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Shenzhen-China Epson-Fabrik: Produziert wird "Tag und Nacht".

Foto: Epson
Sie sind großteils jung, flink, hübsch und weiblich - die Fabrikarbeitskräfte in Shenzhen, China. Insgesamt arbeiten rund 14.000 Menschen in der Epson-Fabrik im Stadtbezirk Nanshan. Dort werden jedes Jahr 1,7 Millionen Epson-Projektoren produziert. Die futurezone hat das Werk besichtigt.

Rund 1,5 Stunden nördlich von Hongkong liegt das Epson-Werk in Shenzhen in der chinesischen Provinz Guangdong. Seit die Stadt im Mai 1980 zur Sonderwirtschaftszone erklärt wurde, ist die Einwohnerzahl auf über 12 Millionen gestiegen. Allein im Stadtteil Nanshan leben fast eine Million Menschen. Doch auch wenn der Bezirk als Industrie-Zone gilt, ist es dennoch grün. Rechts und links von der Straße befinden sich liebevoll mit Bäumen, Gräsern und Blumen angelegte Gärten.

Auch am Gelände desWerks ist es grün und es sind mehrere Menschen zu sehen, die den Rasen pflegen - bei 35 Grad im Schatten. Neben zahlreichen Rädern stehen auch viele Mopeds vor dem Eingang herum. Sonst ist es menschenleer. Die meisten Arbeitskräfte findet man nämlich nicht draußen im Garten, sondern in den Fabrikhallen.

"Tag und Nacht"
Rund 14.000 Menschen arbeiten dort "Tag und Nacht", erzählt Tetsu Momose, General Manager der Fabrik. 5.000 Arbeitskräfte sind alleine mit dem Zusammenbau von Projektoren beschäftigt. Denn das Werk, das seit 1985 in Shenzhen beheimatet ist, ist die weltweit größte Fabrik für Projektoren. Von Mainboards, Lampen bis hin zum Gehäuse werden fast alle Teile, die man für Projektoren braucht, in Shenzhen produziert und verbaut.

In den Hallen stehen vor allem blutjunge Frauen (ab 17, heißt es), die mit ihren kleinen, zarten Händen eifrig die einzelnen Teile zusammenstecken. Es muss schnell gehen, und sie müssen genau sein - dazu brauchen sie gute Augen. Mit 30 lässt die Sehkraft bereits etwas nach und nur noch die wenigsten können das Montage-Soll zu diesem Zeitpunkt noch erfüllen. Spätestens dann müssen sie sich einen anderen Job suchen, heißt es bei der Werksbesichtigung.

Bonusleistungen
Bevor die Arbeitskräfte im Werk beginnen werden sie zwei bis drei Wochen eingeschult, erzählt der Manager Yoichi Honda, der für die Produktionsüberwachung zuständig ist. Danach gibt es ein einwöchiges Training in der Fabrik. Danach wird das Produktionslevel langsam aber stetig gesteigert. Da es laut Honda immer schwieriger wird, neue Arbeitskräfte zu finden, nehmen auch die Bonusleistungen zu.

So bekommen die zehn besten Mitarbeiter des Monats (von 14.000) am Ende entweder einen Zeitausgleich oder mehr Geld für ihre "außergewöhnlichen Leistungen", erzählt Honda. Der Lohn ist ohnehin nicht hoch: Das Einstiegsgehalt beträgt 1400 chinesische Yuan pro Monat, das sind umgerechnet rund 150 Euro. "Man steigt allerdings jedes Jahr auf", erklärt Honda.

150.000 Produkte pro Monat
In manchen Bereichen der Fabrik wird rund um die Uhr produziert - und zwar von Mitternacht bis Mitternacht in drei Schichten zu jeweils acht Stunden. Die Arbeitskräfte dürfen jedoch maximal 9,5 Stunden durchgehend arbeiten. Laut Honda hält sich Epson hier an die geltenden Arbeitsgesetze. In der Hauptsaison werden notfalls noch mehr Mitarbeiter eingestellt, um die Anforderungen zu erfüllen, so Honda. Im Durchschnitt werden etwa 150.000 Produkte pro Monat und 8000 Bauteile pro Tag fertig gemacht.

Die Produktionshallen selbst sind gut ausgeleuchtet, es ist relativ kühl, die Luft riecht nicht abgestanden - und bei der Fülle an Mitarbeitern - ist es sogar weniger eng als erwartet. Das heißt: Man hat noch Platz zum Umdrehen. Zwar stehen in zahlreichen Reihen die Arbeitskräfte Seite an Seite und stecken Schrauben in die Mainboards, oder beschriften die Platinen mit den Produktionsnummern. Alle sind hochkonzentriert und kaum einer traut sich aufblicken, denn schließlich rennt die Zeit - wertvolle Zeit, in der die Mitarbeiter ihre Soll-Vorgaben erfüllen müssen.

Qualitätskontrolle
Doch in den Pausen sieht man die Frauen und Männer auch lächeln und tratschen. Gemeinsam tuscheln sie über die europäischen Journalisten, die ihnen in den Reinraumanzügen in Übergrößen im Flur begegnen. Richtig unzufrieden wirkt auf den ersten Blick keiner. Nur in manchen Bereichen ist die Arbeit im Werk wirklich unangenehm. So müssen die Kontrolleure, die schauen, ob die Projektoren auch wirklich so funktionieren, wie sie sollen, stundenlang in einem abgedunkelten, überhitzten Raum stehen, um die Farb- und Leuchtkraft zu testen.

Bevor die Projektoren das Werk verlassen, werden sie nämlich in einer einstündigen Kontroll-Session geprüft. "Durch den konsistenten Produktionskreislauf können wir eine hohe Qualität ermöglichen und Kosten sparen", erklärt der General Manager Momose.

Dennoch soll ein Teil der Produktion nun ausgelagert werden - und zwar auf die Philippinen. Dort wurde ein neues Werk errichtet - um langfristig noch mehr Kosten zu sparen. Denn Shenzhen ist mittlerweile nicht mehr so billig, wie es einmal war. So ist Shenzhen etwa die Stadt in China mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen. Das Epson-Werk ist mit seinen 14.000 Mitarbeitern übrigens fast noch "klein" - so arbeiten beim weltweit größten Elektronikhersteller Foxconn in Shenzhen mehr als 300.000 Menschen. Und dort geht es anders zu.

(futurezone) Erstellt am 03.08.2011, 06:00

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