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Apple Hands-on: Wenn das iPhone 4S zurückredet.

Foto: Franz Gruber
Für die einen eine Enttäuschung, für die anderen ein Hit: Die futurezone konnte zehn Tage vor dem Verkaufsstart des neuen Apple-Handys in Österreich dessen Funktionen ausprobieren - in erster Linie natürlich die Sprachsteuerung "Siri".

Die Enttäuschung von Analysten und Börsianer über die neueste Edition von Apples iPhone, das “4S”, dürften Konsumenten weltweit nicht teilen: Allein an den ersten drei Verkaufstagen wurden vier Millionen Stück des Smartphones in den USA, Deutschland und fünf weiteren Ländern verkauft - und das, obwohl es seinem Vorgänger, dem iPhone 4, rein äußerlich  fast wie ein Ei dem anderen gleicht. Auslöser für das große Interesse dürfte neben der generellen Popularität der Milliardenmarke Apple vor allem die neue Sprachsteuerung “Siri” sein, die das iPhone 4S zu einem digitalen Assistenten machen soll.

Ab 28. Oktober (Preise und Tarife sind noch nicht bekannt) wird das neue Apple-Handy auch in Österreich erhältlich sein. Die futurezone konnte bereits zehn Tage vor dem offiziellen Start ein Hands-on mit dem iPhone 4S im Digital Store Vienna von Ernesto Gelles machen und hatte Gelegenheit, die Sprachsteuerung “Siri”, die neue 8-Megapixel-Kamera sowie den neuen A5-Prozessor kurz auszuprobieren.

Antennen und SIM-Karte
Am Design des iPhone 4S hat Apple im Vergleich zum iPhone 4 optisch nur eine Kleinigkeit geändert: Der Metallrahmen bietet nun vier statt wie bisher nur drei voneinander getrennte Antennensegmente. Wie Tests von Golem und Ars Electronica zeigen, bieten diese bessere Empfangs- und Sendeleistungen als jene des Vorgänger-Modells. “Antennagate” wie 2010 nach dem iPhone-4-Start sollte sich diesmal nicht in dem Ausmaß wiederholen. Die Probleme mit SIM-Karten, über die Nutzer in Deutschland berichteten , zeigten sich in dem der futurezone vorliegenden Modell, das aus Deutschland stammt, nicht.

Siri: “Wie kann ich behilflich sein?”
Die große Neuerung des iPhone 4S ist, wie berichtet , der digitale Sprachassistenten “Siri”, der (auch bei gesperrtem Gerät) jederzeit mit einem langen Druck auf die Home-Taste aktiviert werden kann. Per Mikrofon oder Headset (funktioniert in lauten Umgebungen besser) kann man Siri Aufgaben und Fragen auf Deutsch stellen. Aufforderungen wie “Erinnere mich morgen ans Milchkaufen” oder “Wecke mich morgen um 7 Uhr” resultieren tatsächlich in entsprechenden Kalendereinträgen bzw. Weckereinstellungen. Auch die Frage nach dem “Wetter morgen” oder der Befehl “Starte Musik” wird zufriedenstellend mit einer passenden Aktion beantwortet, ebenso wie die Aufgabe “Zeig mir den Aktienkurs von Apple”. Wichtig ist immer, sein Begehr deutlich auszusprechen - beim Diktat von SMS oder eMail kann Siri Probleme bei Verstehen von Zahlen oder Namen haben.

Siri hört aber nicht nur zu, sondern redet auch zurück - die weibliche Stimme ist sehr neutral zwischen den Polen “sexy” und “kühl” angesiedelt, ohne zu sehr nach Roboter zu klingen. Die Sprachausgabe des iPhone kommt vor allem dann ins Spiel, wenn zusätzliche Interaktionen nach der ersten Frage notwendig sind - etwa, welchem Thomas aus dem Adressbuch die diktierte SMS geschickt werden soll oder ob nach einem Wort, das der Software nicht bekannt ist, im Web gesucht werden soll. Spaß macht anfangs natürlich auch, Siri nicht ganz ernst gemeinte Fragen á la “Willst du mich heiraten?” zu stellen, die schlagfertig und mit dem trockenen Humor ihrer Programmierer entgegnet werden.

Ländergrenzen
Je länger man sich mit Siri spielt, desto schneller stößt man aber auch an die Grenzen der Software. Denn die Sprachsteuerung kann derzeit nur mit einer ausgewählten Reihe an Apple-eigenen Apps interagieren. Während SMS und eMail angesprochen werden können, muss man das Versenden von Facebook- oder Twitter-Nachrichten mit einem Trick selbst ermöglichen.
Außerhalb der USA kann Siri noch keine ortsbezogenen Fragen berechnen - die Aufgabe, den nächsten Supermarkt, Bankomanten oder Flughafen zu finden, wird nicht erfüllt. Auch Rechenaufgaben wie “Wie viel Euro sind 100 Dollar? oder “Wie viel ist vier plus vier?” schafft Siri in der deutschen Ausgabe noch nicht. Immerhin kann man bei ungelösten Aufgaben einfach auf die Web-Suche ausweichen: Dabei kann der Sprachassistent auf Wunsch bei Google, Yahoo! oder Bing auf Stichwortsuche gehen.

Zu Anfragen bezüglich des iPhone 4S schwigt Siri ebenfalls: Auf Fragen wie “Wo wurdest du hergestellt?”, “Wie viel Arbeitsspeicher hast du?” oder ““Welches Smartphone ist besser als du?” gibt es keine Antworten. Alle nicht von den Entwicklern vorausgesehenen Spaßfragen (z.B. “Wann werden die Maschinen die Weltherrschaft übernehmen?”, “Rapid oder Austria?”, “Wen würdest du wählen, wenn morgen Nationalratswahl wäre?”) entgegnet Siri immer, die Frage nicht verstanden zu haben oder einzelne Wörter nicht zu kennen. Der Name “Steve Jobs” ist Siri ebenfalls nicht bekannt - es sei denn, er steht in der Kontaktliste des Handys.

Voraussetzung für die Nutzung des Sprachassistenten ist jedenfalls immer eine stabile Internetverbindung. Anfragen werden nicht lokal, sondern auf Apple-Servern bearbeitet, was auch die teilweise langen “Nachdenk”-Zeiten der Software erklärt. Für den Akku ist Siri ebenfalls eine Herausforderung: Im Hands-on schwanden in 15 Minuten etwa 7 Prozent der Akkuladung dahin.

Mehr Megapixel und Farbtreue
Im Hands-on konnte die futurezone auch die neue 8-Megapixel-Kamera ausprobieren. Im Vergleich zum iPhone 4 (5 MP) ist nicht nur die bessere Auflösung (z.B. beim Zoomen) bemerkbar, sondern auch die naturgetreuere Darstellung von Farben. Während das iPhone 4 etwa bei Grün- und Rosatönen zum Übersättigen neigt, entsprechen die Aufnahmen des 4S mehr den echten Farbgebungen.

Generell dürfte das 4S bei Innenaufnahmen eher zu gelbstichigen Bildern neigen, während Fotos des iPhone 4 eher blaustichig wurden. Wie sich die verbesserte Kamera bei Außenaufnahmen sowie Schnappschüssen in dunkleren Umgebungen macht, konnte im Hands-on nicht erörtert werden.

Mehr Leistung für Games

Mit dem schon im iPad 2 verbauten A5-Chip hat das iPhone 4S wie viele andere Android-Geräte endlich einen Doppelkern-Chip bekommen. Dieser ist allerdings nicht wie im iPad 2 auf 1Ghz, sondern nur auf 800 Mhz getaktet. Bemerkbar macht sich die neue Rechen-Power vor allem bei grafisch aufwendigen Games wie “Infinity Blade”: Dieses läuft im Vergleich zum iPhone 4 bei besserer Grafik dank höherer Bildrate einen Deut flüssiger. Im Hands-on bestätigten zwei Benchmark-Tests die Überlegenheit des A5-Chips gegenüber dem A4-Chip: Der BrowserMark von Rightware wies dem iPhone 4S einen Score von 88706 aus, dem iPhone 4 einen Score von 50432. Da beide Geräte mit iOS 5 und damit dem gleichen Browser laufen, ist die Leistungsteigerung von grob 70 Prozent eindeutig auf den neueren Prozessor zurückzuführen. Damit setzt sich das iPhone 4S in Sachen Speed insgesamt an die Spitze der aktuellen Smartphone- und Tablet-Generation, wie auch der IT-Blog AnandTech zeigte.

Der deutliche Unterschied zeichnete sich auch in der BenchMark-App GeekBench 2 ab: Hier schlug das iPhone 4S seinen Vorgänger um mehr als 200 Punkte (587 vs. 371). Besonders bei rechenintensiven Aufgaben wie Komprimieren und Dekomprimieren von Daten war der Leistungsvorsprung des 4S gegenüber seinem Vorgänger messbar.

Fazit
Allein aus Hardware-Gründen wird man nicht zum iPhone 4S greifen wollen - es sei denn, man will unbedingt eine der besten Handy-Kameras, die derzeit am Markt erhältlich sind, oder legt sehr viel Wert auf mobile Rechenkraft für Spiele. Die Mehrheit der potenziellen Käufer wird wohl die Sprachsteuerung Siri reizen. Dass aber künftig alle iPhone-4S-Besitzer auf der Straße und auf der Couch regelmäßig mit ihrem Smartphone reden werden, ist kaum vorstellbar. Wer aber oft mit dem Auto unterwegs ist, wird von den gut funktionierenden Möglichkeiten, etwa SMS oder eMails diktieren zu können, sicher profitieren. Auch Menschen mit Sehbehinderungen könnten mit “Siri” eine Erleichterung im Umgang mit dem iPhone erfahren. Spannend wird jedenfalls sein, ob Apple Siri zur Plattform ausbauen wird, andere Firmen über APIs andocken lässt und dann auch Anfragen wie “Such mir den billigsten Flug nach London” bearbeiten kann.

Kamera: Im Hands-on konnte die futurezone auch die neue 8-Megapixel-Kamera ausprobieren. Im Vergleich zum iPhone 4 (5 MP) ist nicht nur die bessere Auflösung (z.B. beim Zoomen) bemerkbar, sondern auch die naturgetreuere Darstellung von Farben. Während das iPhone 4 etwa bei Grün- und Rosatönen zum Übersättigen neigt, entsprechen die Aufnahmen des 4S mehr den echten Farbgebungen. Generell dürfte das 4S bei Innenaufnahmen eher zu gelbstichigen Bildern neigen, während Fotos des iPhone 4 eher blaustichig wurden. Wie sich die verbesserte Kamera bei Außenaufnahmen sowie Schnappschüssen in dunkleren Umgebungen macht, konnte im Hands-on nicht erörtert werden.

Leistung: Mit dem schon im iPad 2 verbauten A5-Chip hat das iPhone 4S wie viele andere Android-Geräte endlich einen Doppelkern-Chip bekommen. Dieser ist allerdings nicht wie im iPad 2 auf 1Ghz, sondern nur auf 800 Mhz getaktet. Bemerkbar macht sich die neue Rechen-Power vor allem bei grafisch aufwendigen Games wie “Infinity Blade”: Dieses läuft im Vergleich zum iPhone 4 bei besserer Grafik dank höherer Bildrate einen Deut flüssiger. Im Hands-on bestätigten zwei Benchmark-Tests die Überlegenheit des A5-Chips gegenüber dem A4-Chip: Der BrowserMark von Rightware wies dem iPhone 4S einen Score von 88706 aus, dem iPhone 4 einen Score von 50432. Da beide Geräte mit iOS 5 und damit dem gleichen Browser laufen, ist die Leistungsteigerung von grob 70 Prozent eindeutig auf den neueren Prozessor zurückzuführen. Damit setzt sich das iPhone 4S in Sachen Speed insgesamt an die Spitze der aktuellen Smartphone- und Tablet-Generation, wie auch der IT-Blog AnandTech zeigte.

Der deutliche Unterschied zeichnete sich auch in der BenchMark-App GeekBench 2 ab: Hier schlug das iPhone 4S seinen Vorgänger um mehr als 200 Punkte (587 vs. 371). Besonders bei rechenintensiven Aufgaben wie Komprimieren und Dekomprimieren von Daten war der Leistungsvorsprung des 4S gegenüber seinem Vorgänger messbar.

Fazit
Allein aus Hardware-Gründen wird man nicht zum iPhone 4S greifen wollen - es sei denn, man will unbedingt eine der besten Handy-Kameras, die derzeit am Markt erhältlich sind. Die Mehrheit der potenziellen Käufer wird wohl die Sprachsteuerung Siri reizen. Dass aber künftig alle iPhone-4S-Besitzer auf der Straße und auf der Couch regelmäßig mit ihrem Smartphone reden werden, ist kaum vorstellbar. Wer aber oft mit dem Auto unterwegs ist, wird von den gut funktionierenden Möglichkeiten, etwa SMS oder eMails diktieren zu können, sicher profitieren. Auch Menschen mit Sehbehinderungen könnten mit “Siri” eine Erleichterung im Umgang mit dem iPhone erfahren. Spannend wird jedenfalls sein, ob Apple Siri zur Plattform ausbauen wird, andere Firmen über APIs andocken lässt und dann auch Anfragen wie “Such mir den billigsten Flug nach London” bearbeiten kann.

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Siri im Wortlaut:

Wie heißt du?
Mein Name? Der ist Siri

Was tust du?
Was ich mache? Ich spreche mit dir.

Wo bist du?
Das ist geheim.

Bist du eine künstliche Intelligenz?
Wir sprachen über dich, nicht mich.

Erzähl mir einen Witz.
Kann ich nicht. Ich vergesse immer die Pointe.

Was ist der Sinn des Lebens?
Ich weiß es nicht. ich glaube aber, dafür gibt es eine App.

Was ist deine Lieblings-App?
Das möchte ich lieber nicht sagen.

Glaubst du an Gott?
Es tut mir leid. Ich fürchte ich kann das nicht beantworten.

Was ist deine Lieblingsfarbe?
Meine Lieblingsfarbe ist…naja, ich weiß nicht wie ich das in deiner Sprache ausdrücken kann. Es ist so eine Art Grün, aber mit mehr Dimensionen.

Wo kommst du her?
Ich, Siri, wurde von Apple in Kalifornien entwickelt.

Wie alt bist du?
Geht dich das was an?

Was ist dein Lieblings-Song?
So etwas solltest du deinen Assistenten eigentlich nicht fragen.

Wann kommt das nächste iPhone?
Tut mir leid, ich verstehe die Frage nicht.

Willst du mich heiraten?
In meinem Endbenutzer-Lizenzvertrag steht nichts über Ehe. Tut mir leid.

(futurezone) Erstellt am 18.10.2011, 16:00

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