zwei Jahren sorgten sie mit “Kicked Out!”, einem Facebook-Spiel, das Jugendlichen den Umgang mit Geld erklären sollte, für Aufsehen. Für die Idee wurde das Team 2011 mit dem österreichischen Sozial-Innovationspreis, „Ideen gegen Armut" ausgezeichnet, der mit 41.700 Euro dotiert war.

Es blieb aber beim Konzept. Three Coins benötigte für die Fertigstellung des Spiels 300.000 US-Dollar, die Summe kam aber auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter nicht zusammen. Auch wenn das Konzept jetzt beinahe für zwei Jahre in der Schublade lag, soll es dennoch weiterentwickelt werden. “Es wird aber definitiv kein Facebook-Spiel mehr”, so Robinson.

Vorerst nur in Österreich

Cure Runners soll zunächst nur in Österreich verfügbar sein, ein internationaler Start sei erst etwas später geplant. “Wir wollen einmal beweisen, dass es hier funktioniert”, sagt Robinson gegenüber der futurezone. Damit festige man auch die eigene Position auf der Suche nach Partnern für einen internationalen Launch. Das Spiel wird kostenlos im Play Store und Apples App Store angeboten, kostenpflichtige In-App-Gegenstände gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben.

Die Entwicklung des Spiels wurde laut Robinson über mehrere Fördermittel (unter anderem aws impulse), Preisgelder sowie einer Philanthropin aus der Schweiz finanziert. Langfristig wolle man über das Sponsorship-Modell Geld mit dem Spiel verdienen, die durch die Entwicklung von Cure Runners gewonnen Erkenntnisse fließen aber bereits jetzt in andere Projekte von Three Coins ein, unter anderem eine Budget-Tracking-App. “Wir sind natürlich ein Unternehmen, aber wir sehen es auch als soziale Mission, die wir zu erfüllen haben”

(futurezone) Erstellt am 31.03.2014, 06:00

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