Zur mobilen Ansicht wechseln »

Android Google Pixel C im Test: Das Beste ist nicht gut genug.

Das Google Pixel C ist ab sofort ab 499 Euro erhältlich
Das Google Pixel C ist ab sofort ab 499 Euro erhältlich - Foto: Gregor Gruber
Microsoft und Apple haben vorgelegt, nun liefert Google sein eigenes 2-in-1 nach. Optisch ist es gelungen, doch kann das Pixel C auch mit inneren Werten überzeugen?

Android und Tablets: Eine lange, komplizierte Geschichte. Während Googles mobiles Betriebssystem auf Smartphones einen ungefährdeten Siegeszug hinlegte, tat man sich auf dem Tablet stets schwer. Es hatte stets den Anschein, Google wäre nicht so recht überzeugt von den vermeintlichen „PC-Killern“. Selbst als Apple 2010 mit dem ersten iPad einen wahren Hype um Tablets auslöste, blieb Google zurückhaltend. Geduld, die Herstellern wie HTC und Samsung fehlte. Obwohl Android offiziell noch keine Tablets unterstützte, preschten zahlreiche Hersteller mit ersten Android-Tablets vor – mit mäßigem Erfolg. 

Seitdem hat sich vieles geändert. Android wird seit Version 3.0 (alias „Honeycomb“) offiziell auf Tablets unterstützt und ist auch Marktführer – wenn auch nicht so ganz deutlich wie bei Smartphones. Doch nimmt Google Tablets tatsächlich ernst? Version um Version wird der Fokus auf Smartphones gelegt, neue Funktionen für Tablets sind Mangelware. Auch Googles letztes Nexus-Tablet, das HTC Nexus 9, bekam mittelmäßige Noten ausgestellt. Nun kommt ein Pixel zur Rettung: Googles Chrome-OS-Team hat mit dem Pixel C ein edles Tablet mitsamt cleverem Tastatur-Dock entwickelt, das auf Android setzt. Eine deutliche Antwort auf Microsofts Surface und Apples iPad Pro – doch reicht es auch? Die futurezone hat den Aluminium-Block auf Android-Basis getestet. 

Design

Edler als Apple und Co.

Sei es Magnesium, Stahl oder Aluminium: Viele Hersteller setzen bei ihren Premium-Produkten auf hochwertige Materialien. Ein erfreulicher Trend, dem sich auch Google anschließt. Das massive Unibody-Gehäuse des Pixel C besteht vollständig aus gebürstetem Aluminium. Schlicht, aber hochwertig. Die Rückseite wird lediglich von einer vierfarbigen LED-Leiste verziert – ein Feature, das Besitzer des Chromebook Pixel bereits kennen (und schätzen). Ist der Bildschirm aktiv, leuchtet diese Leiste in den Chrome-Farben Rot, Gelb, Grün und Blau. Beim Laden zeigt die Leiste zudem den Akkustand an. Durch doppeltes Antippen wird der Ladestand auch im Standby eingeblendet. Für Benachrichtigungen lässt es sich allerdings (derzeit) nicht nutzen. 

Google Pixel C
Foto: Gregor Gruber
Die 8-Megapixel-Kamera wurde dezent im rechten oberen Eck versteckt, einen Blitz gibt es nicht. Die Front ist ähnlich schlicht. Das 10,2 Zoll große Display wird von einem knapp 15 Millimeter breiten Rahmen umgeben, auf Soft Keys wird verzichtet. Zum Stil passen auch die Lautsprecher an der rechten und linken Seite, die eine gute Leistung abliefern. Die Power-Taste oben links sowie die Lautstärkewippe an der linken Seite sind gut verarbeitet, allerdings in Anbetracht der Größe des Pixel C relativ klein. Anschlüsse sucht man, mit Ausnahme des Kopfhörer- und USB-Typ-C-Anschlusses, vergeblich. Auch das relativ schlanke Tastatur-Dock verzichtet auf zusätzliche Anschlüsse. Externes Zubehör, wie Mäuse oder Tastaturen, müssen daher per Bluetooth gekoppelt werden. 

Tastatur

Hungriges Dock

Als wäre das Pixel C mit 517 Gramm nicht schon schwer genug, das Tastatur-Dock fügt stolze 399 Gramm hinzu. Damit ist es 29 Gramm schwerer als das Surface 3 mitsamt Tastatur, das zudem über einen etwas größeren Bildschirm (10,8 Zoll) verfügt. Ein Gewicht, das in der Tasche kaum auffällt, beim Auspacken aber sehr wohl. Der Aluminium-Block mag sich hochwertig anfühlen, doch gerade beim Positionswechsel oder der Verwendung im Tablet-Modus wünscht man sich ein paar Gramm weniger. 

Google Pixel C
Foto: Gregor Gruber
Es ist selten ein gutes Zeichen, wenn ein Gadget mit einer umfangreich bebilderten Bedienungsanleitung ausgeliefert wird. So findet man beim Öffnen der Verpackung der Pixel-C-Tastatur nicht etwa das Dock, sondern zunächst eine große Schritt-für-Schritt-Anleitung im Lego-Stil vor. Aus gutem Grund, denn das eigentlich simple Prinzip ist alles andere als selbsterklärend. Im nahezu frei verstellbarem Klappständer befindet sich ein Magnet, an dem das Tablet angebracht wird. Das ist allerdings nur in einer Position möglich. Verständlich, denn ansonsten werden die Kamera auf der Rückseite sowie die Power-Taste überdeckt. Da das Tablet relativ symmetrisch ist, verwechselt man jedoch die Ausrichtung oft.  

Das gleiche gilt für das "Zusammenklappen", in dem das Pixel C optisch eher einem Laptop ähnelt. Leider lässt es sich nicht aufklappen, sondern muss auseinandergeschoben werden. In der Theorie simpel, in der Praxis aber meist frustrierend schwer. Umgedreht kann es auch im "Tablet-Modus" auf dem Tastatur-Dock verwendet werden. Leider ist dieser Modus weitestgehend sinnlos. Während beispielsweise beim Surfacebook der Tablet-Teil durch das Tastatur-Dock geladen und mit Extra-Leistung versorgt wird, entzieht das Tastatur-Dock dem Pixel C sogar Energie. Die Bluetooth-Tastatur wird durch das Tablet geladen. 

Laptop-Ersatz

Mäßiges 2-in-1

Das Pixel C erhebt nicht nur in puncto Design den Anspruch, ein Laptop-Ersatz zu sein. Leider gelingt das nicht. Eines der größten Probleme ist die Tastatur. Die QWERTZ-Tastatur ist hochwertig verarbeitet und erinnert an bekannte Laptop-Tastaturen. Auch der Druckpunkt ist ordentlich und ermöglicht angenehmes Tippen. Doch das Layout der QWERTZ-Tastatur ist chaotisch. Um möglichst breite Tasten auf der relativ kleinen Fläche zu platzieren, wurden viele bekannte Tasten für Sonderzeichen eingespart. Diese wurden zum Teil als Alternativbelegung auf die Umlaut-Tasten gelegt. Während mit einigen Tasten, beispielsweise der zehn Millimeter schmalen Tabulator-Taste, besonders platzsparend umgegangen wurde, wurden die Strg- und Alt-Taste geradezu verschwenderisch groß ausgeführt.  

Google Pixel C
Foto: Gregor Gruber
Das ist verwunderlich, denn diese Tasten kommen im Alltag selten zum Einsatz – Sondertasten für Android, beispielsweise die Home- oder Zurück-Taste, machen hier deutlich mehr Sinn. So werden "Alt" und "Alt Gr" genutzt, um die Emoji- und Sonderzeichen-Tastatur einzublenden. Die einzige Sondertaste findet sich in Form von "Suchen" an jenem Platz, an dem üblicherweise die Umschalt-Taste zu finden ist. Auch wer diese üblicherweise meidet, wird sie des Öfteren versehentlich betätigen. Da die Tastatur auf eine Escape- oder Zurück-Taste verzichtet, ist man dabei gezwungen, auf den Touchscreen zu tippen, um die Such-App zu schließen. Ein Umstand, der den Arbeitsfluss beim Tippen längerer Texte erheblich stört. 

Google Pixel C
Foto: Gregor Gruber
Dieses Problem wird aber nicht nur beim Tippen deutlich. In vielen Apps wird nicht einmal Scrollen per Pfeiltasten ermöglicht, sodass der Benutzer wieder auf Touch-Bedienung zurückgreifen muss. Doch auch ein Touchpad hätte die Situation nicht sonderlich verbessert. Wer sich davon selbst überzeugen will, muss lediglich eine Bluetooth-Maus mit dem Pixel C verbinden. Android unterstützt, im Gegensatz zu iOS, zwar die Maus-Eingabe, doch viele (auf Touch-Eingabe optimierte Apps) profitieren kaum davon oder lassen sich teilweise sogar schlechter bedienen. 

Software

Aufgeblasenes Smartphone-Betriebssystem

Der Fokus bei Android und iOS lag jahrelang auf Smartphones. Tablets wurden sowohl von Apple als auch Google jahrelang nahezu sträflich vernachlässigt. Apple erkannte mit iOS 9 aber zumindest, dass Tablets mittlerweile mehr können als Videos wiedergeben und größere Apps anzuzeigen. Split-Screen, Bild-im-Bild-Apps sowie einige kleine Anpassungen haben die Produktivität auf den iPads spürbar verbessert, auch wenn sie nach wie vor nicht das Niveau von Laptops erreicht. Doch Android hinkt hier weiterhin hinterher. Abgesehen von Anpassungen, wie beispielsweise durch Samsung oder LG, beherrscht Android keine Split-Screen-Darstellung. Google kündigte allerdings an, dass man für Android N bereits daran arbeite. 

Google Pixel C
Foto: Gregor Gruber
Ein schwacher Trost, wenn man jetzt das Pixel C als Laptop-Ersatz verwenden möchte. Da es sich um ein Google-Gerät handelt, wird es zumindest stets mit aktuellen Android-Updates versorgt. Wie bei Nexus-Geräten dürfte somit Pixel-C-Käufern zumindest zwei Jahre lang die aktuellste Android-Version sicher sein. 

Hardware

Scharf und flott

Google hat nicht bei der Hardwareausstattung gespart. So kommt Nvidias aktueller Top-Chip Tegra X1 zum Einsatz, der in ähnlicher Ausführung auch in der Set-Top-Box Shield TV zum Einsatz kommt. Der Octacore-Chip lässt in grafiklastigen Benchmarks wie AnTuTu und 3DMark eindrucksvoll die Konkurrenz hinter sich, die CPU-Leistung kommt nur knapp nicht an jene des Qualcomm Snapdragon 810 heran. Leistung, die man selten ausreizen wird. Zumindest in einem Punkt kann man sich sicher sein: Das Pixel C ist das mit Abstand schnellste Android-Tablet. 

3DMark (Ice Storm Unlimited, Version 1.2): 40.636 Punkte
AndroBench (Version 4.1, sequentielles Lesen/Schreiben): 154,2 / 115,45 MB/s
AnTuTu (Version 6.0): 93.593 Punkte
PCMark (Version 1.2): 6.850 Punkte
Quadrant (Version 2.1.1): 20.636 Punkte 

Neben dem Nvidia-Chip wurden drei Gigabyte RAM sowie 32 Gigabyte an internem Speicher verbaut. Gegen einen Aufpreis von 100 Euro bekommt man 32 Gigabyte dazu. Da Google auf einen microSD-Kartenslot verzichtet, könnte sich diese Investition durchaus lohnen. Bei der getesteten 64-Gigabyte-Variante sind knapp 53 Gigabyte für den Benutzer frei verfügbar. 

Der 10,2 Zoll große LC-Bildschirm fügt sich gut in die restliche High-End-Ausstattung ein. Der Bildschirm löst mit 2560 mal 1800 Pixeln auf und weist damit eine hervorragende Pixeldichte von 308 ppi auf. Damit ist der Bildschirm des Pixel C schärfer als jene des Surface Pro 4 (267 ppi) und iPad Pro (264 ppi). Auch bei der Farbqualität muss sich das Google-Tablet nicht vor der Konkurrenz verstecken. Die Farbdarstellung ist sehr gut, ein Farbstich ist nicht erkennbar. Lediglich bei der Helligkeit weist das Pixel C Schwächen auf. Der Bildschirm ist unglücklicherweise nicht hell genug, um Spiegelungen bei Tageslicht auszugleichen.

Fazit

Ein Tablet, das ohne Android besser wäre

Das Pixel C ist ein ungewöhnliches 2-in-1-Gerät, das mit eigentlich guten Argumenten lockt: Hervorragend verarbeitet, flotte Hardware und eine Vielzahl an Apps dank Android. Doch leider ist auch in diesem Fall das Beste nicht gut genug. Ohne Zusatzsoftware ist Android auf diesem großen Bildschirm eine Qual, einen Laptop wird das Pixel C so nie ersetzen können. Es ist bedauerlich: Das Pixel C kommt wohl fast ein Jahr zu früh, mit Android N wäre es vermutlich deutlich produktiver einsetzbar. Selbst Chrome OS, das offenbar ursprünglich für das Tablet C vorgesehen war, hätte hier deutlich besser gepasst.

So ist das Pixel C eine verführerische Täuschung. Wer auf der Suche nach einer Tablet-Laptop-Kombination ist, greift wohl besser zu einem Surface (oder einem der vielen Konkurrenz-Produkte mit Windows). Lediglich Android-Fans, die auf der Suche nach einer Alternative zum iPad sind, dürfen bedenkenlos zum Pixel C greifen. 

Modell:
Google Pixel C
Display: 
10,2 Zoll LTPS LC-Bildschirm - 2560 x 1800 Pixel (1,42:1, 308 ppi)
Prozessor: 
Octacore-SoC (Tegra X1)
RAM: 
3 Gigabyte
Speicher: 
32/64 GB intern (53 Gigabyte verfügbar)
Betriebssystem: 
Android 6.0.1
Anschlüsse/Extras: 
USB Typ-C, Bluetooth 4.1, WLAN (a/b/g/n/ac)
Akku: 
34,2 Wh
Kamera: 
8 Megapixel (Rückkamera), 2 Megapixel (Frontkamera)
Videos: 
Aufnahme in 1080p bei 30 fps möglich
Maße:
242 x 179 x 7 mm, 517 Gramm (916 Gramm)
Preis: 
499/599 Euro (UVP) 

(futurezone) Erstellt am 22.12.2015, 06:00

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Ihr Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    Bitte Javascript aktivieren!