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DO IT YOURSELF Happylab: Hightech für alle.

Foto: Bild: Futurezone/Patrick Dax
Das Wiener Happylab bietet Interessierten Zugang zu Hightechgeräten wie 3D-Druckern und Lasercuttern und will bei der Umsetzung von Ideen und Projekten helfen. Am Freitag wurde das Fabrikationslabor (Fab Lab) offiziell eröffnet. Durch die Streichung außeruniversitärer Forschungsgelder drohen jedoch schon bald erste Finanzierungsengpässe.

"Ideen brauchen Raum, um enwickelt und umgesetzt werden zu können", sagt Roland Stelzer von der Österreichischen Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften (INNOC). Das Happylab des Forschungsvereins will genau das bieten.

Auf 250 Quadratmetern warten in der Haussteingasse 4 im zweiten Wiener Gemeindebezirk zahlreiche Werkzeuge und Hightechgeräte, mit denen verschiedenste Produkte selbst hergestellt werden können, auf ihre Nutzer.

Happylab
Der Eingangsbereich des Wiener Happylab - Foto: Bild: Futurezone/Patrick Dax

"Niederschwelliger Zugang"

Das Spektrum reicht von "Rapid Prototyping"-Geräten wie 3D-Drucker, die auf dem Bildschirm generierte Gegenstände im Mehrschichtverfahren ausdrucken, bis hin zu Lasercuttern und CNC-Fräsen.

Das Happylab soll einen "niederschwelligen Zugang" zu komplexen Produktionstechnologien ermöglichen, erläutert Stelzer. Der Mitgliedsbeitrag ist deshalb mit 20 Euro jährlich für die nichtkommerzielle Nutzung bewusst niedrig gehalten.

Roland Stelzer
Roland Stelzer vom Happylab - Foto: Bild: Futurezone/Patrick Dax

Vorwissen ist zwar bei vielen Besuchern des Fabrikationslabors vorhanden, notwendig ist es nicht. Das für die Benutzung der Geräte nötige Wissen soll in Workshops und über den Austausch unter den Nutzern vermittelt werden. Jeden Mittwochabend wird zum "Happy Evening" geladen, bei dem Erstbesuchern die Möglichkeiten des Fabrikationslabors nähergebracht werden.

"Heterogene Community"

Rund 120 Mitglieder zählt das Happylab bereits, das vor dem Umzug in die neuen Räumlichkeiten, in einem Keller im 20. Bezirk betrieben wurde. "Dazu zählen Schüler, Studierende und Pensionisten ebenso wie Wissenschafter, Modellbauer, Informatiker und Medienkünstler", erzählt Stelzer.

Objekte aus dem 3D-Drucker
Objekte aus dem 3D-Drucker - Foto: Bild: Futurezone/Patrick Dax

Sie verfolgen im Happylab ihre Projekte oder drucken auch nur computergenerierte Ersatzteile für Haushaltsgeräte aus. "Unser Potenzial ist die heterogene Community", meint Stelzer. "Über den Austausch unter den Happylab-Mitgliedern entstehen Ideen, die umgesetzt oder auch wieder verworfen werden."

So haben Mitglieder des Happylabs etwa ein "autonomes Golfwagerl" entwickelt, das Golfspieler selbstständig am Platz begleitet. Auch eine computergesteuerte Styroporschneidemaschine wurde von den Mitgliedern des Fab Labs konstruiert und fabriziert. Daneben wird auch an 3D-Druckern im Eigenbau gearbeitet. Als Vorlage dienen dabei die Baupläne des RepRap-Projekts, die unter freien Lizenzen zur Verfügung stehen.

Autonomes "Golfwagerl"
"Autonomes Golfwagerl" - Foto: Bild: Futurezone/Patrick Dax

Knowhow-Transfer

"Der Gedanke des Knowhow-Transfers ist beim Happylab zentral", sagt Stelzer. Mitglieder werden dazu ermutigt, ihre Projekte in einem Wiki zu dokumentieren und ihr Wissen weiter zu geben. "Man muss nicht alles neu erfinden. Die gegenseitige Inspiration ist wichtig."

Die Idee für das Fabrikationslabor geht auf den US-Informatiker Neil Gershenfeld zurück, der 2002 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) das erste Fab Lab ins Leben rief. Das Fabrikationslabor am MIT diente als Vorbild für weitere Projekte. Weltweit gibt es derzeit zwischen 40 und 50 solcher offener Werkstätten.

Werkstatt im Happylab
Werkstatt im Happylab - Foto: Bild: INNOC

Der Name Happylab leitet sich aus dem Spitznamen des 2005 verstorbenen österreichischen Robotik-Forschers Herbert "Happy" Hörtlehner ab, der bereits 2005 Teile seiner Wohnung für die kreativ-technische Freizeitbeschäftigung für seine Schüler und Studenten zur Verfügung stellte.

Finanzierungsengpass droht

Finanziert wird das Happylab zum Großteil aus Fördergeldern. Zum Aufbau wurden Mittel des Europäischen Regionalentwicklungsfonds, des Wissenschafts- und Wirtschaftsministerium und er Stadt Wien verwendet. Durch die Budgetpläne der Bundesregierung droht jedoch ein Finanzierungsengpass. Von der geplanten Streichung der Mittel für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen ist auch der Happylab-Betreiber INNOC betroffen.

Auf die Gesellschaft für innovative Computerwissenschaften, die mit zahlreichen internationalen Universitäten zusammenarbeitet, geht unter anderem die Robot Challenge, einer der weltweit größten Wettbewerbe für selbstgebaute, autonome und mobile Roboter, zurück. Auch das Robotersegelboot ASV Roboat, immerhin amtierendes Weltmeisterboot im Roboter Segeln, wurde von einem INNOC-Forscherteam entwickelt.

"Das ist eine Basis, auf der etwas entstehen kann", so Stelzer. "Wenn man das leichtfertig aufs Spiel setzt, ist das ein Verschwenden von Ressourcen." Der Betrieb des Happylabs ist laut Stelzer bis Ende 2011 durch die Querfinanzierung aus laufenden Forschungsprojekten gesichert. "Danach wird es eng."

Mehr zum Thema:

Arbeit in Zeiten der Krise

(Patrick Dax)

Link:

RepRap

(futurezone) Erstellt am 26.11.2010, 15:39

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